„Gangs of New York“ gilt als einer der größten Oscarflops aller Zeiten und auch an den Kinokassen versagte er. Ganze 10 Nominierungen erhielt das Historienepos von Altmeister Martin Scorsese und ging dabei komplett leer aus, was durchaus unverständlich ist, da „Gangs of New York“ fast auf kompletter Linie überzeugt.
In Mitten der Aufruhen des amerikanischen Bügerkriegs wird die Geschichte rund um den jungen „Amsterdam“ erzählt, der nach dem Tod seines Vaters nur noch Rache im Sinn hat und dafür an den Ort seiner Kindheit zurückkehrt, den Five Points.
Und diese wurden in einem schier unglaublichen Setting nachgestellt. Die Detailfreudigkeit ist beeindruckend und der Aufwand muss riesig gewesen sein.
Ebenso beeindruckend ist die Kameraarbeit des deutschen Michael Ballhaus, mit dem Scorsese schon oft zusammengearbeit hat. Das New York des 19. Jahrhunderts wird erstaunlich eingefangen und präsentiert.
Die beiden Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis und Leonardo DiCaprio sind der Inbegriff für besondere Schaupielarbeit. Während DiCaprio wie immer klasse aufspielt, wird er hier allerdings von der beachtlichen Präsenz und Wucht seines Partners in den Schatten gestellt. Daniel Day-Lewis hätte hier den Oscar mehr als verdient gehabt, denn seine Darstellung des „Butchers“ ist einzigartig und verdient vollen Respekt.
In den kanpp drei Stunden Lauflänge bleibt das einzige oberflächliche Motiv der Haupthandlung Rache, doch die wunderschönen Bilder, an denen man sich satt sehen kann, und die Vielschichtigkeit von Daniel Day-Lewis Figur machen dies wieder wett.
Die Handlung wird kompromisslos und strikt nach vorne getrieben und hat wenig Platz für weichgesottene Momente. Scorsese schafft es einen perfekten Bogen zwischen moderner Schauspielkunst und altbekannten Antrieben zu erzählen und lässt dabei genügend Spielraum zur Interpretation und Kritik an dem gerade Gesehenen.
Das Zusammenspiel von Rache, Freiheit und Liebe muss gelingen und gelingt äußerst harmonisch. „Gangs of New York“ schweift immer nur soweit ab, dass es sich noch optimal in das Gesamtkonstukt einfügt. Das Elend auf der einen Seite, das Entkommen in eine bessere Welt durch Gewalt, das Umstrukturieren von Gesellschaftsformen und die reine Hoffnung stehen im Kontrast zur makellosen Welt auf der anderen Seiten. Scorcese lässt uns in beide Seiten eintauchen, allerdings eindeutig mehr in das Elend, in die Five Points. Hier werden die Geschichten erzählt und der amerikanische Traum geschaffen. U2 Song „The hands that build America“ rundet den Film im Abspann und deren Thematik komplett ab.
An dieser Stelle sollen nochmal ca. die letzten 30 Minuten des Films explizit betont werden, da sie inszenatorisch und dramturgisch auf aller höchstem Niveau spielen und sie es einem eiskalt den Rücken runterlaufen lassen, wenn die beiden verfeindeten Gangs in Mitten der Aufruhen innerhalb der Stadt zum großen Schlag ausholen. Das ist ganz großes Kino.
„Gangs of New York“ ist ein brutales, großartig bebildertes Epos, das mal wieder beweist was für ein exzellenter Regisseur Martin Scorsese ist.
9,5/10
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