Bereits im letzten Jahr durfte man Gal Gadot in „Batman v Superman“ als Wonder Woman bewundern. Nun bekommt sie unter der Regie von Patty Jenkins ihren eigenen Solofilm und eine erneute „origin story“ eines Superhelden bzw. hier ausnahmsweise mal einer Superheldin wird erzählt.
Auf der Insel Themyscira lebt das Volk der Amazonen, welches von der Königin Hippolyta angeführt wird. Ihre einzige Tochter Diana reist, nach der überraschenden Ankunft des britischen Spions Steve Trevor, mit diesem in die Welt der Menschen, um dem Grauen des 1. Weltkrieges ein Ende zu setzen…
„Wonder Woman“ wurde größtenteils sehr positiv aufgenommen und wird sogar als bester DC-Film nach „The Dark Knight“ von Christopher Nolan betitelt, doch bei diesem Vergleich sollte man vorsichtig sein. Die Verfilmung rundum die Kriegerin Diana macht einiges richtig, ist aber von der Wucht und Genialität der „Dark Knight- Triologie“ weit entfernt.
Positiv hervorzuheben sind auf der einen Seite die tollen und charismatischen Schauspieler. Gal Gadot als „Wonder Woman“ ist ideal besetzt und verleiht ihrer Figur genau die Präsenz, die sie benötigt. Die Kombination mit Chris Pine als Steve ist hervorragend. Die Chemie stimmt einfach und die Akteure werden auf Anhieb sympthatisch, sodass sie einen gut durch die Geschichte führen.
Auf der anderen Seite steht der großartige Soundtrack. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass dieser aus der Firma von Hans Zimmer stammt. Auch, wenn die Musik stellenweise etwas drüber ist, wirkt sie nie störend und verleiht durch heroische Klänge das ein oder andere mal Gänsehaut.
Während man der Musik verzeiht, dass sie manchmal „over the top“ ist, stören die vor allem am Ende völlig ausufernden Effekte enorm. Man ist es ja mittlerweile gewohnt, dass bei Superheldenfilmen, sowie bei vielen anderen Blockbustern heutzutage, am Ende nochmal alles aus der CGI-Trickkiste rausgeholt wird und es zu einem wahren „Computereffekte- Massaker“ kommt. Bei „Wonder Woman“ hatte ich zunächst die Hoffnung, dass dies nicht der Fall sein wird, da bis zum letzten Akt die Effekte zwar vorhanden sind, aber nicht übertrieben eingesetzt werden. Das Ende hat mich dann eines besseren belehrt. Schade!
Auch ist zu bemängeln, dass die Figur der Diana, so sympthatisch sie auch sein mag, keine wirliche Entwicklung nimmt. Sie ist von Beginn an im vollen Besitz ihrer Kräfte, verliert diese nie oder spürt eine gewisse Last dieser „Macht“. Gerade Superhelden sind dafür prädestiniert eine solche Persönlichkeitsentwicklung zu durchlaufen. Bei Bruce Wayne/Batman zum Beispiel ist dies ein ständiges Element. Die inneren Zweifel, die Zwiespaltigkeit der Person, die Fragen, die über das klassische Gute und Böse hinausgehen. Diana erkennt zwar am Ende, dass die Menschen nicht alle gut sind und dass das Böse eventuell auch von ihnen selbst ausgehen kann, doch für einen 141 Minuten langen Film ist diese Erkenntnis dann doch dünn.
Weil das DC- Universum generell düsterer ist als Marvel, hätte „Wonder Woman“ etwas mehr Härte gut zu Gesicht gestanden. Das FSK 12 ist hier etwas fehl am Platz, da durch einen raueren Umgangston der Film durchaus noch mehr Facetten der Figuren beleuchten hätte können.
Alles in allem ist „Wonder Woman“ kein schlechter Film geworden. Er ist für seine lange Lauflänge sehr unterhaltsam geworden und weist kaum Längen auf. Allerdings ist der Hype um ihn nicht nachzuvollziehen, da er über solides Popcorn-Kino dann doch nicht hinausgeht.
In eigener Sache noch ein paar Worte, da „Wonder Woman“ eine kleine Debatte über Feminismus ausgelöst hat. Leute, die ihn aufgrund der Tatsache, dass eine Regisseurin am Werk war und eine weibliche Figur der Mittelpunkt des Geschehens ist, mehr Lob zuschreiben, tappen in eine völlig unnötige Genderfrage, die sie durch solche Aussagen nur selbst befeuern. Für mich persönlich stellt sich gar nicht die Frage, ob der Film von Frauen oder Männern realisiert wurde. Im Vordergrund sollte immer das Endresultat stehen, völlig unabhängig von irgendwelchen Geschlechterfragen. Das Herausheben der Tatsache, dass eine Frau den Film gemacht hat und deshalb vielleicht anders bewertet werden sollte, ist für mich die eigentliche Diskriminierung.
6,5/10
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