Master and Commander

Peter Weir dürfte nicht vielen ein Begriff sein, doch der mittlerweile 73 jährige Regisseur hat schon das ein oder andere Meisterwerk auf die Leinwand gezaubert. So stammten Werke wie „Der Club der toten Dichter“ oder „Die Truman Show“ vom Australier, der 2003 einen seiner besten Filme realisierte; das dramatische Seefahrerabenteuer „Master and Commander“.

Um dem Siegeszug von Napoleon durch Europa entgegenzuwirken, verfolgt das britische Kriegsschiff Surprise das überlegende französische Kapernschiff Archeon. Angetrieben vom unbändigen Willen des Kapitäns Jack Aubrey die Franzosen zu besiegen, durchlebt Schiff und Besatzung einen gnadenlos Kampf gegen Natur und Mensch.

All dies wird in faszinierenden Bildern eingefangen, die vor unglaublicher Detailverliebtheit strotzen und eine enorme Wucht ausstrahlen. Wir bleiben während des gesamten Films mit der Crew der Surprise zusammen und lernen so den Mikrokosmos einer Schiffsbesatzung kennen und begleiten sie bei ihrem Leben auf hoher See, welches ungemein realistisch umgesetzt wirkt und somit die gesamte Zeit spannend bleibt.

Spannend ist darüber hinaus, dass wir wie die britische Mannschaft den Feind erst ganz zum Ende sehen und er bis dahin bloß ein „Phantom“ bleibt. Man könnte hier eine schwarz-weiß Malerei vorwerfen, doch Weir konzentriert sich in den vollen 133 Minuten auf das Innenleben einer Mannschaft, sodass die Bindung und Intensität gefördert werden soll. Gleiches hätte ebenso auf die franzöische Gegenseite projiziert werden können.

Mit der Besetzung der Darsteller ist Weir ein Glücksgriff gelungen. Jede Nebenrolle wirkt passend und agiert stark, jedoch kann niemand dem fantastischen Russel Crowe das Wasser reichen, der in Kombination mit Paul Bettany, welcher den Schiffsarzt verkörpert, zur Höchstform aufläuft. Der Mann besitzt einfach eine außerordentliche Präzens und Symphatie. Die Rolle des strigt nach Prinzipien lebenden Kapitäns, der alles dafür tun würde seinen Auftrag erfüllen zu können, aber dem dennoch das Wohl der Mannschaft am Herzen liegt, scheint perfekt auf ihn zugeschnitten worden zu sein.

„Master and Commander“ ist mit Sicherheit kein Mainstream, was die schlechten Einspielergebnisse damals erklärt, nichtsdestotrotz beweist Peter Weir eine klare und beeindruckende Linie wie man eine Geschichte erzählt und inszeniert. Effekte und Setting sind einwandfrei und völlig losgelöst von irgendwelchen unangenehmen Computereffekten. Es wird viel mehr auf eine starke, handgemachte und realistische Darstellung der damaligen Geschehnisse gesetzt.

Vorwerfen könnte man dem Film höchsten das langsame Erzähltempo, was ihn manchmal etwas stockend macht, doch belohnt wird man dafür mit einer fulminanten und epischen Schlacht am Ende, die kompromisslos und erfrischend chaotisch und hektisch darstellt wird. Wieder einmal hat sich ein langsamer Aufbau und eine behutsame Einführung von Charakteren ausgezeichnet, da man so im finalen Kampf nicht nur Figuren folgt, die als Kanonenfutter dienen, sondern mit denen man um ihr Leben mitfiebert.

Insgesamt ist „Master and Commander“ ein dramatischer Abenteuerfilm mitten auf hoher See, der sich klar von anderen Werken abgrenzt, angenehm anderes ist und mit Sicherheit nicht für den Mainstream produziert wurde. Ein Film der sich auf die altbewährten Stärken dieses Genres beruht: tolle Darsteller, eine spannende Geschichte, die einem selbst Lust auf ein Seeabenteuer macht und eine perfekte handwerkliche Inszenierung. Leider gab es in den letzten Jahren viel zu selten solche Filme.

9/10

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