Sleepy Hollow

Wenn die Tage kürzer werden und die Nächte dunkler, steigt auch die Sehnsucht sich selbst mehr zu fürchten- Grusel-und Horrorfilme geraten zunehmend in den Blickwinkel, um der schaurigen Jahreszeit das i-Tüpfelchen aufzusetzen.

Wer es düster, morbide, aber auch ästhetisch mag, kommt nicht umher einen Blick auf die Filmografie von Tim Burton zu werfen. Seine Werke stehen sinnbildlich für die Zeit um Halloween herum, die eine ganz eigene Atmosphäre bietet.

Burton hat ein Faible für die Welt zwischen Leben und Tod.  Beispielhaft sind hier „Nightmare Before Christmas“, bei dem er als Produzent tätig war, „Beetlejuice“ oder eben „Sleepy Hollow“ zu nennen. Burtons Ausflug in das Reich der Legenden erwies sich 1999 als ein blutiger, schauriger Ritt, dem es im Vergleich zu anderen seiner Filme aber an Subtilität und einer gewissen Eigenständigkeit fehlt.

New York 1799: Der wissbegierige und überaus rational denkende Polizist Ichabod Crane ist seinen Vorgesetzten in seinem Vorgehen zum Aufklären von Mordfällen ein Dorn im Auge, sodass er in das weit abgelegene Dörfchen Sleepy Hollow versetzt wird. Dort soll er sich um eine Reihe von Todesfällen kümmern bei denen auf mysteriöse Weise stets der Kopf entfernt wurde. Cane sieht sich schnell einem inneren Kampf zwischen Glaube und Wissenschaft ausgeliefert, denn in Sleepy Hollow macht man für die Morde einen hessischen, kopflosen Reiter verantwortlich…

Tim Burton vereint in seinem „Sleepy Hollow“ wunderbar eine spannende Crime-Geschichte mit übernatürlicher Horrorlegendenstory, die darüber hinaus besonders im Showdown noch gut inszenierte Actionfrequenzen bietet.

„Sleepy Hollow“ ist in dunklen, nebligen Tönen gehalten, die nur durch die Farbe Rot stellenweise durchbrochen werden. Settings und Ausstattung bieten einen typischen Burton. Gerade der düstere Wald, der Sleepy Hollow umgibt, ist ein wahrer Augenschmaus. Dichtes Gehölz durch das kein Lichtstrahl zeigt und eine toten Stille-dunkel und schaurig. Die Bildsprache ist herausragend.

Zur Stammbesetzung von Tim Burton zählend sehen wir auch in „Sleepy Hollow“ einen noch sehr jungen Johnny Depp, der den Constable Ichabod Crane spielt. Bei der Suche nach dem Mörder in Sleepy Hollow muss er seine eigenen Prinzipien möglicherweise beiseitelegen, doch die Geister seiner Vergangenheit quälen ihn, sind aber vielleicht sogar der Schlüssel. Depp verkörpert Crane als keinen klassischen Helden, er muss in diese Rolle erst hineinwachsen. Mut und Kampfesgeist beweisen zunächst andere. Begleitet wird sein Schauspiel durchgehend mit einer gut proportionierten Prise schwarzen Humor-der auch den gesamten Film durchtränkt.

Christina Ricci als junge Tochter der reichen Familie van Tassel in Sleepy Hollow wirkt in ihrem Agieren etwas hölzern und sprunghaft in ihren Entscheidungen. In ihrer Beziehung zu Crane weist das Drehbuch Schwächen auf.

Michael Gambon, den die meisten als Dumbledore aus den „Harry Potter“-Filmen kennen werden, sowie Christopher Walken vervollständigen einen recht prominenten Cast. Auch der leider bereits verstorbene Christopher Lee ist in einer kleinen Rolle zu sehen.

„Sleepy Hollow“ ist neben „Sweeney Todd“ der blutigste und brutalste Burton-Film. Dabei verliert er aber nie eine gewisse Comichaftigkeit, was die Grausamkeit stets etwas mildert.

Optisch und musikalisch passt vieles bis alles. Auch die Suche nach dem wahren Mörder liefert einige spannende Wendungen, dennoch wirkt „Sleepy Hollow“ im Vergleich zu anderen Filmen von Tim Burton etwas uninspirierter, obwohl er vom Design typischer gar nicht sein könnte.

Klassische Motive wie die Todessehnsucht, eine innere Zerrissenheit oder Habgier werden nicht so subtil verarbeitet, dass eine konstruktive Dramaturgie entstehen kann. Burtons Spagat zwischen Leben und Tod gelingt nicht vollends, seine Figuren machen und tun, sie weinen und sterben, aber Antrieb und Wirkung bleiben oberflächlich.

„Sleepy Hollow“ ist ein morbides Schauermärchen, was auch circa 20 Jahre nach seiner Erscheinung nichts an seiner brillanten Bildsprache und Ausstattung verloren hat. Die Legende um den kopflosen Reiter ist spannend und düster, die Humorspitzen sitzen und die Köpfe rollen zu genüge. Dramaturgische Schwächen mildern das Seherlebnis etwas ab. Ein klassischer Halloween- und Burton-Film.

7,5/10

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