Apocalypse Now

Drogen-und Alkoholkonsum während der Dreharbeiten, Filmsets ,die durch Stürme zerstört wurden, ein Herzinfakt beim Hauptdarsteller, diese und noch viele andere Schwierigkeiten hinderten Francis Ford Coppola nicht daran den wohl besten Film des 20. Jahrhunderts zu realisieren.

Coppola bricht den klassischen Kriegsfilm und öffnet die Tore zum Antikriegsfilm. Militärische Frequenzen, große Schlachtgetümmel und heftige Schusswechsel findet man in seinem Werk nicht. Er geht neue Wege und taucht in die Psyche der Menschen ein. „Apocalypse Now“ ist eine Reise. Eine Reise in die Tiefen der menschlichen Abgründe und stellt dabei essenzielle Fragen über Strukturen, Recht und die Sinnlosigkeit des Krieges.

Captain Willard bekommt den Auftrag den abtrünnigen Colonel Kurtz, der sich in Mitten des Dschungels sein eigenes Reich aufgebaut hat und dort willkürlich als „Gott“ herrscht, zu finden und zu liquidieren. Willard begibt sich mit einer Mannschaft auf eine lange gefährliche Reise über den Nung River hoch bis nach Kambodscha…

Martin Sheen, Robert Duvall und ein sehr junger Laurence Fishburne führen den Cast an. Der damals populärste Star, der tollen Schauspieler, die Coppola versammelt hat, ist ohne Frage Marlon Brando, einer der wichtigsten Charakterdarsteller aller Zeiten. Seine Rolle des Colonel Kurtz kommt erst zum Schluss des Films vor und auch hier sieht man von Brando nicht allzu viel. Es wurde viel mit Schatten gearbeitet, da er während der Dreharbeiten stark übergewichtig war. Dies war schlussendlich aber durchaus positiv, da so Kurtz bedrohlicher und auch mystischer wirkt.

„Finden sie Kurtz und bereiten sie seinem Machen ein Ende…“ mit diesen Worten startet Willards Mission, ein Auftrag, der auf Dauer immer sinnloser wirkt. Kurtz wird als Kriegsverbrecher gesucht. Doch wer kann in diesem grauenhaften und unmenschlichen Krieg darüber entscheiden was richtig und was falsch ist? Sind nicht alle Soldaten irgendwie Verbrecher? Kann Kurtz was dafür, dass er zu dem wurde, was er schlussendlich ist? Hat er den Verstand verloren oder haben nicht auch alle anderen um ihn herum in den Tiefen des vietnameischen Dschungels den Verstand verloren?

Wir begleiten Willard auf seiner Reise nach Kambodscha und können durch das Gesehene vielleicht diese Fragen beantworten. Je weiter es in den Dschungel geht, desto mehr scheinen alle verrückt zu spielen. Lieutenant Colonel Bill Kilgore (wunderbar verkörpert von Robert Duvall) veranlasst während eines Angriffes das Surfen im bombadierten Meer und scheint kein Interesse an den militärischen Gefechten um ihn herum zu haben. Logik und Sinn scheinen hier keine Rolle zu spielen. Dies muss auch Willard immer mehr feststellen, der sich intensiv auf seine Begegnung mit Kurtz vorbereitet und zwischendurch sogar Bewunderung für diesen Mann aufbringen kann.

Die Spannung, die während der Reise aufgebaut wurde, entlädt sie schließlich mit der Ankunft bei Kurtz. Das von Indianern bewachte Dorf scheint Paradies und Hölle zugleich zu sein. Es herrscht Chaos unter der Hand eines Verrückten- oder vielleicht auch nicht? Das Grauen lauert dort draußen im Urwald oder sind es wir, die das Grauen dort hinein gebracht haben? Der Film glorifiziert den Krieg nicht. Er zeigt nicht die physische Brutalität. Hier ist diese Brutalität in den Köpfen, was der Krieg aus Menschen machen kann.

„Apocalypse Now“ ist ein vielschichtiges Werk, das man intensiv verfolgen sollte. Er wird langsam erzählt und Coppola nimmt sich knapp über 3 Stunden Zeit in seiner Redux Version, um uns eine höchst atmosphärische Geschichte zu erzählen.

Welche Version besser ist, ist schwer zu entscheiden. Beide haben ihre Vorteile. Während in der Redux Version politische Aspekte noch mehr mit einfließen und man mehr Hintergrundwissen erhält, ist die Kinoversion knackiger erzählt. Beide sind so oder so absolute Meisterwerke.

Wer ihn noch nicht gesehen hat, ist selbst schuld. „Apocalypse Now“ wird für ewig der Antikriegsfilm schlechthin sein und für immer unerreicht bleiben. Das Ungeheuerliche wurde auf die Leinwand gebracht, um uns zu warnen, um uns zu schocken. Krieg ist wieder aktueller denn je und sollte vielleicht gerade deshalb noch mal geschaut werden.

Francis Ford Coppola schuf Bilder für die Ewigkeit. Hubschrauber, die ihren Angriff mit Wagners Walkürenritt inszenieren, der Geruch von Napalm am morgen oder die reale Schlachtung eines Rinds. Filmgeschichte wurde geschrieben.

„Apocalypse Now“ hat eine beinnah erdrückende Atmosphäre, ist glänzend gespielt und lässt einen mit großen Augen zurück. Es ist eine Reise, die man nicht mehr vergessen wird.

10/10

 

 

 

 

 

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