Starregisseur Luc Besson weist schon eine bemerkenswerte Vita auf. Nicht unbedingt, weil jeder seiner Filme ein großes Meisterwerk geworden ist, sondern vielmehr ist es erstaunlich wie breit gefächert und facettenreich seine Werke doch sind.
Haben wir auf der einen Seite atmosphärisch dichte Klassiker, die Filmgeschichte schrieben, wie etwa „Leon-Der Profi“, kann es Besson auch knallbunt als Mischung aus Animation und Realfilm in „Arthur und die Minimoys“, wovon er gleich eine ganze Trilogie schuf.
Sein bekanntester Film neben „Leon“ ist sicherlich die abgefahrene Weltraumodyssee „Das fünfte Element“ mit Bruce Willis in der Hauptrolle, bei der man schon erste Einflüsse der Grundlage seiner aktuellen Arbeit spürte und sozusagen als Annährungsversuch an den Stoff genutzt wurde.
Die Rede ist von „Valerian und Veronique“. Die Umsetzung dieser Comicreihe lässt sich als Lebensprojekt von Besson zusammenfassen, welches er im letzten Jahr nach langem Gezerre endlich vollenden konnte.
„Valerian- Die Stadt der tausend Planeten“, so lautet der filmische Titel, den Luc Besson mit Dane DeHaan und Cara Delevingne für die Protagonisten Major Valerian und Sergeant Laureline besetzte. In den Nebenrollen lassen sich bekanntere Schauspieler wie Clive Owen oder Rihanna, die ihre Sache überraschenderweise gut macht, finden.
In weit entfernter Zukunft haben sich unzählige Nationen, Außerirdische und allerlei andere Wesen unserer Galaxie auf einem fliegenden Komplex niedergelassen („Alpha“), um dort zu leben und die Geschehnisse unserer Welt zu lenken. Als eine unbekannte Gefahr „Alpha“ bedroht, werden die beiden Spezialagent Valerian und Laureline beauftragt der Sache auf den Grund zu gehen. Das Abenteuer kann beginnen…
Auch, wenn es Luc Besson nicht gefallen wird, kann er sich im Endeffekt doch glücklich schätzen, dass er solange auf sein Herzensprojekt warten hat müssen, denn die Gestaltung dieser komplexen Welt in „Valerian“ wäre vor 20 Jahren gar nicht möglich gewesen, bzw. nicht so wie Besson es jetzt geschafft hat.
Die große Stärke von „Valerian“ und das was ihn wirklich sehenswert macht, ist die atemberaubende Optik. Die Welt, die Besson kreiert hat, strotz nur so vor bunten, schrillen Farben und diversen Weltraumwesen.
Ganze 180 Mio. US-Dollar soll die Produktion verschlungen haben, was ihn ganz nebenbei zur teuersten europäischen Filmproduktion macht, und die sieht man geradezu in jeder Einstellung.
Gedreht wurde nur vor einer grünen oder blauen Leinwand und davon bin ich in der Regel kein Fan, aber das CGI ist in diesem Film so gut, dass es sich nicht nervend in den Vordergrund drängt, wie beispielsweise bei „Der Hobbit“.
Dass Luc Besson kreativ ist, weiß man spätestens seit seinem „Fünften Element“, aber hier setzt er noch einmal eine Schippe drauf. Wenn die beiden Agent Valerian und Laureline durch die unterschiedlichsten Welten „hüpfen“ kann man dies mit großen Augen bewundern. Ob unendliche Sandstrände an denen Wesen in großen Muscheln leben oder magische Unterwasserwelten, die volle Bandbreite an Kreativität wird geboten.
Und diese verbindet Luc Besson mit einem erfrischenden Tempo. Langweile will eigentlich kaum aufkommen. Wir als Zuschauer werden von Setting zu Setting gejagt und haben so viel zu bewundern, dass sich die relativ lange Lauflänge von 138 Minuten nicht zieht.
Dane DeHaan und Cara Delevingne, die die beiden Protagonisten spielen, sind ja alleine schon von ihrer Optik zwei außergewöhnliche Schauspieler, die kein 0815- Auftreten besitzen. So mochte ich Dane DeHaan bereits in „ A Cure for Wellness“, obwohl viele ihn als falsch besetzt ansahen und auch seine Besetzung hier ist gewagt, da er nicht wie ein klassischer Superheld aussieht. Eher schmächtig und blass kommt er daher, aber dennoch hat er das gewisse Etwas. In Kombination mit seiner Partnerin entwickelt sich eine interessante Dynamik, die uns gut durch den Film führt.
Trotz dieser positiv genannten Punkte kommt „Valerian“ nicht über den Status „kurzweiliger Blockbuster“ hinaus und das liegt einfach an der grundsätzlichen Geschichtenerzählung.
Der Film beginnt und man fragt sich lange Zeit was denn jetzt die eigentliche Geschichte ist. Wir werden direkt ins Actionfeuerwerk geschmissen ohne vorher eine gewisse Einführung zu erhalten.
Ja, man sieht wie sich „Alpha“ entwickelt hat und dass irgendwas einen anderen Planeten angegriffen hat, aber danach Leerlauf.
Später erfahren wir, dass „Alpha“ einer Bedrohung ausgesetzt ist, aber die Beweggründe der einzelnen Parteien im Film sind immer undurchsichtig, sodass man emotional auf der Strecke bleibt.
Undurchschaubarkeit von Figuren ist ja nicht das schlechteste, um Spannung aufzubauen, allerdings wären hier ein oder zwei Erklärungen am Anfang doch sinnvoller gewesen, da dann das eigentliche Ende, wo man schlussendlich versteht, weshalb die und die Personen so gehandelt haben, viel zu simpel geraten ist- der große Clou und Showdown bleibt aus, was sehr schade ist.
So bleibt man mit einem unbefriedigten Gefühl zurück. Einerseits sieht man großartige Bilder, anderseits gibt einem die Geschichte nichts.
„Valerian“ ist in seinem Genre sicherlich einer der besseren Vertreter. Tempo, Optik, Kreativität, coole Hauptdarsteller, all dies vereint er sehr harmonisch. Nimmt man diese Aspekte weg bleibt allerdings nicht mehr viel übrig. Die Kernessenz eines Film ist die Geschichte und die verläuft sich hier ins Leere, ganz anders als die hier dargestellte Zukunft unserer Galaxie.
6,5/10
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