Alien: Covenant

Um seine Schöpfungsgeschichte und den damit verbundenen Ursprung der Menscheit aus „Prometheus“ weiterzuerzählen, untersagte Ridley Scott sozusagen Neill Blomkamp „Alien 5“ , der erzählerisch direkt nach „Aliens“ ansetzen sollte und somit  die weniger starken Teile drei und vier der Reihe vergessen machen wollte, zu realisieren. „Prometheus“ wurde sowohl vom Publikum als auch von Kritikern nicht gut aufgenommen, was Scott nicht auf sich sitzen lassen wollte. Mit „Alien: Covenant“ versucht er also wieder zum Ursprung des Franchises zurückzukehren und das Alien an sich in den Vordergrund zu stellen, ohne dabei „Prometheus“ vergessen zu machen und auch dessen Geschichte fortzuführen.

Das Kolonieschiff Covenant ist auf dem Weg zum Planeten Origae-6, um diesen zu besiedeln. Nach einem Zwischenfall erhält die Crew ein Signal von einem anderen Planeten und steuert auf diesen zu. Der Horror kann seinen Lauf nehmen…

Die Geschichte ist klar an den ersten Alien-Film angelehnt und es scheint so als wolle Scott es diesmal allen Fans dieser Reihe gerecht machen, indem er jedes Element eines Alien-Films in diesen quetscht, auch wenn es nicht immer Sinn macht.

Doch er ist gescheitert. „Alien: Covenant“ ist besser als „Prometheus“, schafft es aber nicht die schwache Entwicklung der Reihe zu ändern. Die Mischung aus reinem Alien-Film und die Frage nach dem Ursprung der Menschheit will nicht gelingen, der Film wirft mehr Fragen auf als diese zu beantworten und findet nicht die Balance.

Enttäuschend ist, dass Scott „Das Unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ komplett entmythisiert. Das Unbekannte aus dem All, der perfekte Organismus hat uns sowohl in „Alien“ als auch in „Aliens“ das Blut in den Adern gefrieren lassen. In „Alien: Covenant“ verkommt es zu einer dummen CGI-Figur, die durch die wirklich billige Darstellung nichts an Horror verbreitet, da man die Künstlichkeit in jeder Sekunde spürt. Nur, wenn etwas greifbar wirkt bzw. man glauben kann, dass das Böse wirklich im Raum ist, verspührt man Angst. Hier komplette Fehlanzeige. Was Scott sich dabei gedacht hat, bleibt ein Rätsel. Die Effekte am Alien haben B-Movie Charakter. Erklärt wurde der Einsatz der Computereffekte mit der besseren Beweglichkeit der Aliens, aber doch gerade das Nichtsehen verbreitet Angst. In seinem neusten Werk wird das Alien aus jedem möglichen Blickwinkel beleuchtet. Auch der Ursprung des Wesens wird nun vollkommen erklärt und dieser ist dann doch sehr plump und unbefriedigend. Schade!

Abgesehen von den Aliens ist Scotts Werk allerdings visuell ohne Frage beeindruckend. Die Weltallszenen oder der neue Planet sind optisch den Standards der heutigen Zeit angepasst und vermögen das Gefühl der schaurigen Sciencefiction das ein oder andere mal aufkommen zu lassen.

Der ganz große versprochene Horror keimt allerdings kaum auf. Nur eine Freuqenz im Film schöpft das Genre voll aus und hier beweist Scott, dass doch eigentlich mal wieder viel mehr drin gewesen wäre. Leider wird sie durch eben schrecklich am Computer generierte Aliens und durch die unfreiwillige Dummheit der Protagonisten schnell wieder zunichte gemacht.

Die Devise zu den Wurzeln zurückzukommen wurde meiner Ansicht nach verfehlt, da das Alien nicht mehr die größte Bedrohung darstellt, sondern die künstliche Intelligenz. Michael Fassbender in der Doppelrolle als Android ist hervorragend, der Mann ist einfach ein klasse Schauspieler. Der Rest des Casts ist okay, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Vorfreude auf „Alien: Covenant“ war groß, doch am Ende muss man leider sagen, dass Scott das Franchise begraben oder in andere Hände überreichen sollte. Zwei weitere Teile sollen folgen. Die Angst, dass Ridley Scott damit endgültig den Vogel abschießt ist genauso groß, wie die, die man vor dem namengebenden Geschöpf aus dem All in den ersten beiden Teilen hatte.

5/10

 

 

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