Wann hat Ridley Scott eigentlich vergessen, wie man gute Filme macht? Ja, wir reden hier von dem Mann, der uns Meisterwerke wie „Alien“, „Gladiator“ oder „Blade Runner“ geschenkt hat. In den letzten Jahren schwankt er leider immer wieder zwischen Mittelmaß und Vollkatastrophe. Mit der Fortsetzung zu einem, wenn nicht dem besten Sandalenfilm überhaupt, hat er eigentlich schon vorab verloren. Keiner hat nach einer Fortsetzung verlangt und erste Drehbuchentwürfe Anfang der 2000er klangen bereits hanebüchen… Maximus kehrt von den Göttern gesandt auf die Erde zurück? Alles irgendwie Mist. 2024 bekamen wir dann (endlich) die Fortsetzung zu seinem Epos aus dem Jahr 2000.
Zur Story werde ich diesmal nicht viel schreiben, da es sich nahezu um den gleichen Plot wie in „Gladiator“ handelt. Man will uns denselben Film noch einmal verkaufen – nur in deutlich schlechter.
Der junge Lucius, angeblicher Sohn des legendären Feldherren Maximus aus Teil 1, gerät in Gefangenschaft und muss sich als Gladiator den Weg zurück in die Freiheit erkämpfen, für ein freies, geeintes Rom. Gähn. Statt eines Kaisers haben wir nun gleich zwei verrückte: Caracalla und Geta.
Beide werden von Fred Hechinger und Joseph Quinn gespielt. Ihre Performances sind solide drüber, spielen die Widersacher jedoch ohne wirkliche Grautöne, wie es noch Joaquin Phoenix im ersten Teil getan hat.
Den Sohn von Maximus verkörpert Paul Mescal. Und zugegeben, er macht seine Sache gut. Er hat Charisma, den Körper und versucht zumindest, seiner Rolle Tiefe zu geben. Ein würdiger Russell-Crowe-Nachfolger? Nein. Aber es ist in Ordnung.
Aus Teil 1 sind zudem Lucius’ Mutter, gespielt von Connie Nielsen, sowie Derek Jacobi als Senator Gracchus wieder dabei. Auch diese beiden schaffen es höchstens, Nostalgie zu versprühen. Und das ist ein guter Punkt: „Gladiator 2“ ist immer dann am besten, wenn er genau das tut. Wenn man die Arena wieder sieht, das pompöse Rom oder wenn das bekannte Theme aus dem Original einsetzt – das sind die wenigen echten Highlights.
Hans Zimmer ist diesmal nicht für den Score verantwortlich und die Musik wirkt größtenteils generisch – abgesehen vom altbekannten Theme, das immer mal wieder eingespielt wird.
Denzel Washington, so sehr man ihn auch mag, passt hier leider überhaupt nicht rein und soll als skrupelloser Sklavenhändler wohl Proximo ersetzen. Man merkt deutlich, dass hier einfach eine Schablone genutzt wird, um Altbekanntes in schwächerer Form zu wiederholen.
Sind denn wenigstens die Actionszenen gut? Jein. Choreografisch solide, sind die Effekte stellenweise grauenhaft – Stichwort Haie und Affen, was perfekt zur völligen Absurdität der Geschichte passt. Das Kolosseum wird mit Wasser gefüllt, riesige Schlachtschiffe kämpfen gegeneinander und dazu gibt es schlecht animierte Killerhaie. Wenn man nicht wüsste, dass man in „Gladiator 2“ sitzt, könnte man meinen, Dr. Evil hätte zu Gladiatorenkämpfen eingeladen.
Macht es denn wenigstens etwas Spaß? Ja, ein Stück weit schon. Die Rückkehr ins alte Rom und ins Kolosseum funktioniert einfach immer. Man wäre auch bereit, mehr zu verzeihen, wenn es sich hier nicht um die Fortsetzung eines der besten Filme aller Zeiten handeln würde.
Ein bemühter Cast und das ein oder andere nette Spektakel machen den Film erträglich. Doch die Längen, die schwachen Effekte und teilweise unverständliche Charakterentscheidungen sorgen dafür, dass diese Fortsetzung eine große Enttäuschung bleibt und zu den schwächeren Filmen in Scotts Filmografie zählt. Eine schlechte Kopie und wirklich ärgerlich.
5/10
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