Das Genre, das in Hollywood in den letzten Jahren mit am meisten produziert wurde und die Kassen der Produzenten jährlich füllt, ist neben dem Superhelden-Film ohne Zweifel das des Horrorfilms. Nachdem sich dieses Genre in den letzten Jahrzehnten stets verändert hat und man immer andere Subkategorien damit bediente, befinden wir uns seit einigen Jahren in der Zeit der Geister- und Jumpscare- Filme. Höhepunkt dieses filmischen Schaffens war mit Sicherheit James Wans „ Conjuring“, der zur Folge hatte, dass aus diesem wirklich guten Vertreter seiner Art gleich wieder ein ganzes Universum geschaffen wurde. Eine Marotte in Hollywood, die momentan leider viel zu häufig in Erscheinung tritt. Aufgrund dieser unglaublichen Anzahl an mit Jumpscare überladenden Horrorfilmen, haben es kleine Horrorperlen wie etwa „The Witch“ oder „Hereditary“ nur sehr schwer das allgemeine Publikum zu überzeugen.
Problem ist darüber hinaus, dass nahezu jeder kommende Horrorfilm als der gruseligste Film aller Zeiten angekündigt wird; man macht sich also schon vor Kinostart das Leben schwer, da die Erwartungen oft groß sind. Den normalen Kinogänger scheint dies jedoch nicht zu stören. Der kürzlich erschienene „The Nun“ verdeutlicht dies ziemlich gut: In der gesamten „Conjuring-Reihe“ stellt er den finanziell erfolgreichsten Film dar (ca. 7,6 Mio. Dollar alleine in Deutschland), obwohl er qualitativ bisher der schlechteste Teil ist. Doch worum geht es:
Erzählt wird die Geschichte eines rumänischen Klosters, in dem ein Dämon sein Unwesen treiben soll. Als der Vatikan Wind davon bekommt, schickt er Pater Burke und Schwester Irene nach Rumänien, um sich ein Bild von den übernatürlichen Vorkommnissen zu machen. Unterstützung bekommen sie hierbei von dem heimischen Frenchie und die können sie auch gebrauchen, denn es geht gegen niemand geringeres als die bösartige Nonne, die man bereits in „Conjuring 2“ zu Gesicht bekam.
Vorab schon mal: „The Nun“ ist wahrlich nicht gruselig und mitunter sogar langweilig geworden. Höhepunkte waren lediglich der Beginn, sowie das Ende des Films, bei dem eine tolle Brücke zu den vorherigen „Conjuring-Filmen“ geschlagen wurde.
Warum ist „The Nun“ eher ein Reinfall geworden? Das liegt zum einen an den Figuren. Waren diese mit ihren fein ausgearbeiteten Hintergrundgeschichten oft Stärken in diesem Franchise, sind sie hier bloße Schachfiguren, die sich zu Ort A oder B bewegen, um schließlich erschreckt zu werden.
Gerade, da ich die Hauptdarstellerin Taissa Farmiga sehr mag, hatte ich Hoffnung, dass man mehr erwarten darf. Engagiert sind alle Schauspieler und man merkt, dass sie wahrlich Spaß an ihren Rollen hatten, dennoch ist das Drehbuch zu flach, sodass sie einem völlig gleich bleiben.
Des Weiteren steckt in „The Nun“ zu viel Humor. Besonders die Figur Frenchie ist hier nervig, da sie durch zwanghaft witzige und coole Sprüche versucht Situationen aufzulockern. Gleichzeitig stellt seine Figur am Ende des Films einen durchaus überraschenden und positiven Verbindungszweig zum ersten „Conjuring-Film“ dar, was seine Rolle in „The Nun“ etwas aufwertet.
Positiv zu erwähnen ist darüber hinaus das gelungene Setting in Rumänien, welches mit seinem alten Kloster durchaus an alte Horrorklassiker erinnern mag. Dadurch ergibt sich in einigen Momenten eine gute Gruselatmosphäre, die leider nie konsequent durchgezogen wird.
Unter dem Strich bleibt so ein weiterer Horrorfilm, der nach Schema F abläuft und nichts Überraschendes parat hat. Das „Conjuring-Universum“ wird sich in den nächsten Jahren dennoch weiter ausbreiten. Teil drei der ursprünglichen Reihe steht schon fest, weitere Fortsetzungen zum Spin-off Film „Annabelle“ sind geplant und auch „The Nun“ wird durch seinen finanziellen Erfolg mit Sicherheit mit einem zweiten und dritten Teil fortgeführt. Sollten diese die miese Qualität von „The Nun“ fortsetzen, gruselt mich dies mehr als ihre dämonischen Geister.
4/10
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