Mann unter Feuer

2004 drehte Tony Scott quasi eine Neuverfilmung des größtenteils unbekannten „Man on fire“ aus dem Jahr 1987, welcher ebenfalls eine Adaption des Romans „Der Söldner“ von A.J. Quinnell war. Tony stand häufig im Schatten seines älteren Brudes Ridley, was meistens auch berechtig war, da dieser Meisterwerke wie „Gladiator“ oder „Alien“ schuf. Mit „Mann unter Feuer“ stieß er allerdings aus diesem Schatten  hervor, denn das eiskalte Actiondrama fesselt in jeder Sekunde und beweist was für ein fähiger Regisseur der jüngere Scott war.

Entführungen sind Mexiko ein tägliches Geschäft, sodass die kleine „Pita“ nicht mehr zur Schule gehen kann,  ohne mit der Gefahr leben zu müssen jeder Zeit Opfer eines solchen Verbrechens zu werden. Ihre Eltern stellen daraufhin den ehemaligen Antiterrorexperten John W. Creasy ein, damit dieser als Bodyguard ihre kleine Tochter beschützt. Als eines Tages „Pita“ dennoch entführt wird, hat Creasy nur noch ein Ziel vor Augen: Rache…

Das Motiv der Rache ist zugegebenerweise ein ziemlich simples Element, welches häufig nicht reicht, um eine tolle Geschichte zu erzählen. Tony Scott setzt hier allerdings auf zwei klare Akte innerhalb des Films. Während im ersten dem Zuschauer genügend Zeit gegeben wird, um die Figuren kennenzulernen und man die unfassbar starke Chemie zwischen Denzel Washington und Dakota Fanning aufsaugt, zahlt sich diese herzzereißende Beziehung der beiden Figuren im zweiten Akt voll aus. Dort entwickelt sich der Film zu einem brutalen und kompromisslosen Actionfilm, bei dem man die Schritte von Creasy aufgrund der starken ersten Hälfte des Films noch besser nachvollziehen kann.

Denzel Washington ist ein großartiger Schauspieler, dem solche Rollen wie auf den Leib geschrieben sind. Auf der anderen Seite steht die junge Dakota Fanning, die die Rolle mit so viel Liebe füllt, dass ich mich an keine Kinderfigur in einem Film erinnern kann, die mir derartig schnell ans Herz gewachsen ist. Die Beziehung zwischen Creasy und „Pita“ ist das ganz große Prunkstück in „Mann unter Feuer“.

Scott inszeniert die Action realistisch und handgemacht und schreckt dabei vor keiner Härte zurück. Wenn Washington zum Rundumschlag ausholt, fiebert man mit ihm die gesamte Lauflänge mit und spührt die Verzweiflung und Wut förmlich. Leider wird das Tempo zum Ende etwas runtergefahren und gerade als man denkt, dass es nun so richig knallt, wird die Luft rausgenommen. Keine Frage, das Ende ist rührend und toll umgesetzt, doch irgendwie wird man mit einem unbefriedigenden Gefühl zurückgelassen.

Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist, dass es Tony Scott mit seinen visuellen Einfällen etwas übertreibt. Die übersetzten Einblendungen, wenn mexikanisch gesprochen wird, sind eine ganz coole Umsetzung, aber die vielen hektischen Schnitte und die unterschiedlichen Farbtöne gehen einem nach dem vierten oder fünften Mal dann doch etwas auf die Nerven. Dies sind dennoch nur kleine Makel, weil auf eine gewisse Art und Weise das den Film auch ausmacht und gut ins Setting von Mexiko-Stadt passt.

Tony Scotts „Mann unter Feuer“ ist ein ungemein stark gespielter Actionthriller mit vielen dramatischen Einschlägen, dem zum Ende etwas die Puste ausgeht, aber trotzdem so fesselnd ist, dass er einen bestens unterhält.

8/10

 

Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑