Mit „Inglourious Basterds“ rechnete Quentin Tarantino 2009 mit dem Nationalsozialismus ab und schrieb für Christoph Waltz wohl die Rolle seines Lebens.
Unterteilt in fünf Kapiteln erzählt uns Tarantino eine Geschichte rundum den Judenjäger Hans Landa, die jüdische Kinobesitzerin Shoshanna, die ihre ganz eigene Vergangenheit mit Landa hat, und einer Gruppierung jüdischer Soldaten, die im -von Nazis besetzten- Frankreich abgesetzt wurde und dort Jagd nach eben diesen macht.
Christoph Waltz erlebte mit seiner Rolle als SS-Standartenführer seinen internationalen Durchbruch und wurde einem breiteren Publikum bekannt. Für die Darstellung des Hans Landas war zunächst Leonardo DiCaprio vorgesehen und auch dies wäre sicherlich interessant gewesen, doch Waltz spielt so groß auf, dass man ihn sich nicht mehr wegdenken möchte. Seine Ausstrahlung ist einzigartig und man könnte ihm stundenlang dabei zusehen, wie er es schafft seinen Gegenübern rhetorisch so zum schwitzen zu bringen, dass sie ihm jedes kleinste Detail verraten.
Brad Pitt, der Hans Landas Widersacher verkörpert und ebenfalls groß aufspielt, muss sich klar hinter Waltz positionieren. Nicht umsonst wurde Christoph Waltz mit dem Oscar und Golden Globe als bester Nebendarsteller ausgezeichnet.
Durch diverse Einblendungen, aber besonders durch die verwendete Musik wird klar, dass Tarantinos Film klar an die Italowestern der 60er orientiert ist und so viele Werke von Ennio Morricone eingebaut werden.
Tarantino schreibt die Weltgeschichte neu und lässt uns in eine fiktionale Welt eintauchen, die mit verzweigten und höchst interessanten Dialogen gespickt ist, was anderes hätten wir von einem Quentin Tarantino Film aber auch nicht erwartet.
Erwarten tut man auch einen brutalen Film und dies ist er. Schädel werden skalpiert oder mit Baseballschlägern eingeschlagen, an Kunstblut wird mal wieder nicht gespart.
Passend zur Kinobesitzerin Shoshanna, ist Tarantinos „Inglourious Basterds“ eine Hommage an das Kino. Das Kino ist ein Ort des Staunens, ein Ort in dem man in neue Welten eintauchen kann und Tarantino lässt uns in viele Welten eintauchen. Getarnt mit dem Mantel des Kriegsfilm, besteht „Inglourious Basterds“ aus einer Vielzahl von Genres. Drama, Krieg, Liebe, Action, Thriller, ja sogar den Hauch einer Komödie vereint Tarantino zu einem wunderbaren Gesamtwerk.
Während vielen Filmen zum Ende hin die Luft ausgeht und sie Probleme haben eine Geschichte aufzulösen, ist hier das Ende optimal gewählt und schließt den Bogen perfekt, sodass vielleicht sogar ein kleines Lächeln im Gesicht bleibt.
Stellenweise ist „Inglourious Basterds“ aufgrund seiner Länge minimal stockend und hat kleine dramaturgische Stillstände bei denen man sich etwas mehr Tempo wünschen würde. Auch könnte er durch seine radikale und überspitzte Darstellung nicht jedermanns Sache sein.
Alles in allem ist Quentin Tarantinos Werk aber rund und zweifellos einer seiner bestern Filme. Schauspieler, Dialoge und Handlung sind glänzend eingefügt und werden durch einen idealen Soundtrack untermalt. „Inglourious Basterds“ ist eine brutale und fiktionale Verabeitung des nationalistischen Regimes und gleichzeitig eine vorzügliche Huldigung des Kinos.
9/10
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