Horror-und Zombieexperte George A. Romero schuf besonders mit seinen ersten beiden Zombiefilmen „Die Nacht der lebenden Toten“ und „Zombie“ zwei absolute Kultfilme, die einen regelrechten Hype in diesem Genre auslösten. Mittlerweile sind die menschenfressenden Untoten in unsere Popkultur stark verankert und flimmern sowohl in Serien-oder in Filmformat regelmäßig über unsere Bildschirme.
Dabei kommt, bedingt natürlich auch durch die große Masse an Produktionen, teilweise viel Trash bei rum, manchmal erscheinen aber auch in diesem Genre einige Perlen, die einen genaueren Blick würdig sind. Gerade im südkoreanischen Raum konnten so Werke wie „Train to Busan“ zuletzt stark überzeugen.
Zu Beginn der 60er und 70er Jahre wurden die lebenden Toten häufig in einem gesellschaftskritischen Kontext dargestellt und waren darüber hinaus viele Jahre eine sich langsam fortbewegende Horde, die zwar sehr bedrohlich war, doch gerade aus heutiger Sicht scheint der Kampf gegen solche Gegner aussichtsreicher als in den aktuellen Phasen des Genres.
Das dachte man sich dann auch Anfang der 2000er, wo Danny Boyle und Zack Zynder mit ihren beiden Werken „28 Days Later“ und „Dawn of the Dead“ das Genre neu ausrichteten und dabei den Fokus auf ein realistischeres Setting setzten, indem die Zombie nun als schnelle, fast schon tollwutinfizierte Kreaturen darstellt wurden.
„Dawn of the Dead“ stellt hierbei ein relativ loses Remake des Klassikers „Zombie“ von George A. Romero dar und weiß mit seinem Tempo, Setting und Schauspiel durchaus zu überzeugen.
Die Krankenschwester Ana verbringt nach einem harten Arbeitstag im Krankenhaus einen entspannten Abend mit ihrem Freund. Was sie dabei nicht weiß ist, dass dies der letzte Abend dieser Art sein wird, denn am nächsten Morgen erwacht Ana in einer alptraumhaften Zombie-Apokalypse. Auf der Flucht vor der mordenden Horde schließt sie sich einer Gruppe Überlebender an, die als Zufluchtsort das städtische Einkaufszentrum aufsucht…
„Dawn of the Dead“ verschwendet in seinen knapp 100 Minuten keine Zeit und startet furios und ohne Kompromisse. Erst, wenn die Gruppe sich im Kaufhaus auslebt, werden ruhigere Momente eingestreut, ansonsten inszeniert Zynder Schlag auf Schlag, was besonders aus der Retroperspektive sehr erfrischend erscheint. Zombie-Kinder und Babys- es wird kein Blatt vor dem Mund genommen und die Gore-Szenen sind blutig, brutal und dem Genre komplett gerecht.
Das enge Aufeinanderhocken verschiedenster Charaktere während einer Apokalypse schreit ja förmlich nach dem psychologischen Aufarbeiten einer solchen Konstruktion. Zynder ist hier weniger politisch als Romero, sondern skizziert zumeist klare Stereotypen, deren Handeln von Beginn an klar vorherzusehen ist, Ausnahme ist hier Wachmann CJ, welcher während der Handlung eine kleine Charakterentwicklung durchlebt.
Ana, gespielt von Sarah Polley, bleibt im gesamten Film die taffe Frau, die im Chaos die moralische Instanz widerspiegelt und mit der wir uns als Zuschauer am stärksten identifizieren können. Ihre Performance ist gelungen, sie trägt gut durch den Film und kann den männlichen Machos im Film ohne Zweifel die Stirn bieten.
Inszenatorisch arbeitet Zynder, wie seine Zombies, mit schnellen Schnitten und Kamerafahrten. Eine Parallele zu „28 Days Later“ ist nicht von der Hand zu weisen, dennoch ist „Dawn of the Dead“ im Vergleich weniger deprimierend und gruselig. „Dawn of the Dead“ ist eher eine wilde Zombie-Achterbahnfahrt mit vielen Klischees über die der Film sich aber immer stets bewusst ist; er versucht hier nicht mehr zu sein als er ist. Zynder beendet seinen Zombiefilm, so wie er ihn begonnen hat, alle Handlungsstränge werden konsequent zu Ende geführt, sodass sich das Ende „harmonisch“ eingliedert.
Rasant, blutig und laut. „Dawn of the Dead“ ist eine gelungene Genre-Huldigung ohne viel Schnick-Schnack. Wenn Hälse aufgebissen und Eingeweide herausgerissen werden, Kettensägen Körperteile durchtrennen, dann weiß man, man sitzt im richtigen Genre-Film. Zynder bietet ohne viel Subtilität ein feines Horrorszenario.
7/10
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