Hostel

Tarantino-Buddy Eli Roth bringt bald seinen ersten Familienfilm („Das Haus der geheimnisvollen Uhren“) raus, was bei dessen Vita etwas überraschend zu sein scheint, denn zuvor war er ausschließlich für brutale Horrorfilme bekannt und hat in diesem Genre für Fans schon den einen oder anderen Klassiker kreiert („Cabin Fever“ u.a.).

Sein zweiter Kinofilm „Hostel“ gilt für viele als Paradebeispiel des Folter- Pornos, ein Subgenre des Horrorfilms, und ja, „Hostel“ beinhaltet Szenen, die nur schwer zu ertragen sind, ist aber in seiner Gesamtheit und vor allem beim wiederholten Sehen im Vergleich zu anderen Vertretern, beispielsweise aus Frankreich („Martyrs“), nicht ganz so extrem, da Roth in seinem Werk nicht immer mit der Kamera alles offenbart. Für Weichgesottene ist „Hostel“ natürlich dennoch nichts und besonders die „Augenszene“ brennt sich im wahrsten Sinne des Wortes in den Kopf.

Die drei Freunde Paxton, Josh und Oli reisen durch Europa, um mit möglichst vielen Frauen zu schlafen und haufenweise Drogen zu konsumieren. Als sie in Amsterdam den Geheimtipp erhalten nach Osteuropa zu fahren, da es dort die schönsten Frauen geben soll, begeben sie sich in ein kleines Örtchen in Mitten der Slowakei. Ihre Wünsche scheinen sich alle zu erfüllen, doch bald müssen sie feststellen, dass dort auch noch andere Machenschaften von statten gehen und man für Geld heutzutage alles erhalten kann…

Was für „Hostel“ kennzeichnend ist, ist mit Sicherheit, neben der krassen Gewalt, eine düstere, triste Atmosphäre, die man nach der ersten Hälfte des Films gar nicht erwarten durfte, da hier eher der Verdacht geschürt wurde, dass sich das Ganze in eine Horrorkomödie entwickelt. Im Vergleich zu seinem ersten Werk „Cabin Fever“ ist „Hostel“ im zweiten Abschnitt deutlich ernster und das Dargestellte scheint trotz aller Vorurteile gegenüber der Slowakei gar nicht so unrealistisch zu sein (Während viele Filme durch tolle Landschaftsaufnahmen und schönen Geschichten Werbung für ein Land oder eine Stadt machen, hat „Hostel“ zu seiner Zeit den Tourismus in der Slowakei wohl kaum angekurbelt). Roth versucht der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, doch dies gelingt nicht immer bzw. zu selten.

Die Message von Roth ist klar: für Geld kann man mittlerweile alles erhalten und die Menschen haben unterdrückte kranke Bedürfnisse, die sie so ausleben können. Leider konzentriert er sich zu sehr auf die Opfer und weniger auf die Täter, was ja für die ausgelegte Gesellschaftskritik viel interessanter gewesen wäre. So bleibt „Hostel“ zu oft einfach nur plump.

Auch das Ende reiht sich da ein, was hier aber nicht unbedingt an Roth liegt, da sein eigentliches Ende gestrichen wurde, da es als zu düster empfunden wurde, was in diesem Kontext schon etwas paradox ist (ACHTUNG SPOILER: die einfache Abschlachtung des Peinigers wurde vorgezogen, anstatt die Entführung dessen kleiner Tochter zu zeigen).

„Hostel“ ist kompromisslos und besticht durch eine feine Atmosphäre, ist aber im Endeffekt zu einfach geworden und konzentriert sich schlussendlich zu sehr auf die extreme Gewaltdarstellung, anstatt mehr in die Psyche zu gehen. Für Genrefans dennoch ein Muss, der normale Zuschauer sollte sich aber vielleicht zweimal überlegen diesen Film zu sehen.

5,5/10

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