An das Jahr 2001 denken wohl viele Fans des Fantasygenres gerne zurück, als gleich zwei der besten Romane in diesem Bereich für die Leinwand adaptiert wurden. Neben J.R.R. Tolkiens „Herr der Ringe“, erschien auch der erste Teil rundum den Magier Harry Potter, der aus der Feder von Joanne K. Rowling stammt. Eltern, die mit ihren Kindern in der Vorweihnachtszeit 2001 ins Kino gehen wollten, entschieden sich da mutmaßlich eher für „Harry Potter und der Stein der Weisen“ und das ist auch gut nachzuvollziehen, denn niemand geringeres als Familienfilm-Experte Chris Columbus verfilmte den ersten Potter-Band. Rausgekommen ist magisches Popcorn-Kino, das große als auch kleine Augen öffnen lässt, für Kanten und Tiefen aber keinen Platz hat und somit den Kampf um die bessere Buchadaption klar gegen Peter Jacksons „Herr der Ringe: Die Gefährten“ verliert.
Aufgewachsen bei der schrecklichen und tyrannischen Familie seiner Tante, erfährt der kleine Junge Harry Potter an seinem 11. Geburtstag nicht nur, dass er ein Zauberer ist und somit ab sofort auf die Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei gehen wird, sondern auch, dass seine Eltern nicht durch einen Autounfall starben. Viel mehr war hierfür der dunkle Magier Lord Voldemort verantwortlich, der nun versucht zu alter Stärke zu gelangen und Harry zu töten…
Die Aufgabe für Columbus und sein Team hätte nicht größer sein können, denn besonders in England hatte „Harry Potter“ schon einen Kultstatus erlangt und eine treue Fangemeinde hinter sich vereint. Dass er schlussendlich zustimmte den Roman so treu wie möglich zu verfilmen, sicherte ihm den Job, war für den Film an sich aber kein Gefallen.
Denn den großen Einfluss von Rowling spürt man leider zu deutlich. Fast schon sklavisch wurde Szene für Szene aus dem Buch abgefilmt, sodass eine richtig packende Geschichte nicht entstehen kann. Auch, wenn besonders Teil 1 der Reihe eher für Kinder/Jugendliche gedacht ist, fehlt es dem Film an Ecken und Kanten. Vieles wirkt aalglatt gebügelt und besonders die stumpfe Abhandlung der Szenen lässt keinen Spannungsbogen aufkommen. Zum Ende hin (vor allem der Showdown) wirkt vieles dann schon sehr gehetzt, als wenn die Macher gemerkt hätten, dass sie sich in ihren 2,5 Stunden fast nur in großen Bildern verloren haben und dass zu einem guten Film ja auch ein gescheites Ende gehört.
Trotz dieser negativen Punkte ist „Harry Potter und der Stein der Weisen“ kein schlechter Film geworden, denn Columbus weiß es sehr wohl zu fesseln, nicht unbedingt mit der Geschichte, sondern viel mehr mit den Bildern und der Gewissheit, dass uns die Story noch viele Jahre beschäftigen wird. Sozusagen ist „Harry Potter und der Stein der Weisen“ eine klassische Einführung. Das ist sowohl positiv als auch negativ.
Effekte, Setting, die ganze Liebe zum Detail verzaubern auch heute noch. Der Film schafft es den Zuschauer in eine Welt eintauchen zu lassen, die er so noch nicht gesehen hat. Die Winkelgasse, Hogwarts, der verbotene Wald… alles wirkt authentisch. Abzüge bei den Effekten gibt es lediglich beim Quidditchspiel. Ansonsten sehen alle Spezialeffekte sehr handgemacht aus und werden so zu wahren Augenöffnern.
Dem Hype in Großbritannien gerecht, versammelte Columbus die Creme de la Creme der britischen Schauspielgarde. Besonders zu erwähnen sind hier Richard Harris als Albus Dumbledore, der die Rolle des Schulleiters besonnen und warmherzig verkörpert, Maggie Smith, sowie Alan Rickman als Professor Snape, der zum heimlich Star des Film wird. Die schwerste Aufgabe, den Kindercast zu besetzen, ist fast perfekt gelungen. Emma Watson spielt die neunmalkluge Hermine brillant und Rupert Grint vermag durch seine Performance den einen oder anderen Lacher miteinzubringen. Abfallen tut hier leider die Hauptrolle. Daniel Radcliff konnte hier (noch) nicht überzeugen und wirkt fast schon überfordert mit der Last einer solchen Tragweite. Teilweise nervig erscheint sein Perfektionismus und Sympathien versprüht dieser kaum.
„Harry Potter und der Stein der Weisen“ ist mit Sicherheit kein perfekter Film, doch er vermag es einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und wird mittlerweile als Klassiker in diesem Genre angesehen.
Mit seinem legendären Soundtrack, bombastischen Bildern und einem fast perfekten Cast gelang es Columbus einen vollen Kinoerfolg zu landen, der aber über einige Schwächen dieser Adaption hinwegtäuscht.
Detail- effektreich und mit viel Herzblut inszeniert, aber ohne Tiefgang, bleibt unterm Strich eine gute Einführung in die Reihe.
7/10
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