Er hat es also geschafft. Meisterregisseur Guillermo del Toro bekam am 4.3 in Los Angeles den Oscar für die beste Regie in seinem neusten Werk „Shape of Water“, welcher ebenfalls als bester Film ausgezeichnet wurde. Durch die äußerst positive Resonanz und zig Auszeichnungen, dürfte es del Toro in Zukunft leichter fallen Großprojekte zu realisieren. Probleme mit Studios hätte er allerdings spätestens nach seinem „Pans Labyrinth“ schon gar nicht mehr haben dürfen. Mit „Shape of Water“ erlangte er jetzt endlich die Anerkennung, die ihm zusteht, auch wenn dem gleichermaßen fantastischem Film die Wucht des märchenhaften Meisterwerks von 2006 fehlt.
Die stumme Elisa arbeitet als Reinigungskraft in einem geheimen Labor und führt generell ein sehr eintöniges Leben. Als eines Tages ein mysteriöser Amphibienmensch in jenes Labor gebracht und für experimentelle Zwecke missbraucht wird, stellt sich ihr Leben auf den Kopf, denn dieses Wesen scheint sie besser zu verstehen als jeder Mensch, sodass sich zwischen den beiden eine besondere Beziehung entwickelt…
Diese Geschichte klingt zunächst sehr schräg und ja, del Toro präsentiert uns hier eine Reihe von außergewöhnlichen Figuren. Die Außenseiter der Gesellschaft rücken in den Vordergrund: der mexikanische Regisseur macht Randgruppen wie Homosexuelle, körperlich Eingeschränkte und unterdrückte Frauen stark und konzipiert sie zu seinen Helden. Diese werden u.a. von der wunderbaren Sally Hawkins und dem routinierten Richard Jenkins verkörpert. Der heimliche Star des Films ist aber Doug Jones, den man im Kostüm des Fischwesens nicht erkennt, aber der mit Gestik und Mimik seiner Figur so viel Leben einhaucht, sodass ihm mit die größte Fazination im Film entgegengebracht wird.
Generell ist del Toros Film von der Ausstattung wieder einmal brilliant geworden-anders kennen wir es von ihm aber auch gar nicht. Sei es das kalte Labor oder die warme, leicht chaotische Wohnung von Elisa, alles wurde mit viel Liebe zum Detail erstellt und man spürt wie sehr dem Mexikaner der Film am Herzen lag.
„Shape of Water“ ist ein Märchen für Erwachsene, denn das neuste Werk von Guillermo del Toro ist sexuell durchaus angehauchter als man dies zunächst annehmen durfte. Die morgendliche Selbstbefriedigung von Elisa oder der angedeutete Geschlechtsverkehr zwischen ihr und dem Amphibienwesen wären hierfür Beispiele. Zumindest in dieser Richtung ist „Shape of Water“ sehr unkonventionell und erfrischend anders. Auch an Blut wird nicht gespart: Wenn del Toro uns Gewalt präsentiert, mag er es ja sehr gerne explizit und auch hier sind einige Szenen nicht zimperlich geworden.
Wie der Titel bereits verrät, ist das Element des Wassers zentral. Es steht nicht für sich alleine, sondern umschreibt die Vielschichtigkeit des Lebens. Mal steht es für Gefahr und Angst, an anderer Stelle symbolisiert es Geborgenheit und Liebe. Während die Bedeutung des Wassers facettenreich ist, bleiben die Figuren, so gut sie auch gespielt werden, doch ziemlich einseitig.
Es herrscht eine klare Grenze zwischen Gut und Böse und die wird uns leider zu häufig deutlich gemacht: Del Toro nutzt fast jede Szene mit dem Bösewicht ( gespielt von Michael Shannon), um uns deutlich zu machen wie böse er nun wirklich ist. Verworrenere Figuren, die man vielleicht zunächst nicht in eine Schublade stecken kann, wären in „Shape of Water“ ein weiterer Gewinn gewesen.
Trotz dessen bietet uns del Toro eine zwar sehr skurrile, aber dennoch berührende Liebesgeschichte, die sich zwischen den beiden Hauptfiguren ohne Worte rührend entwickelt und deren Bilder grandios von Kameramann Dan Laustsen eingefangen werden.
Visuell mal wieder fesselnd liefert uns Starregisseur Guillermo del Toro ein magisches Märchen für Erwachsene, welches für eine grenzenlose Liebe plädiert und mit tollen Darstellern und besonderen Bildern punktet. Anders als der große Konkurrent bei den diesjährigen Oscars „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ macht „Shape of Water“ seine Helden nicht zu Antihelden, sondern kreiert eine fantastische Welt in der die Rollen klar verteilt sind- ein ausgefallenes Märchen, welches sich in der klassischen Erdichtung tarnt.
8/10
Hinterlasse einen Kommentar