The Dark Knight

Dass Bösewichte aus Comicvorlagen heutzutage immer häufiger einen eigenen Film erhalten (u.a. „Venom“ oder „Joker“), ist wohl auch dem 2008 erschienen „The Dark Knight“ zu verdanken. Der zweite Teil von Christopher Nolans Batman-Trilogie führt nun den Widersacher schlechthin von Batman ein, der bereits im ersten Teil angeteasert wurde: den Joker.

Was der Australier Heath Ledger mit seiner Rolle des Jokers angestellt hat ist einzigartig, erschreckend und tragisch zugleich. Er verlieh dem Begriff des Method Acting eine ganz neue Bedeutung. Sein einhergehender Tod erschüttert bis heute und wirft einen traurigen Schatten über Nolans Meisterwerk.

Anarchie trifft auf absolute Ordnung. Chaos auf Überwachung. „The Dark Knight“ ist nicht nur ein triumphaler Actionreißer, sondern ein spannender, höchst psychologischer Thriller, der das Genre des Comics so subtil nutzt, dass Nolans Werk trotz typischer Hollywood-Blockbuster Unterhaltung immens fesselnd ist.

Es ist ruhiger in Gotham geworden. Batman und Lieutenant Gordan haben das Verbrechen unter eine Gewisse Kontrolle gebracht und wollen nun mit Hilfe des aufstrebenden Anwalts Harvey Dent endgültig Frieden und Ordnung etablieren. Im Untergrund von Gotham breitet sich allerdings ein neuer unbekannter Gegner aus: der Joker. Der geschminkte Psychopath verwandelt Gotham nach und nach ins Chaos und stellt Batman dabei vor essentielle Fragen der Moral…

Nolan vereint in seinem zweiten Teil der „Dark Knight“-Trilogie erneut den großartigen Cast seines Vorgängers. Lediglich die Rolle der Rachel wurde mit Maggie Gyllenhaal  neu besetzt, sodass diese Figur deutlich aufgewertet wird. Lag der Fokus in „Batman Begins“ noch auf der Entstehung des Mythos Batman, lässt Nolan nun seine zwei stärksten Protagonisten aus dem Käfig und setzt voll auf den Kampf Gut gegen Böse.

Christian Bale, fit wie eh und je, trägt jetzt öfter seinen Anzug und muss als dunkler Ritter vollen Körpereinsatz zeigen. Er sieht sich nun allerdings häufigeren Selbstzweifeln gegenüber, denn um den Joker zu stoppen muss auch er von seinem moralischen Denken abweichen. Seinem Gegner ist er körperlich überlegen, jedoch ist der Joker ein Psychopath, ein Anarchist, der völlig abseits jeglicher Hemmungen lebt.

Und diesem Joker verdanken wir Heath Ledger, der, wie ein wildgewordenes Monster, aufspielt und dabei eindrucksvoll beweist, was es heißt in einer Rolle vollkommen aufzugehen. Der Joker ist hier kein verspielter Clown, so wie er bereits früher dargestellt wurde, sondern eine Naturgewalt, der der eigene Tod nichts ausmacht.

„The Dark Knight“ präsentiert kein klares Bild von Gut und Böse, sondern vermischt, umso weiter Batman gegen den Joker vorgeht, diese Grenzen. So wird das vermeintlich Böse greifbarer und der Held entglorifiziert: ein dunkler Ritter.

Nolan kurbelt Tempo, Optik und Brachialität an und liefert so auf der Leinwand ein Meisterwerk ab. Hans Zimmers Musik entfesselt sich zu einem wahrhaften Gänsehautgaranten und setzt an Wucht noch eine Schüppe zum Vorgänger drauf. Für die Lockerungen im Film sorgen weiterhin Altmeister Michael Caine als Butler Alfred, sowie Morgan Freeman.

Das einzige, was dem Film anzukreiden ist, ist die Entwicklung einer später im Film aufkommenden Figur: Two Face. Bis zu deren Einführung verläuft „The Dark Knight“ in einem Guss. Anschließend wirkt das Geschehen um diese Figur ein wenig gedrängt. Etwas besseres Pacing hätte das ohne Frage bestehende Meisterwerk noch runder gemacht.

Spannend, nervenaufreißend, intelligent geschrieben, eindrückliche Figuren, Nolan liefert einen perfekten Actionfilm und die beste Comicverfilmung aller Zeiten. „Weil er der Held ist den Gotham verdient, aber nicht der den es gerade braucht, also jagen wir ihn, weil er es ertragen kann, denn er ist kein Held, er ist ein stiller Wächter, ein wachsamer Beschützer, ein dunkler Ritter.“

10/10

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