Blade Runner 2049

Lange Zeit als Flop geltend, entwickelte sich „Blade Runner“ von Ridley Scott aus dem Jahre 1982 im Laufe der Jahre mehr und mehr zum Kultfilm einer ganzen Generation und für nicht wenige zum Inbegriff  eines modernen Sciencefiction-Klassikers.

Die Eröffnung des sogenannten Cyberpunks für eine breite Masse, die philosophische Auseinandersetzung mit der Beziehung Mensch/künstliche Intelligenz und eine imposante Visualität, die bis heute nichts an ihrer Kraft verloren hat, all das vereinte Ridley Scott so gekonnt, dass sein Mut viele nachfolgende Werke inspirierte. Bis heute gilt „Blade Runner“ als einer seiner besten Filme und das zu Recht! Gerade weil „Blade Runner“ eine so starke Fanszene besitzt, wurde die Arbeit an einer Fortsetzung nur mit äußerster Vorsicht genossen und auch Scott packte sein „Baby“ lange nicht an.

Durch große Erfolge, sowohl im Action-, als auch im Sciencefiction-Genre, wurde schließlich der Kanadier Denis Villeneuve auserkoren die Fortsetzung zu verfilmen. Scott war diesmal als Produzent tätig und arbeitete des Weiteren auch an der Story mit. Herausgekommen ist „Blade Runner 2049“, der alles richtig macht, was eine Fortsetzung nur richtig machen kann, sodass eine Tonalität getroffen wird, die genau dem Geist des Originals entspricht.

Los Angeles 2049: In einer zukünftigen Dystopie ohne Sonnenlicht und Tiere leben die Menschen in den verregneten Gassen einer kalten, hochtechnisierten Welt. Vor 30 Jahren wurden sogenannte Replikanten; künstliche Menschen, die äußerlich nicht von echten Menschen zu unterscheiden sind, ihnen aber in physischer und psychischer Form überlegen sind; versklavt und für die Kolonisierung neuer Planeten genutzt. Nach der Rebellion einiger Replikanten wurde die Produktion dieser alten Modelle gestoppt. Mittlerweile gibt es den neuen Typen Nexus-9, der nun eine begrenzte Lebensdauer besitzt und gegenüber seinem „Besitzer“ friedlich gestimmt ist. Um alte, im Untergrund lebende Replikanten aufzuspüren und zu beseitigen, gibt es immer noch die Blade Runner. Bei einem scheinbar routinemäßigen Job macht der Blade Runner Officer K, selbst ein Replikant, eine tiefgreifende Entdeckung: eine Replikantin hat augenscheinlich ein Baby gebärt…

Regisseur Denis Villeneuve hat mit „Blade Runner 2049“ ein weiteres Meisterwerk in seiner Vita verbucht. Von Optik, über Sound, über Cast, über Story nahezu alles passt.

Technisch und visuell ist die Fortsetzung des Klassikers aus den 80ern eine wahre Wucht. Wenn Officer K mit seinem fliegenden Auto durch das dystopische L.A. fliegt hat das nochmal eine ganz andere Strahlkraft als Harrison Ford im ersten Teil. Hier sieht man, was heutzutage mit einer fein abgestimmten Mischung aus visuellen und praktischen Effekten möglich ist. Die mit einer eindrucksvollen Kameraarbeit eingefangene Welt wirkt so heruntergekommen, wahnsinnig, abgefuckt und doch so passend, wenn man sich Teil 1 vor Augen führt, dass man einfach merkt wie viel Arbeit und Herzblut hierhinter steckt.

Hans Zimmer vollendet mit seiner dröhnenden, teilweise bombastischen, teilweise sehr elektrisch gehaltenen Musik das Seherlebnis. Man fühlt sich direkt in diese Welt eingesogen, die damals Ridley Scott erschaffen hat und Villeneuve nun perfekt fortsetzt.

Frauenschwarm Ryan Gosling, der mittlerweile auch in der obersten Riege Hollywoods angekommen ist, spielt den Replikanten Officer K. Gosling geht seine Rolle ruhig an. Ständig hat er diesen verträumten, nachdenklichen Blick. Auch, wenn Gosling eine künstliche Figur spielt, wirken seine Emotionen echt. Man kann sich mit den Sorgen und Gedanken des Protagonisten identifizieren. War es im ersten Teil noch Harrison Ford, der sich in eine Replikantin verliebte und deren Beziehung viel Raum einnahm, geht es jetzt um den Protagonisten selbst. Seine Fragen nach Herkunft, Träumen und Liebe rücken in den Fokus. Altmeister Ford ist glücklicherweise ebenso ein Teil der Fortsetzung. Im letzten Drittel bekommt er seine verdiente Screentime und weiß als Vorgänger von Gosling routiniert zu glänzen. Das Aufeinandertreffen des neuen und alten Blade Runners ist ein großes Highlight im Film.

Ebenso wie „Blade Runner“ ist auch „Blade Runner 2049“ kein reines Actionspektakel. Diese Frequenzen werden wohl dosiert, dann aber mit entsprechender Kraft eingebracht. Daran lässt sich schon ableiten, dass die Geschichte langsam und bedacht vorangetrieben wird. Villeneuve lässt sich beim Erzählen seiner Fortsetzung Zeit und oft nur die Bilder sprechen. Dies ist äußerst intensiv, wird für den ein oder anderen aber möglicherweise abschreckend sein; „Blade Runner 2049“ ist eben nicht unbedingt ein typischer Mainstream-Blockbuster.

Eine komplexe Story, brillante Schauspieler und eine unfassbare Visualität umschlingen die Frage über Menschlichkeit, Würde und Ethik. Letztendlich muss man konstatieren, dass Villeneuve eine der besten Fortsetzungen neben so Meisterwerken wie „Der Pate 2“ oder „Terminator 2“ geschaffen hat und dies ist als Aussage schon Lob genug. Wirft man dennoch einen kritischen Blick auf „Blade Runner 2049“ kann man nicht darüber hinwegsehen, dass so stark die Handlung im Kern auch ist, die dargestellten Themen und aufkommenden Fragen mittlerweile keine ausgeklügelte Innovation mehr darstellen. Vielleicht ist er deshalb philosophisch nicht ganz so bahnbrechend wie sein Vorgänger. Nichtsdestotrotz ist „Blade Runner 2049“ nicht nur für Fans des ersten Teils und Liebhaber der Cyberpunk-Szene ein must-see. Die Vorfreude auf Villeneuves nächsten Film „Dune“ steigt somit aufs unermessliche.

9/10

5 Antworten auf „Blade Runner 2049

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