28 Years Later

Keine 28 Jahre, aber lange 18 Jahre mussten wir auf den dritten Teil der „28-Reihe“ warten. Lange sah es sogar so aus, als würde ein möglicher „28 Months Later“ nie das Licht der Kinosäle erblicken. Aus Monaten wurden Jahre und am Ende bekamen wir mit „28 Years Later“ den besten Horrorfilm des Jahres, einen der stärksten Vertreter seines Subgenres und zugleich einen der besten Filme 2025. Das Warten hat sich also in gleich dreifacher Hinsicht gelohnt.

Danny Boyle und Mastermind Alex Garland planten nämlich direkt eine komplette Trilogie. Teil 1 und Teil 2 wurden back to back gedreht und ein dritter Teil steht bereits in den Startlöchern, wenn auch abhängig vom Erfolg der ersten beiden Filme. Boyle führt bei Teil 1 und Teil 3 Regie, während Teil 2 von Nia DaCosta inszeniert wurde und schon im Januar 2026 in die Kinos kommen wird.

28 Jahre nach dem Ausbruch des Wut-Virus in England ist nur wenig vom alten Leben übrig. Eine Gruppe Überlebender hat sich auf eine Gezeiteninsel zurückgezogen und dort einen Weg gefunden, inmitten des Chaos zumindest einen Teil gesellschaftlichen Lebens zurückzuerlangen. Ausflüge aufs Festland sind streng reglementiert, um die Bewohner nicht zu gefährden. Für den jungen Spike steht nun sein erster gefährlicher Ausflug mit seinem Vater bevor – und damit sein erster Kontakt mit Infizierten.

Boots, boots, boots … Was hat uns dieser Trailer, der übrigens vollkommen verdient zum besten Trailer 2025 gewählt wurde, heiß gemacht auf einen echten Reißer. Manche mögen daher überrascht gewesen sein, denn im Kern ist „28 Years Later“ weit mehr: eine klassische Coming-of-Age-Geschichte und zugleich eine tiefgehende Mutter-Sohn-Erzählung, die uns tatsächlich die ein oder andere Träne entlockt. Wer hätte das gedacht?

Doch wer nun glaubt, der Film schlage zarte Töne an, irrt. Der Trailer hat nicht zu viel versprochen. Die hochintensiven Gewaltausbrüche – für die wir dieses Genre lieben – sind zwar dosiert, aber heftig. Und „28 Years Later“ wagt zusätzlich einen emotionalen Schritt, der auch für die kommenden Teile wichtig wird.

Boyle unterfüttert seine Szenerie mit dem rhythmischen, pulssteigernden Sound der schottischen Band „Young Fathers“ und schafft durch Montagebilder aus Filmen und Dokumentationen ein einzigartiges World-Building und ein visuelles Erlebnis, das so nur er kreieren kann.

Wenn die Action kommt, dann brachial – ganz so, wie wir es aus den vorherigen Teilen kennen. Besonders eine Verfolgungsjagd im Wald packt einen komplett.

Wie sieht die Welt 28 Jahre nach dem Zusammenbruch der Zivilgesellschaft aus? Wie entwickeln sich die Menschen im neuen Miteinander und wie die Infizierten? Hier liefert der Film clevere Ideen. Jede Krankheit mutiert und so entwickeln sich auch die Infizierten weiter. Es entstehen verschiedene „Gattungen“, die die Bedrohung noch unberechenbarer machen.

Während die Trailer-Kampagne den britischen Schauspieler Aaron Taylor-Johnson als möglichen Star des Films in den Vordergrund rückte, stiehlt ihm am Ende der jüngste Darsteller die Show: Nachwuchsschauspieler Alfie Williams spielt den jungen Spike herausragend. Die Zweifel eines 12-Jährigen, eine Pubertät in einer Gesellschaft, die gerade erst wieder funktionieren lernt, Leistungsdruck, Angst und die unerschütterliche Liebe zu seiner Mutter: Williams verkörpert all dies beeindruckend.

In weiteren Rollen glänzt Routinier Ralph Fiennes, der Einsamkeit, Liebe und einen Hauch von Wahnsinn meisterlich vereint. Jodie Comer überzeugt als Spikes kranke Mutter.

Im Schauspiel, im Sounddesign und im Storytelling ist „28 Years Later“ eine Wucht – eine der erfreulichsten Überraschungen 2025 und weit mehr als ein bloßer Genrevertreter. Nun bleibt abzuwarten, ob die Qualität in den kommenden Teilen gehalten werden kann.

8,5/10

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