Furiosa: A Mad Max Saga

Lasst unsere geliebten, eigentlich abgeschlossenen Franchises in Ruhe! Das hätte man George Miller wohl am liebsten Anfang der 2010er entgegengerufen, als klar wurde, dass ein vierter „Mad Max“ in die Kinos kommt. Und das dann auch noch ohne Mel Gibson. Wie kann er nur?!

Alle Kritiker und Skeptiker wurden jedoch eines Besseren belehrt. Mit dem vierten Teil „Mad Max: Fury Road“ schuf Miller nicht nur den besten Teil der Reihe, sondern gleich auch einen der besten Actionfilme aller Zeiten. Zwei Stunden pures Adrenalin in der australischen Wüste. Story? Interessiert nicht wirklich. Hier fliegen uns Motorräder, Autos und Kugeln um die Ohren, bis wir selbst den Verstand verlieren. Eine imposante Auferstehung des klassischen Actionkinos: handgemacht, brachial, konsequent.

Bevor Miller jedoch das Drehbuch zu seiner vierten Wüsten-Achterbahn schrieb, hatte er bereits eine andere Idee im Kopf: einen Solofilm für die Figur Furiosa, ganz ohne Max.

Neben dem coolen Tom Hardy war es vor allem Charlize Theron in „Fury Road“, die als Furiosa zur gefeierten Action-Ikone wurde und Max fast die Schau stahl. Für den Solofilm stand Theron leider nicht zur Verfügung. Besetzt wurde sie durch die hochbegabte Anya Taylor-Joy.

In dem durch Kriege und Katastrophen zerstörten Ödland lebt die junge Furiosa an einem der wenigen fruchtbaren Orte mit einer Gemeinschaft von Frauen. Nachdem sie aus diesem Paradies von Mitgliedern des Clans um den mächtigen Dementus entführt wird, beginnt ihre Odyssee zwischen den Machtspielen des aus „Fury Road“ bekannten Immortan Joe, Dementus sowie den Ressourcen Blut, Öl und Wasser.

Gab es in „Fury Road“ nur das Gaspedal, konzentriert sich „Furiosa“ deutlich stärker auf seine Hauptfigur und erzählt ihre Leidensgeschichte in fünf Kapiteln. Mit knapp 150 Minuten ist der Film zudem fast 30 Minuten länger als sein Vorgänger und das merkt man. Es macht unglaublich viel Spaß, erneut in diese Welt einzutauchen, bekannte Figuren wiederzusehen oder neue durchgedrehte Charaktere kennenzulernen. Das täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass storytechnisch nicht allzu viel passiert und „Furiosa“ deutlich langatmiger ist. Während der adrenalintreibende Soundtrack von Junkie XL erhalten bleibt, lässt es Miller in seinem fünften Film im „Mad Max“-Universum insgesamt ruhiger angehen, was nicht immer gut funktioniert.

Die Actionszenen machen dennoch Spaß und haben wieder viele abgedrehte Ideen. Leider gibt es auch hier ein großes Aber. Während man in „Fury Road“ die handgemachte Action in fast jedem Sandkorn gespürt hat, da nahezu alle Stunts „in camera“ gedreht wurden, stammt hier vieles sichtbar aus dem Computer. Das zerstört stellenweise die Immersion.

Dem gegenüber steht ein Cast, der sichtlich Spaß an seinen Rollen hat. Gerade Chris Hemsworth, den man hier bewusst ungewohnt und teilweise entstellt inszeniert hat, genießt es merklich, einmal etwas völlig anderes zu spielen und verleiht Dementus eine herrlich überdrehte, zugleich unberechenbare Präsenz.

Anya Taylor-Joy ist wie so oft eine Wucht und verleiht Furiosa viel Tiefe. Eine würdige Nachfolgerin von Charlize Theron. Fehlt uns Max dennoch? Ein Stück weit schon. Ganz kann er nicht kompensiert werden und Miller schien das ebenfalls bewusst zu sein, weshalb mit der Figur Jack ein gewisser Ersatz geschaffen wurde, der jedoch eher wie eine blasse Kopie wirkt.

Nachdem „Fury Road“ sechs Oscars gewann und auf Anhieb zu einem der besten Filme seines Genres wurde, waren die Erwartungen riesig. Am Ende steht eine kleine Enttäuschung, da nahezu alle Beteiligten des Vorgängers wieder an Bord waren und gerade in den Actionsequenzen etwas aus den Augen verloren wurde, was „Fury Road“ so besonders gemacht hat.

Unterm Strich macht es dennoch einen Heidenspaß, erneut in diese Welt einzutauchen. Stark aufspielende Schauspieler, ein erneut wilder Schnitt und ein pulstreibender Soundtrack machen „Furiosa“ zu einem wilden Ritt, der aber klar hinter seinem Vorgänger zurückbleibt.

7/10

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