The Birth of a Nation

Das „schwarze Kino“ boomt. Filme, wie etwa „Get out“, „Black Panther“ oder der viel umjubelte „12 Years a Slave“, räumten nicht nur an den Kinokassen ab, sondern begeisterten auch Zuschauer und Kritiker. Besonders die Aufarbeitung der grausamen Ausbeutung und Versklavung der Afroamerikaner im 19. Jahrhundert wurde in Hollywood in den letzten Jahren als gern gesehener Stoff verwendet: Sei es das bereits oben genannte Biopic „12 Years a Slave“ von Steve McQueen, welches sogar den Oscar als bester Film gewinnen konnte, oder der comichafte Western „Django Unchained“.

Im Jahr 2016 erschien ein Film, der seine Premiere auf dem Sundance Film Festival feierte und dort als großer Oscarfavorit angepriesen wurde. Da, wie die letzten Jahre gezeigt haben, seine Thematik durchaus oscarreif gewesen wäre, verwundert es, dass die Academy ihn völlig außer Acht ließ. Schaut man sich dann jedoch „The Birth of a Nation“ an, erkennt man, dass die nicht Berücksichtigung durchaus Sinn gemacht hat.

Dabei erzählt Nate Parkers Werk, in dem er übrigens auch selbst die Hauptrolle spielt, die wahre Geschichte des Sklaven Nat Turner, der im Jahr 1831 gegen seine Gefangenschaft rebellierte und als Anführer eines Sklavenaufstandes fungierte.

„The Birth of a Nation“ beleuchtet hierbei seinen Lebensweg von Kindheitstagen an, in denen er bereits als mächtiger Anführer angepriesen wurde, und endet schlussendlich mit dem eigentlichen Aufstand.

Nach dem Sehen fühlt man sich vor allem vom deutschen Nebentitel in die Irre geführt, denn der Fokus des Films liegt keineswegs auf der finalen Rebellion, wie man vermuteten konnte, sondern konzentriert sich viel mehr auf das Leiden beziehungsweise das Leben dieses Mannes in Gefangenschaft.

Diese Gefangenschaft oder Versklavung war für Nat Turner im Gegensatz zu vielen anderen Afroamerikanern von mehr Freiheiten bestimmt, da er seinen „Besitzer“ Samuel Turner seit seiner Kindheit kannte und eine Art Freundschaft mit ihm pflegte. Außerdem besaß Nat die besondere Eigenschaft, dass er Pfarrer war und somit den Glauben auf seiner Plantage verbreitete.

„The Birth of a Nation“ ist ein durchaus schwer zugänglicher Film und mitunter sehr viel künstlerischer als erwartet. Immer wieder wird das Geschehen durch Träume von Nat unterbrochen, welche aber oft zu prompt beziehungsweise zusammenhangslos in den Kontext geworfen werden, sodass wir als Zuschauer diese atmosphärischen Bilder genießen können, aber man sich doch fragt wieso man diese nun gesehen hat.

Kann man sich auf das Werk einlassen, packt einen „The Birth of a Nation“ durch die kühlen teilweise schon dokumentarischen Bilder, was zur Folge hat, dass man stets das Gefühl hat Teil des Geschehens zu sein. Kamera und Setting sind brillant.

Wir erleben die Grausamkeit und Härte dieser furchtbaren Verbrechen mit und speziell in einer Szene mag man nur noch wegsehen. Dies liegt auch am sehr guten Cast, der nicht aus den bekanntesten Schauspielern besteht, aber hervorzuheben sind besonders eben genannter Nate Parker als Nat Turner, der eine beeindruckende Performance abliefert, und Penelope Ann Miller, die im gesamten Film eine moralische weiße Instanz darstellt.

Nach knapp 100 Minuten besonderem Seherleben fragt man sich wann es denn jetzt endlich zum Hauptakt kommt, wann explodiert die vorher aufgebaute Spannung, wann wird Rache genommen an den Peinigern, wann entfaltet sich die Rebellion?

Sie kommt. Aber sie dauert nur 15 Minuten. Die Struktur des Films ist schrecklich, das Drehbuch ist im Gegensatz zum Schauspiel und zur Kamera ein kleines Desaster geworden. 80 Prozent Exposition, die gut ist, keine Frage, aber der Film verläuft im Nichts. Es kommt zu einer Hetze, plötzliche Charakterentwicklung ohne näheres Erklären, Handlungsschritte, die man so deuten kann, aber völlig unverständlich verlaufen.

„The Birth of a Nation“ setzt den Fokus auf das Leben von Nat Turner. Sein getaner Akt, der ihn schlussendlich so bedeutsam für die Geschichte gemacht hat, wird vernachlässigt. Man konzentriert sich eher auf sein Leiden, sein Weg hin bis zum Entschluss etwas zu ändern. Die Entwicklung dorthin ist holprig und mit einigen Logiklöchern versehen. Hätte man die Rebellion ganz rausgelassen, wäre es für den Aufbau der Geschichte wahrscheinlich sogar besser gewesen.

Am Ende bleibt ein stark gespielter Film über eine Thematik und einen Mann, die in Europa noch immer zu unbekannt sind, und über Glaube und Religion, die eine starke Symbolik in Parkers Werk haben. Dennoch geht die Dramatik nicht ganz auf, da der Film sich mit einer eigenen Struktur schlägt. Schade!

6/10

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