Seit letzter Woche läuft das Regiedebüt von Michael Gracey in den deutschen Kinos, welches die wahre Geschichte des Zirkuspioniers P.T. Barnum nacherzählt. Das Kinojahr 2018 startet also sozusagen genau wie das letzte: mit einem Musical. Während uns „La La Land“ 2017 hierzulande mit einem umwerfenden Jazz-Drama verzaubert hat, thematisiert „The Greatest Showman“ also nun die „realen“ Ereignisse im 19. Jahrhundert rundum den großen Visionär.
P.T. Barnum wächst in ärmsten Verhätnissen auf, will aber seiner großen Jugendliebe ein ansprechendes Leben bieten. Angetrieben vom unglaublichen Ergeiz versammelt er um sich herum eine Gruppe äußerst kurioser Menschen, die von der Gesellschaft ausgestoßen wurden. Gemeinsam stellen sie Unterhaltungsshows auf die Beine, die die Welt noch nicht gesehen hat…
Dass Musicals auch sehr gute Filme sein können, wurde in der Vergangenheit schon oft bewiesen. Man erinnere sich nur an Tim Burtons bizarres Schauermärchen „Sweeney Todd“ , an den Klassiker „Marry Poppins“ oder eben an den fantastischen „La la Land“. All diese Filme haben eins gemeinsam: Sie verbinden eine tolle Geschichte mit einzigartigen Gesangs- und Tanzeinlagen. Kann sich „The Greatest Showman“ in diese Liste einordnen? Die Antwort muss LEIDER nein lauten.
Leider, weil Graceys Film zumindest eine Aufgabe des Muscialgenres grandios erfüllt: Er bietet phänomenale Songs, die einem Gänsehaut in jeglichen Körperregionen bescherren und schuf Tanzeinlagen, die in Kombination mit dem Gesang die Augen ganz groß lassen werden.
Die Lieder alleinstehend sind ein Meisterwerk für sich, doch im Zusammenhang mit dem Film sind sie zugleich der erste Kritikpunkt. Warum benutzt man Popsongs aus der heutigen Zeit und gliedert sie ins 19. Jahrhundert ein? Dies will einfach nicht passen und zerstört viel von der Atmosphäre.
Des Weiteren ist alles auf Hochglanz poliert und der Kitch ist kaum ertragbar; völlig unpassend für die Geschichte, die erzählt werden möchte und für die damalige Zeit. Es werden keinerlei Schattenseiten der Person P.T. Barnum beleuchtet. Dass er andere Menschen zu Unterhaltungszwecken zur Schau gestellt hat, wird höchstens in ein paar Nebensätzen erwähnt. Diese Menschen bekommen im Film selber auch kaum Möglichkeiten sich zu äußern. Insgesamt kommen vielleicht vier Figuren aus dieser außergewöhnlichen Gruppe zu Wort, die anderen werden, wie es bereits unter Barnum geschah, bloß dargestellt.
„The Greatest Showman“ verkommt zu einer reinen „Hugh Jackman- Show“, wobei man bei diesem tollen Darsteller wirklich merkt wie viel Herzblut er in seine Rolle gelegt hat. Generell kann man dem eigentlich sehr guten Cast kein mangelndes Engagement vorwerfen, doch ihre Figuren sind dermaßen plump und einfach geschrieben, dass man nur den Kopf schütteln kann.
„The Greatest Showman“ ist schlichtweg kein guter Film. Punkt. Die Geschichte wird teilweise so schnell abgehandelt , dass man nur verdutzt gucken kann und sich fragt wie man jetzt zum nächsten Part des Films gekommen ist, denn die klassichen Handlungsteile ( Missstand, Aufstieg, Streit, Versöhnung, Friede-Freude-Eierkuchen) werden schmerzend offensichtlich und stupide umgesetzt. Es kann schon wehtun beim Zusehen.
Optisch ist der Film zumindest bei den Tanzeinlagen sehr kreativ und bietet einige tollen Szenen( Zac Efron und Zendaya). Allerdings gibt es auch die ein oder andere CGI-Szene, die sich negativ an den Rest des Films anpasst.
Es ist schlussendlich einfach schade, dass man das Potenzial der Geschichte nicht nutzen konnte und stattdessen eine waschechte, kitschige Seifenoper geschaffen wurde. Ich möchte noch einmal betonen wie grandios die Lieder sind, ein Oscar wird vielleicht sogar fällig, denn den Golden Globe gab es ja nun schon für den besten Filmsong( „This is me“). Doch diese musikalischen Einlagen könnne das Ruder insgesamt auch nicht rumreißen. Die ganze Filmcrew hätte mal lieber ein Musikalbum rausgebracht anstatt einen Film.
4,5/10
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