Spricht man über den deutschen Film dann denkt man sofort an Krimis, ernste Familienfilme oder die Aufarbeitung der deutschen Nachkriegsgeschichte. Immer wieder streuen sich dann auch noch Komödien mit vermeintlicher Starbesetzung ein, die im Endeffekt häufig nicht mehr sind als ein blödsinniger Klamauk, der im schlimmsten Fall auch noch eine oberlehrerhafte Moralpredigt im Schlussakkord innehat.
Ja, der deutsche Film hat es schon nicht leicht. Doch es gibt auch immer mal positive Überraschungen, wie zum Beispiel „Toni Erdmann“, „Der Untergang“ oder „Who am I“. Letzterer hat sich besonders an einigen Hollywood-Klassikern orientiert, damit einen Nerv getroffen und war zudem dann doch sehr frisch inszeniert.
Darum soll es in dieser Kritik jedoch nicht gehen. Ein Beispiel nehmen ist allerdings das richtige Stichwort, da Anfang der 2000er eine ganze Welle von deutschen Teenie-Komödien über die Bildschirme geflackert sind, die allesamt versucht haben auf der Welle mit zu schwimmen, die damals „American Pie“ in den USA losgelöst hat. Herausgekommen sind dann so Werke wie „Harte Jungs“ oder „Mädchen, Mädchen“, die in keiner Weise an das charmante Original herangekommen sind.
Auch „Schule“ aus dem Jahr 2000 lässt sich hier aufzählen, da Parallelen zu amerikanischen Vorbildern nicht von der Hand zu weisen sind, doch hinter dem Werk von Marco Petry steckt viel mehr als in den vorhin genannten Filmen.
Thematisiert werden hier die letzten Schultage der Clique um Markus (Schnubbi) herum, die mitten im Abistress steckt. Kurz bevor alle vermeintlich getrennte Wege gehen und das Kaff Kerkweiler verlassen, um zu studieren oder einfach die weite Welt kennenzulernen, beschließen die Freunde noch einmal wie in alten Zeiten Party zu machen und einen Tag am See zu verbringen.
Na gut, auch „Schule“ arbeitet sicherlich mit vielen Klischees, die jeder von uns nur zu gut kennt und auch die Clique besteht aus ganz stereotypischen Charakteren. Wir haben den Kiffer, den Dicken, den Streber, die Schlampe, den Frauenheld und den Türken. Erinnern wir uns an unsere Schulzeit jedoch einmal zurück, hatte doch wahrscheinlich jeder von uns mindestens einen dieser Charaktere in seiner Klasse oder Stufe.
„Schule“ ist sicherlich kein innovativer oder höchst anspruchsvoller Film. Er schafft es aber auf unerklärliche Weise ein Gefühl einzufangen, das kein anderer Film so schafft, der diese Thematik aufweist. Das Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit, aber gleichzeitig auch eine gewisse Melancholie. Es sind eben diese besonderen letzten Tage und Wochen der Schulzeit. Gleichzeitige Freude über das Erreichte und Besorgnis über das Ungewisse, was nun folgen wird.
Angeführt wird der Cast von einem damals noch eher unbekannten Daniel Brühl, der mittlerweile eine internationale Karriere hingelegt hat. Axel Stein, der Anfang der 2000er noch für eine andere Art von Humor stand, Bettina Zimmermann und Jasmin Schwiers, die man heute vor allem aus der Krimilandschaft kennt, sind die bekanntesten Namen aus einem durchweg sympathischen Cast.
Untermalt mit treibender, rockiger Musik wird der perfekte Sommertag der Jugendlichen skizziert, die allesamt eigene Probleme, Ängste und Wünsche haben, sich aber noch einmal zusammentreffen wollen bevor man sich aus den Augen verliert. Besonders, wenn man schon einige Jahre aus der Schule heraus ist, schaut man auf „Schule“ mit einem anderen Blick.
Da „Schule“ durchaus auch ernstere Töne an den Tag legt, besonders am Ende, wird ihm vorgeworfen, dass er für eine Komödie zu wenig witzig wäre und für ein Drama nicht ernst genug. Doch gerade diese Mischung macht „Schule“ aus.
Erinnern wir uns an unsere Schulzeit zurück und hier im Besonderen an die Abschiedszeit, so war diese doch geprägt von Partys und der Leichtigkeit im Leben nur der Schule verpflichtet zu sein. Die Zukunft war etwas, was passiert, worüber man sich aber nicht viele Gedanken gemacht hat. Als dann alles vorbei war, endete ein Lebensabschnitt und möglichweise machte sich auch etwas Schwermut breit. Die Beschreibung dieser Zeit, die auch der Film vornimmt, ist sicherlich nur eine Wahrnehmung, aber zumindest irgendwo wird sich da jeder wiederfinden. Ein zu nostalgischer Blick kann diese Wahrnehmung natülich trügen und Dinge glorifizieren. Wenn ich triste, kalte Werke sehen möchte, bietet der deutsche Film glücklicherweise reichlich Alternativen.
„Schule“ ist kein Film zum todbrüllen und die Art wie wir Humor verstehen hat sich in den letzten 20 Jahren auch deutlich verändert. Nichtsdestotrotz ist Petrys Werk eine sympathische und liebevolle Hommage an eine ganz besondere Zeit in unserem Leben.
6,5/10
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