Train Dreams

Lieber „Train Dreams“,

viel hatte ich im Vorfeld von dir gehört: wie schön du sein sollst, welche Anmut und Strahlkraft du besitzt. Einer der besten Filme 2025 – und dann auch noch auf Netflix. Es war ein Mittwochabend, ich hatte Zeit gefunden, dich endlich zu sehen.

Unbekümmert habe ich gestartet. In den ersten zwanzig Minuten dachte ich noch: Wie atemberaubend sind deine Bilder. Doch zugleich wirkest du wie ein Terrence-Malick-Film – poetisch, mit einem Erzähler aus dem Off, großen Naturaufnahmen, beinahe meditativ. Fast schon langatmig. Eine wunderbare Naturdokumentation, dachte ich. Aber wo ist dein Kern?

Und dann – ich möchte spoilern: Was du in den darauffolgenden achtzig Minuten mit mir gemacht hast, ließ mich nicht mehr los. Du hast mich zum Weinen gebracht, hast an mir gezerrt und mich noch lange nach deinem Ende beschäftigt.

Ob ich dich ein zweites Mal sehen möchte? Ich weiß es nicht. Zu ergreifend warst du für mich, zu direkt hast du mich an einem Punkt getroffen, an dem ich es nicht für möglich gehalten hätte.

Die vermeintlich banale Geschichte eines Holzfällers – über sein Leben, seine Liebe, seinen Verlust, über die Gewalt der Natur und des Daseins – erzählt letztlich von Vergänglichkeit. Davon, dass jeder Moment gelebt werden muss. Davon, dass alles endlich ist.

Dein Hauptdarsteller möchte nichts sehnlicher, als seine Tochter aufwachsen zu sehen. Er möchte bei seiner geliebten Frau sein, in der Hütte, die sie gemeinsam errichtet haben. Doch immer wieder muss er fort, immer wieder seine schwere Arbeit fernab der Familie antreten. Aus Monaten werden Jahre. Das Leben zieht vorbei. Und immer wieder lernt Robert, dass das Leben in den kleinen Momenten stattfindet – in einzelnen Augenblicken. Dass gerade jene Momente, die banal wirken, pures Glück bedeuten können.

Während ich diese Zeilen schreibe, bin ich überzeugt: Du bist einer der besten Filme 2025. Gerade weil du mich so sehr überrascht hast. Ich weiß, man sollte dich nur sehen, wenn man Ruhe hat, wenn man bereit ist, sich auf dich einzulassen. Dann erst kannst du deine volle Kraft entfalten.

Joel Edgerton trägt so viel Leben in seinem Gesicht. Er spielt mit einer Hingabe, die seine Figur – so weit entfernt sie zeitlich auch sein mag – unglaublich nah und menschlich wirken lässt. Eine schauspielerische Wucht. Bilder, die mich überrollt haben. Und ein Kern, so ehrlich und menschlich, dass du mich tief beeindruckt hast.

Danke, dass es dich gibt.
Danke, dass ich dich sehen durfte.

9/10

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