Parasite

Die Auszeichnung „Bester Film“ mutiert bei den jährlichen Oscars immer mehr zur Überraschungskategorie. Auch 2020 gewann die begehrte Trophäe ein Film, der zwar feiernd umjubelt wurde, im Vergleich zu seinen Kontrahenten aber eher als Außenseiter ins Rennen ging. So setzten sich 2018 und 2019 mit „Shape of Water“ bzw. „Green Book“ schon zwei Filme durch, die eher als kleinere, nischigere  Filme eingestuft werden können. „Parasite“ von Bong Joon-ho ist ebenfalls so zu kategorisieren. Hinzu kommt sogar noch, dass es sich hierbei um eine fremdsprachige-südkoreanische- Produktion handelt.

Verdient ist der Oscar alle male, vielleicht auch weil wirkliche Alternativen fehlen. Schmälern soll es die Kraft von „Parasite“ allerdings nicht, denn der erste fremdsprachige Oscargewinner weiß mit cleverem Drehbuch, tollen Darstellern und einem gelungenen Genremix zu überzeugen.

Mitten in den ärmlichen Slums von Seoul lebt die vierköpfige Familie Kim. Über die Runden kommen sie mit kleinen, schlecht bezahlten Nebenjobs und die tägliche Suche nach freiem WLAN bestimmt den Alltag. Als eines Tages dem Sohn der Kim´s über einen Freund ein Nachhilfejob bei der wohlhabenden Familie Park angeboten wird, geht für die Familie Kim ein Licht auf. Nach und nach versuchen sie ihre Familienmitglieder bei der reichen Familie einzuschleusen…

Bong Joon-ho hasst soziale Ungerechtigkeit, zeigt sie in seinen Film dennoch immer wieder. Mal im reinen Klassenkampf, wo Rollen klar verteilt sind („Snowpiecer“), oder eben wie in „Parasite“ wo die Gesellschaftskritik offenkundig ist, er mit Erwartungen und vorgeschriebenen Gesetzen aber spielt und diese teilweise untergräbt. Es ist nicht alles schwarz und weiß, sondern viel grau.

Kameramann Hong Kyung-pyo offenbart den Klassenkampf in großen, teilweise stark lichtdurchfluteten Bildern. Die Bildsprache ist groß, das Setting im ersten Augenblick klein, doch zum reinen Kammerspiel kommt es selten. Dafür ist zu einem das Haus der Parks zu imposant, zu einnehmend und auf der anderen Seite verlagert Bong Joon-ho das Geschehen immer wieder.

„Parasite“ nimmt im Verlauf verschiedene Wendungen an, zum großen Mindfuck kommt es allerdings nicht, wie in vielen vorläufigen Stimmen zum Film angedeutet wurde. „Parasite“ ist spannend, wirklich spannend, da der Regisseur Joon-ho es schafft einen Drive zu entwickeln, der einen durchgehend fesselt. Besonders die erste Hälfte des Films verläuft in einem Guss.

Die Schauspieler sind für die Meisten außerhalb des südkoreanischen Raumes wahrscheinlich unbekannt, das dürfte sich nach dem riesigen Erfolg wohl in Zukunft ändern. Durchweg erleben wir hier eine starke Leistung. Die Figuren sind natürlich überspitzt karikiert und in ihren stereotypischen Klassen unterteilt, dennoch werden uns diese frisch und dynamisch präsentiert.

Wie bereits erwähnt ist es nicht möglich „Parasite“ in ein Genre zu packen. Bong Joon-ho liefert eine bunte Mischung aus schwarzer Komödie, satirischer Gesellschaftskritik und spannendem Thriller, die in einem blutigen Schlussakt mündet.

Für ein absolutes Meisterwerk reicht es allerdings nicht, da er nach einer sehr starken ersten Hälfte abbaut und einige Handlungsabläufe zu konstruiert wirken und das Tempo etwas gedrosselt wird.

Dennoch ist „Parasite“ ein absoluter Must-See Film.

8,5/10

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