Auslöschung

Das neuste Werk des hochveranlagten Alex Garland( Regie bei „Ex Machina“, Drehbuchautor von u.a. „28 Days later“) sorgte vor seiner Veröffentlichung schon reichlich für Gesprächsstoff, da es sozusagen aus dem Kino geklaut wurde und am 12.März direkt beim Streamingdienst Netflix erschienen ist. Man kann nur hoffen, dass dies nicht zur Regel wird und das Kino auch in Zukunft die Anlaufstelle Nr.1 für Film-Neuerscheinung bleibt-Das Kino darf nicht aussterben! Geht ins Kino!- „Auslöschung“, die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jeff VanderMeer, wäre eigentlich wie gemacht für die große Leinwand, funktioniert zum Glück aber auch Zuhause auf dem Fernseher oder Laptop.

Vor 3 Jahren kam es vom Himmel, ein mysteriöser Schimmer, der sich von einem Leuchtturm ausgehend immer weiter ausbreitet und dessen eingenommenes Gebiet als Area X bezeichnet wird. Als eines Tages ihr Mann Kane aus diesem Territorium schwer verletzt heimkehrt, macht sich die Biologin Lena mit einem Team aus Wissenschaftlern selbst auf den Weg nach Area X, um nach einer Antwort für die Krankheit ihres Mannes zu suchen und ihm möglicherweise so noch das Leben zu retten. Allerdings hat es bis auf Kane kein Mensch aus Area X wieder herausgeschafft…

Zusammen mit der Protagonistin Lena, wunderbar gespielt von Natalie Portman, begeben wir uns in das scheinbar gefährliche Gebiet und erkunden Area X genauso unwissend wie unsere Hauptdarstellerin. Portman verleiht ihrer Figur genau die Stärke und Physis, die sie benötigt. Schreibt ihr aber zugleich auch eine Verletztlichkeit zu, welche im Verlauf des Films noch von Bedeutung wird.

Garland verlässt das aktuelle Geschehen im Schimmer immer mal wieder, um in Flashbacks oder Prolepsen Dinge zu erklären. Man könnte meinen, dass gerade die Vorwegnahme von Ereignissen störend wirken mag, doch gerade das Wissen, dass etwas schlimmes passieren wird, ohne es bisher gesehen zu haben, macht in diesem äußerst atmosphärischen Werk einen gewissen Reiz aus. Insgesamt hat man aber das Gefühl, dass man viel lieber mehr von diesem besonderen Gebiet hätte sehen wollen und zu oft aus den Ereignissen gerissen wird.

Optisch wird die Area nämlich stellenweise wirklich grandios umgesetzt. Alex Garland schafft es eine ganz einzigartige Optik zu kreiern, die perfekt zu dem unbekannten und rätselhaften Ort passt, in dem die Gesetze der Natur neu geschrieben werden und jede DNA offentsichtlich mit einer anderen teilbar ist und somit etwas neues schafft ( beispielsweise Rehe mit einem pflanzlichen Geweih, die man bereits im Trailer sehen konnte). Die Mischung aus praktischen und computergenerierten Effekten stimmt zu meist, auch wenn an der ein oder anderen Stelle die Gestaltung zu künstlich geraten ist.

Dass das Team nur aus Frauen besteht gibt dem Film auch nochmal einen besonderen Flair, da jede von ihnen ihre ganz eigene Vergangenheit mit diversen Problemen hat, die nach und nach ans Tageslicht kommen und in der Area eine wichtige Rolle für verschiedene Handlungsschritte bieten. Der mögliche Kritikpunkt, dass Figuren an bestimmten Punkten des Films unlogisch handeln, kann mit dem Umstand im Schimmer an sich erklärt werden, dass sich vieles verändert. Näher möchte ich darauf jedoch nicht eingehen, wenn man den Film sieht, weiß man aber was damit gemeint ist.

Alles in allem hat Garland nach seinem Überraschungerfolg „Ex Machina“ wieder besondere Science-Fiction erschaffen, die sich von vielem aus der näheren Vergangenheit absetzt und doch Präferenzen aus Klassikern wie „Alien“ oder „The Thing“ besitzt. Wie in der Area X mischt Alex Garland also verschiedene bekannte Dinge zusammen und gestaltet etwas neues, was nach dem Sehen nicht so schnell vergessen wird und worüber man sehr lange diskutieren und rätseln kann.

8/10

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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