Batman Begins

Als Christopher Nolan 2005 seine „Dark Knight“-Trilogie begann, hatten Superheldenfilme noch längst nicht das Standing, was sie heute größtenteils beim Publikum besitzen. Anfang der 2000er gab es auf den Kinoleinwänden einen stetigen Wechsel zwischen teils sehr starken Vertretern („Spider Man“ und „Spider Man 2“) dieses Genres und eher durchwachsenen Werken („Daredevil“ und „Catwoman“).

Zunächst wurden dem Zuschauer seine Superhelden, ganz im Stile ihrer literarischen Vorlage, in einem sehr verspielten, comichaften Look präsentiert und stammten zumeist aus dem Hause Marvel. Die schwarze Fledermaus schlummerte bis dato immer noch unter dem albernen und schrillen Mantel der Joel Schumacher Verfilmungen, die die ersten tollen Batman-Filme von Tim Burton schriller und kindgerechter fortsetzten. Nolan hingegen wählte für seinen dunklen Ritter einen düsteren, realistischeren und erwachseneren Weg zurück auf die Kinoleinwand.

„Batman Begins“ erzählt die Origin Story des reichen Unternehmersohns Bruce Wayne, der, nach der Ermordung seiner Eltern, zum maskierten Retter von Gotham wird… Getrieben von Schuldgefühlen und der Suche nach Gerechtigkeit macht sich Wayne auf in die Welt, um das Verbrechen zu verstehen und wird dabei von dem Orden „Gesellschaft der Schatten“ ausgebildet und trainiert. Nach einem folgeschweren Zwischenfall entschließt sich Bruce Wayne nach Gotham zurückzukehren, um dort für Recht und Ordnung zu sorgen.

Besetzen konnte Nolan seinen Batman mit Christian Bale, der nicht nur die physischen Voraussetzungen mitbringt, sondern auch perfekt die arrogante und aufgeblasene Seite des Unternehmers Wayne mimt. Dieses Wechselspiel ist hier in „Batman Begins“ zunächst nicht so stark ausgeprägt, da der Vorgeschichte von Bruce Wayne viel Zeit eingeräumt wird, in den weiteren Teilen gelingt Christian Bale dieser Spagat zwischen gerechtigkeitsgesinnten Superhelden und millionenreichen Unternehmer vorzüglich.

„Batman Begins“ ist darüber hinaus ein wunderbares Beispiel, wie man Nebenrollen in großen Blockbustern besetzt. Jede noch so kleine Rolle ist gespickt mit absoluter Klasse und Erfahrung, was ein riesen Gewinn für Nolans Superheldenfilm ist.

So haben wir etwa den über jeden Zweifel erhabenen Michael Caine als treuen Butler Alfred, der ganz wunderbar die fast schon väterliche Fürsorge für Wayne verkörpert und der im Zusammenspiel mit Bale ein herzerwärmendes Duo abgibt.

Sergeant James Gordon wird vom Charakterdarsteller Gary Oldman gespielt, welcher neben Batman eine weitere moralische Instanz in Gotham darstellt und ohne Kostüm für den Zuschauer sehr greifbar und somit stark identifizierbar wird.

Des Weiteren haben wir Morgan Freeman, als sympathischen Entwickler Lucius Fox, und Katie Holmes, die von allen Darstellern am meisten mit ihrer Leistung abfällt. Ihrer Rolle, der von Batman geliebten, Rachel kann sie kein richtiges Leben einhauchen, sodass sie in dem starken Ensemble untergeht.

Nolan entschied sich in seiner Origin Story zu Batman gleich zwei Bösewichte dem dunklen Ritter entgegenzusetzen: Ra´s al Ghul und Scarecrow. Vom Grunde keine schlechte Wahl, da mit Liam Neeson und Cillian Murphy auch zwei Schauspieler am Werk sind, die es verstehen ihren Rollen etwas Bedeutsames auf den Weg zu geben. Allerdings ist der Umgang mit den Widersachern der größte Makel an „Batman Begins“, da es zu keiner harmonischen Verteilung kommt. Lange sind diese nämlich gar nicht zu sehen, was dazu führt, dass der Spannungsbogen in der Erzählstruktur etwas verloren geht und die Intensität leidet. Wie der Titel verrät, liegt der Fokus sehr stark auf der Vorgeschichte von Wayne und ehe man sich versieht ist auch schon die Hälfte des Films vorbei, das Ende wirkt gehetzt und der Showdown fällt eher mau aus.

Nichtsdestotrotz ist „Batman Begins“ ein sehr guter Blockbuster geworden. Nolan setzt auf Realismus und macht die maskierte Fledermaus so greifbarer und authentischer. Was hier bereits angedeutet wird, ist in den weiteren Teilen noch spürbarer: Nolan verlagert die Geschichte zu realistischen Terrorszenarien, die auch in einer realen Welt im Hier und Jetzt passieren könnten.

Die Kampfszenen und Spezialeffekte sind handgemacht und stellenweise wahre Augenöffner, an anderen verbreiten sie aufgrund der wackligen Kamera aber ein großes Wirrwarr. Begleitet wird alles von der heroischen, imposanten und düsteren Musik von Hans Zimmer, die immer wieder Gänsehaut erzeugt.

„Batman Begins“ ist ein großer Blockbuster und einer der stärksten Vertreter in seinem Genre. Opulent ausgestattet, brillant besetzt und stellenweise atemberaubend umgesetzt, hadert er dann leider etwas in seiner Struktur, besonders im Zusammenspiel zwischen Batman und seinen Widersachern. Nolan präsentiert uns den dunklen Ritter so authentisch und düster, wie nie zuvor.

8/10

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