Nach seinem Überraschungserfolg „High Tension“ aus dem Jahre 2003, durfte sich der französische Regisseur Alexandre Aja an die Neuverfilmung des Horrorfilms „The Hills Have Eyes“ von Altmeister Wes Craven machen. Gerade in letzter Zeit konnten Remakes von altbewährten Horrorklassikern nicht überzeugen und enttäuschten größtenteils. Beispiele hierfür wären unter anderem „Halloween“ (2007) oder „The Thing“ (2011), die alle bei weitem nicht an das Original herankamen. Aja allerdings hauchte Wes Cravens Werk von 1977 neues Leben ein und zog seine konsequente Linie durch, die auch bei seinem internationalen Durchbruch „High Tension“ gefeiert wurde.
Eine sechsköpfige Familie ist mit ihrem Wohnwagen auf dem Weg nach Kalifornien, um dort den Hochzeitstag der Eltern zu feiern. Auf Anraten eines dubiosen Tankwarts nehmen sie hierfür eine Abkürzung durch ein Hügelgebiet inmitten der weiten Wüste. Hier machen sie unfreiwillige Bekanntschaft mit blutrünstigen Kannibalen…
Eins vorne weg: Alexandre Ajas Neuverfilmung ist ultra brutal und sollte nur von jenen gesehen werden, die mit dem Genre vertraut sind und viel Gewalt ertragen können. „The Hills Have Eyes“ zieht von der ersten Minute an eine konsequente Linie durch und lässt keinen Platz für Humor.
Nachdem die Familie kurz eingeführt wird, beginnt es auch schon, dass ein Familienmitglied nach dem anderen um sein Leben fürchten muss. Obwohl wir zu Beginn nicht allzu viel Zeit haben die verschiedenen Charaktere kennenzulernen, werden sie beim Überlebenskampf nicht gleichgültig und man fiebert um ihr Leben mit, was an guten Schauspielern und einer einwandfreien Inszenierung liegt. Allerdings nimmt Aja keine Rücksicht auf Symphatie oder große Gefühle, sondern lässt uns schonungslos dabei zu sehen, wie sich die Kannibalen über die Familie hermachen.
Nach einem ca. halbstündigen Spannungsaufbau entlädt Aja das ganze Potential des Terrorfilms in der Szene, in der die Kannibalen die Familie im Wohnwagen zum ersten Mal angreifen. Diese Frequenz ist wirklich schwer zu ertragen, aber zeitgleich ein ganz großer Gewinn für das Genre. Mit einem nervenaufreibenden Soundtrack, der übrigens im ganzen Film toll eingesetzt wird und eine klare Hommage an Werke von John Carpenter darstellt, werden wir in Kombination mit sehr heftigen Bildern ja fast schon zum Wegsehen gezwungen. Alexandre Aja pfeift auf hollywoodtypische Gegebenheiten und rechnet schonungslos mit der gutbürgerlichen amerikanischen Vorzeigegesellschaft ab. Politische Seitenhiebe sind also durchaus vorhanden. Wenn es darum geht die Hintergründe der Kannibalen zu erklären sind auch sozialkritische Untertöne nicht zu verhören und es ist angenehm, dass sich zumindest mal etwas die Mühe gegeben wird die Beweggründe der „Bösen“ darzustellen. So etwas fehlt in anderen Filmen dieser Art meist völlig.
„The Hills Have Eyes“ ist dennoch nicht frei von horrortypischen Klischees und erfindet sich auch nicht vollkommen neu. Bei einigen Aktionen von Protagonisten kann man sich dann auch schonmal fragen, warum jetzt gerade so? Aber ganz ohne Dummheit würde man wahrscheinlich auch nicht in solche Situationen kommen. Diesen einzelnen Logikfehlern kann man aber im Großen und Ganzen verzeihen, da sie im Gesamten nicht allzu groß ins Gewicht fallen.
Gegenüber allen Filmen dieser Welt ist „The Hills Have Eyes“ mit Sicherheit kein Meisterwerk und es müsste für solche Filme eigentlich eine Genrewertung geben, da er in seinem Genre des Horror -und Splatterfilms überdurchschnittlich stark ist und einen von Sekunde eins an fesselt, wenn man sich denn darauf einlassen kann. Drastisch, brutal und blutig… Aja zeigt wie ein Horrorfilm sein kann und beweist dabei ein gutes Händchen in der Inszenierung und für gesellschaftliche Seitenhiebe.
6/10
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