Antichrist

Lars von Trier gilt als das Entfant terrible unter den Filmemachern. Sein „Antichrist“ aus dem Jahre 2009 stellt dies wiedereinmal unter Beweis und ist gleichzeitig sein bester Film.

Ein namenloses Ehepaar reist in eine abgelegene Waldhütte, um den Tod ihres kleinen Kindes zu verarbeiten.

Prolog, Trauer, Schmerz, Verzweiflung, die drei Bettler und Epilog; in diese Kapitel unterteilt Trier seinen Film, der selbst lange an Depressionen litt bzw. leidet. „Antichrist“ ist förmlich eine Verabeitung seiner eigenen Depressionen, bietet darüber hinaus allerdings noch viele weitere Motive. Hexenverfolgung und Glaube spielen ebenso eine große Rolle, sowie Sexismus.

Er ist ohne Zweifel ein absoluter Skandalfilm und wird viele Leute abschrecken, die ihn das erste Mal sehen. Pornografische Bilder, aber vor allem die höchst expliziten Darstellungen von Gewalttaten, können übel aufstoßen. Es wird komplett draufgehalten, wenn Geschlechtsteile zerstückelt werden, sodass man sich nur noch die Hände vor die Augen halten will.

Deprimierend, trist und düster so ist „Antichrist“. Helle Farben gibt es nicht, der Film ist ausschließlich in grünen, grauen und blauen Tönen gehalten. Hoffnung gibt es nicht und wenn sie kurz aufkeimt, wird sie schnell wieder vernichtet.

Es ist ein besonderes Seherlebnis was uns von Trier hier bietet. Komplett in Deutschland gedreht, ist die Atmosphäre, die von dem umherliegenden Wald ausgeht, erdrückend und beängstigend. Manchmal im Stile eines Stummfilms lässt man uns komplett alleine im Wald stehen und konfrontiert uns mit unseren Ängsten. Solche Passagen gibt es oft. Es wird kein Wort gesprochen, Szenen laufen in Zeitlupe ab und sind in schwarz weiß gehalten.

Stilistisch ist der Film einzigartig und man könnte Seiten an Analysen über ihn verfassen.

Ein besonderes Lob muss auch an die beiden Darsteller rausgehen. William Dafoe und Charlotte Gainsbourg spielen ganz groß auf, sie bringen den ganzen Schmerz und das Leid großartig rüber. Ihr Spiel ist trauernd, aber auch furchteinflößend.

Die Situation in der Hütte, die passenderweise Eden heißt, spitzt sich von Minute zu Minute mehr zu. Man möchte dort in Mitten des Waldes nicht mehr sein, doch gleichzeitig bietet er auch was wunderschönes und geheimnisvolles.

Lars von Trier spaltet die Gemüter, kann aber sehr gute Filme inszenieren. „Antichrist“ ist besondere Kunst. Kunst, die nicht jedem gefallen wird. Kunst, über die man diskutieren kann. Besonders das Ende dient dazu.

Kühl, depressiv und gruselig. Ein Film, den man mal gesehen haben sollte, allerdings braucht man gute Nerven.

8,5/10

 

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