Noch zwei Filme dann ist Schluss. Quentin Tarantino will sich in den Ruhestand verabschieden, ob es wirklich dazu kommt bleibt abzuwarten. Mit „The Hateful Eight“ präsentierte er uns vor zwei Jahren sein achtes Werk in den deutschen Kinos, das aber, wie seine aktuelle Arbeit, fast gar nicht zustande gekommen wäre, da vorab Drehbuchinhalte veröffentlicht wurden und Tarantino mit öffentlichen Protesten gegen Polizeigewalt einige amerikanische Staatsbürger in Aufruhe versetzte.
Während er in „Inglourious Basterds“ mit Nazis kurzen Prozess machte und drei Jahre später in „Django Unchained“ mit der amerikanischen Sklavenhistorie abrechnete, führt er diesen Weg in seinem letzten Film weiter und geht dabei ganz offen mit den aktuellen Problemen von Polizeigewalt gegen Afroamerikaner um. Trotz dessen ist „The Hateful Eight“ einer der zähesten und wohl auch einer der schwächeren Filme von Tarantino, aber dabei immer noch gutes Kino.
Angelehnt an den Westernklassiker „Leichen pflastern seinen Weg“, spielt Tarantinos Werk einige Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg im verschneiten Wyoming. Mittelpunkt der Geschichte ist „Minnies Miederwarenladen“, in dem acht Reisende, unter anderem der Kopfgeldjäger John Ruth und seine Gefangene Daisy Domergue, Unterschlupf vor einem anstehenden Schneesturm suchen. Schnell stellt sich aber heraus, dass nicht jeder der ist, der er vorgibt zu sein.
Dieses Kammerspiel erinnert von seiner Konstellation doch stark an Quentin Tarantinos ersten Kinofilm „Reservoir Dogs“ und wie gewohnt lassen sich auch einige Schauspieler aus früheren Werken wiederfinden.
So haben wir im Cast unter anderem Tim Roth als britischen Henker oder Michael Madsen in der Rolle des Cowboys Joe Gage. Weiter versammelte Tarantino Samuel L. Jackson und Kurt Russel in seinem Film, die besonders im ersten Drittel des Films in Kombination mit dem aus einem guten Cast herausstechenden Walton Goggins brillieren. Dieser spielt den selbstverliebten und mitunter teils tollpatschigen Sheriff Chris Mannix und sorgt durch die ein oder andere Bemerkung für Lacher.
Generell ist „The Hateful Eight“ gekennzeichnet durch schwarzen Humor und Tarantino versucht diesen, wie in seinen vorherigen Filmen, mit aberwitzigen und ausschweifenden Dialogen zu vermitteln.
War dies bisher seine große Stärke, wird ihm dies hier zum Verhängnis. Man hat das Gefühl, dass Tarantino sich zu gewollt darum bemüht verzweigte und absurde Gespräche zu kreieren, sodass diese teilweise unnötig in die Länge gezogen werden und nicht immer ihre Daseinsberechtigung haben.
Die Filmlänge an sich ist eine weitere Schwäche von „The Hateful Eight“, da sich besonders die erste Hälfte des Films enorm zieht. Wie in einem Theaterstück spielen sich die Protagonisten auf engstem Raum die Bälle hin und her. Konflikte werden nur auf sprachlicher Ebene ausgetragen, was interessant zu beobachten ist, aber nach fast zwei Stunden gefühlter Einführung der Charaktere mündet dies schon fast in Langeweile.
Nach einer kurzen Pause, die im Film auch bewusst aufgegriffen wird, kommt es zum großen Wendepunkt der Geschichte, der allerdings nicht wirklich überraschend ist. Wer zu Beginn des Film genau mitdenkt, erahnt schnell was Sache ist.
Hiernach wird es dann sehr blutig. Die ruhigen dialoglastigen Szenen wandeln sich in Aufnahmen von explodierenden Köpfen und Fontänen an Blut. Jedoch sind diese wie in „Django Unchained“ völlig überzogen dargestellt und durch ihre comichafte Darstellung eher mit einem Augenzwinkern zu begutachten.
Punkten kann „The Hateful Eight“ vor allem durch seine starke Atmosphäre und die wunderbare Musik von Ennio Morricone, für die er auch einen Oscar abräumen konnte. Die Konfrontation acht skurriler Persönlichkeiten in einer Hütte mitten im vereisten Nirgendwo. Ja, das Setting kann schon einiges aufweisen und wie Tarantino damit spielt ist hervorragend, was auch an einer sehr guten Kameraarbeit liegt. Alle Schauspieler spielen stark auf, ihre überspitzt dargestellten Figuren funktionieren, doch irgendwas fehlt.
Im Vergleich zu vielen anderen Projekten ist „The Hateful Eight“ immer noch gutes, solides Kino. Für einen Tarantino aber doch zu wenig. Zu aufgeblasen und im Endeffekt nichtssagend lässt er uns als Zuschauer zurück.
7/10
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