Starke sieben Oscarnominierungen (u.a. Bester Film) konnte Shekhar Kapurs Werk „Elizabeth“ einfahren und wurde schlussendlich 1999 mit einem Oscar in der Kategorie „Bestes Make-up“ geehrt. Dass es am Ende nur für eine Auszeichnung reichte, lag mit unter an dem überragenden „Shakespeare in Love“, welcher in einem ähnlichen Zeitraum wie „Elizabeth“ spielt, aber die Historie mit einem Augenzwinkern betrachtet und dem so von der Academy mehr Beachtung geschenkt wurde.
Eine Auszeichnung mehr hätte es für Kapurs Film aber dennoch geben können und zwar für die beste Hauptdarstellerin, denn Cate Blancett ist sicherlich das Highlight im gesamten Film.
Die damals noch eher unbekannte Blancett verkörpert die britische Monarchin eindrucksvoll und mit einer solchen Stärke, dass es schwer zu verstehen ist, warum hier nicht der verdiente Oscar überreicht wurde. Immerhin einen Golden Globe konnte sie für die Verkörperung der wohl bedeutsamsten Herrscherin des englischen Königreichs erlangen. Neben Blancett überzeugen auch die starken Nebendarsteller, die bis in die kleinste Nebenrolle hervorragend besetzt sind( vom ehemaligen Fußballer Eric Cantona mal abgesehen).
Zu den Stärken des Historiendramas zählen, abgesehen von den starken Darstellern, mit Sicherheit noch das beeindruckende Kostümdesign und die gute Kameraarbeit, die gerade zu Beginn des Films einige interessante Einstellung aufweist. Mit einer perfekten Liebe zum Detail wurden Ausstattung und Soundtrack vereint, sodass eine überzeugende Atmosphäre des 16. Jahrhunderts simuliert wird.
Während man es mit Kostüm und Make-Up sehr genau nahm, wurde bei den historischen Fakten viel gepfuscht. Figuren wurden älter gemacht oder familiäre Beziehung wurden für das Drehbuch umgeschrieben. Bei der biografischen Darstellung einer wichtigen historischen Figur ist dies doch sehr schade.
Optisch großartig, ist die Geschichte doch im Großen und Ganzen nicht wirklich spannend und gerade im Mittelteil will dann sogar Langeweile aufkommen, wovor uns auch die bezaubernde Cate Blancett nicht bewahren kann. Dramturgische Höhepunkte gibt es kaum und die charakterliche Entwicklung der Königin ist zu vorhersehbar; die Geschichte ist ja nunmal bekannt. Hätten die Autoren doch mal lieber ein paar dramaturgische Lügen eingebaut, anstatt Figuren zu verfälschen.
Zentrales Motiv des Films ist die „Jungfräulichkeit“ der Monarchin, jedoch wird das ständige Gezerre um eine mögliche Hochzeit schnell ermüdend und fast schon nervig. Die Intrigen am Hofe sind ebenfalls nicht spannend inszeniert, zu einfach scheint der Feind besiegbar zu sein und ein richtiger Widersacher, der Emotionen und Suspense aufbringt, fehlt leider.
Das Porträt von Elizabeth I. gelingt visuell prachtvoll und versetzt uns in eine düstere und raue Epoche. Cate Blancetts Leistung ist bemerkenswert und gehört zweifelsfrei zu ihren stärksten Darstellungen. Allerdings scheitert „Elizabeth“ daran uns eine mitreißende und spannende Geschichte zu erzählen. Wenn Kapur seinen Film nur mit der Intention gedreht hätte uns eine filmische Geschichtsstunde zu offenbaren, wäre dies keineswegs schlimm gewesen, doch dies gelingt nicht, da er für solch ein Anliegen zu stark von Fakten abweicht.
6,5/10
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