1995 brachte Mel Gibson seine zweite Regiearbeit raus und räumte damit gleich mal bei den Oscars ordentlich ab. Mit insgesamt 10 Oscarnominierungen und 5 Auszeichnungen (u.a bester Film) wurde das Historienepos „Braveheart“ belohnt. Gibson übernahm auch gleich selbst die Hauptrolle und verkörperte die Figur des schottischen Freiheitkämpfers William Wallace, welcher tatsächlich existiert hat.
Angesiedelt ist die Geschichte Ende des 13. Jahrhunderts und thematisiert die Unabhängigkeitskriege von Schottland gegen England, die eben von jenem William Wallace angeführt wurden.
Auch bei seiner zweiten Regiearbeit pfiff Gibson auf typisches Hollywoodkino und inszenierte seine Mittelaltergeschichte mit brutalen und rauen Bildern, die nicht jedem gefallen werden, aber dafür sorgen, dass man das Gefühl hat, dass diese Epoche genauso ausgesehen haben könnte. Authentizität und Realismus werden Verschönerungen und Kitsch vorgezogen, auch wenn die Liebesgeschichte zwischen Wallace und seiner Jugendliebe Murron dazu neigen könnte.
Allerdings ist deren Beziehung und Liebe jederzeit spürbar und mitfühlend. Die Chemie stimmt zwischen den beiden Darstellern, allerdings mag es etwas irritierend wirken, dass für die Rolle der Murron eine so junge Schauspielerin gewählt wurde und Gibson fast 20 Jahre älter ist, diese aber im Film wohl ungefähr gleich alt sein sollen.
Gibson geht in seiner Verkörperung des schottischen Heldens komplett auf und trägt uns durch den ganzen Film. Der Mann ist schlichtweg ein grandioser Schauspieler und Filmemacher zugleich. Im restlichen Cast haben wir so wunderbare Leute wie Brendan Gleeson oder David O´Hara, die unter anderem zwei Freunde und Gefährten von Wallace spielen. Diese Nebenrollen sind ein weiterer großer Gewinn für den Film, da ihre Treue und Sympathie einfach nahe geht. Auf der Seite der Antagonisten konnte Gibson ebenfalls Akteure gewinnen (u.a Patrick McGoohan), die ihre Rolle so brilliant spielen, dass man während des Sehens schon eine Art Hass für diese Figuren aufbringt, was zeitgleich das Mitfiebern und Mitleiden mit unseren Helden erhöht.
In den fast drei Stunden Lauflänge schafft es Mel Gibson um die historische Figur eine großartige Geschichte zu erzählen, die gespickt ist mit boshaften Intrigen, welche auch beim xten-Sehen einen unglaublich mitnehmen und großartigen Schlachten, die beweisen, dass es keine Computereffekte benötigt, um mitreißende Kämpfe zu inszenieren.
Hierbei geht Gibsons aufs Ganze und zeigt mit voller Härte die Brutalität eines solchen mitteralterlichen Gemetzels. Beim ersten Sehen fällt dies nicht stark ins Gewicht und auch beim wiederholten Gucken mag dies nur leicht zu bemängeln sein, doch an der ein oder andere Stelle verliert sich der Film etwas in seiner Brutalität und vernachlässigt die eigentliche Handlung minimal.
Nichtsdestotrotz ist „Braveheart“ ein Film für die Ewigkeit, der für das Kino geschaffen wurde. Untermalt wird das ganze mit der Musik von James Horner, der leider bereits verstorben ist. Typische keltische Klänge begleiten William Wallace bei seinen Kämpfen um Freiheit und lösen bei uns jedes Mal erneut Gänsehaut aus, wenn die Kamera über die atemberaubend schöne Landschaft Schottlands gleitet und der Dudelsack ertönt. Solche Epen, die eine derartige Wucht und Wirkung auf den Zuschauer haben, werden nur noch selten realisiert.
„Braveheart“ ist mit Sicherheit einer der besten Historienfilme, auch wenn er in seiner historischen Genauigkeit nicht immer so exakt sein soll, und einer der besten Filme überhaupt. Mel Gibson hat sich mit seinem Werk ein filmisches Denkmal gesetzt, welches ewig bestehen bleiben wird. Der Mann sollte viel häufiger Filme realisieren und weniger mit seinem Privatleben auf sich aufmerksam machen, der Trend scheint ja glücklicherweise in letzter Zeit wieder bergauf zu gehen.
Fesselnd bis zur letzten Sekunde, ungemein spannend und mitreißend, lässt Gibson in fast drei Stunden das Mittelalter wieder aufleben und uns in eine Zeit eintauchen, welche mit brutalen und rauen Bildern erzählt wird. Gibson begeistert so sehr, dass auch wir Zuschauer ein Schwert in die Hand nehmen würden, um mit ihm zusammen für die Freiheit in die Schlacht zu ziehen.
10/10
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