Bereits 1968 begeisterte der „Planet der Affen“ mit Charlton Heston in der Hauptrolle die Filmlandschaft, sodass dieser insgesamt vier Nachfolger nach sich zog, die allerdings nie an die Qualität des Originals herankamen. Die Neuverfilmung 2001 von Tim Burton konnte zwar optisch überzeugen, blieb aber auch deutlich hinter dem Klassiker von Franklin J. Schaffner zurück. Seit 2011 durften wir nun bereits zwei Vorgeschichten zur düsteren Affen-Utopie auf der Kinoleinwand bewundern. „Planet der Affen: Prevolution“ und dessen Nachfolger „Planet der Affen: Revolution“ lenkten das Franchise wieder in eine richtige Richtung und übertrafen dabei sogar die Erwartungen. Der dritte Teil der neuen Triologie schließt diese stark und würdevoll ab, kommt aber nicht ganz an die Perfektion von „Revolution“ ran.
Trotz dessen ist „Survival“ DER Sommer-Blockbuster 2017 und reiht sich damit nahtlos in die Reihe seiner Vorgänger ein. Matt Reves und sein Team erschufen zum Abschluss einen technisch einzigartigen und mit starken Dialogen versehenen Sci-Fi -Film, der in seiner düsteren und tristen Welt die Affen zum menschlichsten Wesen auf diesem Planeten macht.
Dies ist auf der einen Seite der großartigen Motion- Capture Technik zu verdanken und auf der anderen Seite Andy Serkis, der mit dieser Technik Caesar so viele Emotionen einhaucht, dass hier möglicherweise eine Oscarnominierung mal fällig werden könnte. Die CGI- Affen sind von echten Affen nicht mehr zu unterscheiden. Jedes noch so kleine Haar, Mimik und Gestik sind schlicht perfekt visualisiert, sodass man nur mit offenem Mund staunen kann. Das liegt auch daran, dass Matt Reves seine Figuren nicht vor einer grünen Wand agieren lässt, sondern an echten Schauplätzen gedreht hat, sodass die computeranimierten Affen und die Umgebung eins werden und wir diese nicht als Animation erkennen.
„War of the Planet of the Apes“, so lautet der originale Titel des dritten Teils. Wer sich diesen zu Herzen nimmt, wird möglicherweise enttäuscht. Er ist ein durchaus ruhigerer Film geworden, als man zunächst annehmen konnte. Der deutsche Titel „Survival“ passt dann ausnahmsweise mal doch besser. Caesar und sein Volk müssen überleben, denn die Menschen kennen nur ein Ziel: Die Vernichtung der Affen und das Überleben der eigenen Bevölkerung. Durch den ausgebrochenen Virus, der die Affen immer intelligenter macht und die Menschen dezimiert, ein schwieriges Unterfangen…
Die beeindruckenste und fesselnste Kampffrequenz wird uns gleich zu Beginn präsentiert, wenn Mensch und Affe sich im dichten Unterholz bekämpfen. Danach nimmt sich „Planet der Affen: Survival“ viel Zeit für seine Figuren. Wieder einmal bekommen wir einen stark geschriebenen Bösewicht vor die Nase gesetzt, der keineswegs eindimensional porträtiert wird. Woody Harrelson verkörpert einen grausamen Colonel, dessen Motivation für das Böse clever aufgearbeitet wird. Gesellschaftskritische Seitenhiebe bleiben nicht aus und der offensichtlichste- das Arbeitslager, in dem die Affen gezwungen werden zu arbeiten- weist klare Parallelen zu Konzentrationslagern auf.
Intelligent und emotional aufgearbeitet konzentriert sich „Survival“ auf die Beziehungen innerhalb der Affengesellschaft und deren Verstrickungen zur menschlichen Zivilisation. Er regt zum Nachdenken an und erschreckt uns mit einer Utopie, in der die Tiere menschlicher sind als der Mensch selbst und wir sogar in größter Not nicht in der Lage sind uns zu vereinen, um zu überleben.
Die neue „Planet der Affen“- Triologie ist mit Abstand die außergewöhnlichste und erstaunlichste Filmreihe der letzten zehn Jahre und muss sich auch vor Nolans „Dark Knight“- Reihe nicht verstecken, da sie durchweg großartig ist und kein einziger Film abfiel.
„Planet der Affen 3: Survival“ liefert ein großes, optisch bahnbrechendes Endstück ab, dass winzige Längen besitzt und mögliche Erwartungen an riesigen Schlachten nicht ganz erfüllen kann, dafür aber wieder einmal beweist, dass großes Blockbustergetümmel und intelligentes Kino durchaus vereinbar sind.
8,5/10
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