28 Weeks Later

2002 brachte Danny Boyle mit seinem blutigen und nervenaufreißenden Horrorfilm „28 Days Later“ das Zombiegenre zurück auf die große Leinwand und löste damit die Wiederbelebung dieses Subgenres aus, obwohl die brutalen Menschenfresser in Boyles Werk weniger den Zombies im klassischen Sinne ähnelten, sondern viel mehr Tollwutinfizierten, die mit schnellen und unvorhersehbaren Angriffen Angst und Schrecken verbreiten.

Der spanische Regisseur Juan Carlos Fresnadillo schuf 2007 mit „28 Weeks Later“ ein Sequel, das an den Ereignissen des ersten Teils anschließt, dabei aber ohne die Figuren seines Vorgängers auskommt.

28 Wochen nachdem Großbritannien durch einen aggressiven Wut-Virus dahingerafft und fast die gesamte Bevölkerung dort ausgerottet wurde, finden Familienvater Don und seine beiden Kinder Tammy und Andy wieder zusammen. Der Wiederaufbau in London beginnt und die Überlebenden versuchen in District 1, ein Sektor in London in dem es heißes Wasser und fließend Strom gibt, ein neues Leben aufzubauen. Doch der Virus findet einen Weg zurück…

Danny Boyles Vorgänger hat ausgezeichnet, dass er von den sich langsam fortbewegenden Zombiehorden Abschied genommen hat und seine Infizierte wie Geisteskranke durch London gejagt hat, was dazu führte, dass es tolle Verfolgungsjagden gab, die das Adrenalin in die Höhe schraubten.

Genau diesen Weg führt Juan Carlos Fresnadillo fort und übertrumpft Teil 1 in dieser Hinsicht mit seinen ersten 10 Minuten sogar. Gerade die ersten Frequenzen aus „28 Weeks Later“ brennen sich nachhaltig in den Kopf, denn sie offenbaren schonungslos den verzweifelten Kampf gegen diesen Virus und den menschlichen Zerfall.

Auch Fresnadillo ist hierbei mit der Handkamera ganz nah am Geschehen und lässt uns als Zuschauer in den ersten Momenten des Films keine Zeit zum Durchschnaufen. Das ist mutig, da solche nervenkitzelnden Szenen sonst eher funktionieren, wenn man die Figuren durch einen gut eingeführten Prolog kennengelernt hat und man so besser mitfiebern kann. Fresnadillo hat hierfür aber keine Zeit und klärt nur durch einige clevere Einstellungen den Stand der Dinge und scheucht dann seine Protagonisten durch den puren Horror.

Man muss durchatmen, wenn die ersten Bilder von „28 Weeks Later“ vorbei sind und keine Angst dieses Tempo wird nicht komplett durchgezogen. Allerdings erreichen wir diese PS aus den Anfangsminuten im Laufe des Films dann leider auch nicht mehr.

In seinen knapp 100 Minuten punktet „28 Weeks Later“ mit einer düsteren und kalten Optik, die durch die Handkamera manchmal grandios, manchmal aber auch zu unübersichtlich (gerade bei Kampfszenen, was natürlich die Hektik und Dynamik dieser zeigen soll) eingefangen.

Ganz Hollywood untypisch und gegen jede Horrorfilmnorm entwickelt Fresnadillo eine ganz eigene Handschrift, die perfekt das fortführt, was Danny Boyle begonnen hat. Das macht diese Reihe zu einem Novum in diesem Genre.

Ebenfalls untypisch für das Genre: wir haben solide, teilweise tolle Schauspieler (besonders die Jugenddarsteller), die nicht die Intensität der Riege aus Teil 1 erreichen, aber dennoch munter und authentisch durch London rennen und uns als Zuschauer toll mitfiebern lassen. Hervorzuheben sind Imogen Poots oder der sympathische Jeremy Renner, den man aus den „Avengers“-Filmen als Hawkeye kennt.

Hier und da offenbart der Horrorfilm aber Logikfehler, die wohl leider notwendig sind in diesem Genre, um die Handlung voranzutreiben. Auch erleben wir, trotz der humanen Laufzeit, einige Längen. 5-10 Minuten kürzer hätten das Ganze noch intensiver gemacht.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass „28 Weeks Later“ ein sehr würdiger Nachfolger geworden ist und jedem zu empfehlen ist, der Zombiefilmen oder spannenden Horrorfilmen etwas abgewinnen kann. Gegenüber allen Filmen dieser Welt ist er sicherlich kein Meisterwerk, aber eine  absolute Genreempfehlung.

„28 Weeks Later“ ist ein drastischer und konsequent durchgezogener Horrorreißer, der nicht ganz die Klasse von „28 Days Later“ erreicht, aber mit brutalen, dynamischen Bildern den menschlichen Zerfall offenbart.

7,5/10

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