Centurion

Zwischen 2007 und 2011 griffen gleich drei Filme das ebenso legendäre wie mysteriöse Verschwinden der Neunten römischen Legion auf, die als eine der ältesten Armeen Roms angesehen wird: „ Die letzte Legion“(2007), „Centurion“(2010), „Der Adler der neunten Legion“(2011).
Jedoch konnte keiner dieser Filme wirklich überzeugen. Im Folgenden soll es nun um den mittleren Vertreter gehen, der vom britischen Regisseur Neil Marshall realisiert wurde. Diesen dürften die meisten durch seinen brillanten Horrorfilm „The Descent“ kennen, aber auch in der HBO-Serie „Game of Thrones“ führte er bereits in zwei Folgen Regie.

All seine Werke haben zumeist gemein, dass sie durch eine düstere und brutale Atmosphäre bestimmt sind und auch „Centurion“ ist hier keine Ausnahme. Vielmehr nutzt Marshall den historischen Kontext, um seiner Affinität zur Gewalt freien Lauf zu lassen. Dies mag zwar zu Beginn sehr kurzweilig sein, nutzt sich aber dann in der doch relativ humanen Lauflänge von 95 Minuten schnell ab.

Worum geht es: Im Jahr 117 n.Chr. besetzt der römische Offizier Quintus Dias mit seinen Soldaten einen Außenposten zur Grenze zum Piktenland. Als dieses Lager eines Nachts von den einheimischen Pikten überfallen wird, ist Quintus der einzige, der sich retten kann. Auf seiner Flucht gelangt er glücklicherweise in die Hände der Neunten Legion, doch die Pikten sind ihm dicht auf den Fersen…

Im Laufe des Films wird schnell deutlich welches Prinzip Marshall verfolgt: 10 kleine Römerlein alleine im Walde, die nacheinander abgeschlachtet werden. Dies ist nicht nur sehr vorhersehbar, sondern bietet in der gesamten Story nicht viel Mehrwert. Trotzdem ist „Centurion“ kein kompletter Reinfall geworden, denn man merkt dem Film an, dass Neil Marshall vom Fach ist, wenn es um die Inszenierung eines rauen Settings und guter Action geht.

Hier punktet „Centurion“ auf jeden Fall. Die Kampfsequenzen sind intensiv und handgemacht, auch wenn an der einen oder anderen Stelle das CGI-Blut etwas störend ist. Auch die aussichtslose Lage der Römer gegenüber einen Feind, der sich in seinem Land bestens auskennt und immer einen Schritt voraus zu sein scheint, ist atmosphärisch dicht und stimmungsvoll eingefangen (Ähnliches Szenario, welches wir bereits in „The Descent“ erleben durften).

Des Weiteren mag Michael Fassbender als römischer Feldherr zu gefallen. Der Mann ist einfach ein Sympathieträger und führt einen gut durch den Film. Sein Pendant Olga Kurylenko steht ihm allerdings in nichts nach, denn, obwohl sie kein einziges Wort spricht, liefert sie eine starke Darstellung als rachsüchtige, aber gebrochene Frau.

Generell ist es positiv zu sehen, dass Marshall seine Pikten nicht bloß als gesichtslose Mörder präsentiert, sondern ihnen mehr Motivation und Profil gibt als dem ein oder anderen Römer, sodass man deren Handlungsschritte fast besser nachvollziehen kann als die der eigentlichen „Guten“.

Diese bekommen nämlich hauptsächlich bloß einen Satz, um sich vorzustellen, und dies wird dann auch in Blitzgeschwindigkeit abgearbeitet, denn der Fokus soll nicht auf die Charaktere abschweifen, sondern schnell wieder auf die Action gleiten.

Wer also an einem Sonntagnachmittag oder bei einer Flasche Bier mit Kumpels nichts zu tun hat, kann sich „Centurion“ auf jeden Fall angucken. Pures Testosteron-Kino, das 90 Minuten lang Schwert und Axt schwingen lässt, jede Menge Blut vergießt, aber zum Schluss zu einem Ende kommt, das nicht so wirklich in dieses Klischee passt.

5,5/10

 

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