Der indische Regisseur Tarsem Singh ist wohl am besten mit den Attributen Visionär, epochale, ausschweifende Fantasywelten und Leinwandzeichner zu beschreiben. Seine Person, sowie seine bisher recht kurze Filmografie sind wahrscheinlich den wenigsten bekannt, was schade ist, denn gerade seine ersten beiden Werke („The Cell“ und „The Fall“) sind nicht nur optische Feste, die einen wahren Bilderrausch entwickeln, den man noch nie gesehen hat, sie glänzen außerdem mit einer cleveren, teilweise sehr perfiden, teilweise sehr subtilen Story. Den großen Filmstudios ist dies natürlich nicht lange verborgen geblieben, sodass 2011 mit „Krieg der Götter“ ein Film von Singh folgte, der ein Budget von 80- 120 Mio. $ besaß und vor allem die breite Masse ins Kino locken sollte. Vorbilder bei der Entwicklung des Films waren ohne Zweifel comichafte Werke wie „300“ oder „Sin City“. Optisch kann „Krieg der Götter“ mit diesen Filmen mithalten, qualitativ erreicht er aber nie deren Level.
Der tyrannische König Hyperion sucht den sagenumworbenen Epeiros- Bogen, um mit diesem die sogenannten Titanen zu befreien. Mit deren Hilfe erhofft er sich, sich an den Göttern rächen zu können, die er dafür verantwortlich macht, dass seine Familie einen qualvollen Tod erleiden musste. Zeitgleich erziehen die Götter, im Wissen um Hyperions Vorhaben, getarnt auf der Menschenwelt Theseus groß, den sie auserwählt haben Hyperions Feldzug zu stoppen…
Dass Regisseur Singh nicht nur groß und schrill kann, bewies er mit „The Cell“ und „The Fall“. Auch seine Brüder Grimm Verfilmung „Spieglein Spieglein“ konnte größtenteils überzeugen.
„Krieg der Götter“ ist hingegen sowas wie der schwarze Fleck in seiner Filmografie und beweist wieder einmal, dass viel Geld und große Namen (Henry Cavill, Luke Evans, John Hurt,Mickey Rouge) noch lange keinen guten Film ausmachen.
Potential wäre auf jeden Fall vorhanden gewesen, denn „Krieg der Götter“ ist Singh-typisch ein Fest für die Sinne. Wenn große Heere aufeinander treffen, Pfeile in Zeitlupe durch die Lüfte fliegen oder die Götter im Himmel über ihre weiteren Pläne beraten… Singh entwickelt mal wieder eine eigene Welt, die im Vergleich zu seinen früheren Filmen weniger Alleinstellungsmerkmal besitzt, aber dennoch imposant und brachial wirkt.
Nimmt man einzelne Momentaufnahmen aus „Krieg der Götter“ lassen sich diese wunderbar als Porträt verwenden. Bis ins kleinste Detail sind Design und Setting atemberaubend und wer Spaß an solchen ausschweifenden Fantasywelten hat, kann sich in Singhs griechischer Mythologienverarbeitung schnell verlieren.
Drehbuchtechnisch läuft allerdings vieles falsch… eine plumpe Story, blödsinnige Dialoge und Schauspieler mit großen Namen, die völlig langweilige Charaktere spielen.
Ein damals noch relativ unbekannter Henry Cavill verkörpert den durch und durch Guten. Mickey Rouge den absolut Bösen. Langweilig.
Wäre die Story nur einen Ticken spannender, könnte man über diese Darstellung noch hinweg sehen. Aber ab Minute 1 ist klar wie der Film enden wird und wie der Verlauf dahin aussehen wird.
„Krieg der Götter“ ist opulentes Blockbusterkino, das nicht viel vom Seher verlangt, sondern einen reinen Bildrauch entfacht. Wer sich daran erfreuen kann, sollte reinschauen. Wer plumpes, großaufgemachtes Gemetzel eher meidet, sollte das Weite suchen.
5/10
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