127 Hours

Bei der Oscarverleihung war er trotz seiner guten Kritiken und 6 Nominierungen ein großer Verlierer, da er keine einzige der begehrten Trophäen mit nach Hause nehmen konnte. Die Rede ist von Danny Boyles „127 Hours“, der die wahre Geschichte des Bergsteigers Aron Ralston erzählt.

Dieser stürzte beim Beklettern eines Canyon in einen Felsspalt und überlebte dort ganze fünf Tage, obwohl sein rechter Arm durch einen Felsstein eingeklemmt war und er sich so kaum bewegen konnte. Seinen unerbittlichen Überlebenskampf filmte er mit einer Digitalkamera, was schlussendlich die Grundlage für Danny Boyle und sein Team war.

Boyle besetzte sein 94 Minuten langes biographisches Werk mit James Franco in der Hauptrolle, den man im Grunde eher aus lustigen Filmen kennt und stets eine leicht benebelte Art an den Tag legt. Doch gerade er überzeugt in diesem Film und beweist nach einer kurzen Einführung, dass er durchaus ernstere Rollen kann.

Dass der Film größtenteils in einer Felsspalte spielt, macht es für Franco nicht leichter, aber durch sein starkes Mimenspiel ermöglicht er uns die verschiedenen Stadien einer solchen Katastrophe  zu durchleben.

Emotional wird man insofern gepackt, dass man die ganze Zeit überlegt wie man selbst in so einer Situation reagieren würde und mit der Hauptfigur mitfühlen kann, allerdings geht es über das Mitfühlen nicht wirklich hinaus.

Da Boyle darauf verzichtet uns zu Beginn des Films Aron Raiston näher zu bringen, fehlt von Anfang an eine Bindung. Erst im Laufe des Films erfahren wir was zu seiner Hintergrundgeschichte und Motivation, die in Form von Halluzinationen und Flashbacks aufkommen und stark umgesetzt wurden. 

Obwohl der Film vergleichsweise kurz ist, kommt durch die fehlende emotionale Bindung an einigen Stellen schon fast Langeweile auf, auch weil der Film fast nur an einem Ort spielt. Dies wäre nach den ersten 10 Minuten nicht unbedingt zu erwarten gewesen, weil hier Boyle-typisch mit schnellen Schnitten und coolen Bildmontagen gearbeitet wird, die auch im Laufe des Films immer wieder auftauchen.

Der relativ zähe Verlauf der Geschichte wird insofern wieder gut gemacht, dass „127 Hours“ einfach ein tolles Seherlebnis ist. Die Bilder, die kreiert wurden, geben einiges her und werden häufig in unterschiedlichen Blickwinkeln zusammengesetzt. Auch die Einsetzung eines 16:9 Formats macht „127 Hours“ besonders und die teilweise abgedrehten Kameraeinstellung lassen uns Teil des Innenlebens der Hauptfigur werden.

Alles in allem ist sein 2010er Werk nicht sein stärkster, aber dennoch ein guter Film geworden. Mit etwas mehr Fingerspitzengefühl hätte hier auch noch mehr erreicht werden können, denn Setting und Story stimmen. Ein starker James Franco und tolle Bilder reichen aber nicht aus, um die Geschichte eines Mannes, der in einer unglaublichen Situation fast schon unmenschlichen Willen bewiesen hat, zwar interessant, aber nicht fesselnd zu erzählen.

7/10

 

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