Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Martin McDonagh, den Namen sollte man sich besser merken, denn nach seinen fantastischen Filmen („Brügge sehen…und sterben“ und „7 Psychos“) schuf er mit „Three Billboards“ sein nächstes außergewöhnliches Werk. Man kann nur hoffen, dass sich die Vita dieses Mannes stetig erweitert und bei dem Niveau der Filme verzeiht man ihm auch die längeren Auszeiten zwischen seinen Arbeiten.

Vor ca. einem Jahr wurde die Tochter von Mildred Hayes brutal vergewaltigt und ermordet. Die Polizei konnte den Fall bisher nicht aufdecken und legt ihn langsam aber sicher zu den Akten, doch da haben sie die Rechnung ohne Mildred gemacht, denn sie mietet sich drei Billboards und beschriftet diese mit klaren Botschaften an die untätige Polizei. Es beginnt eine Art Kleinkrieg im beschaulichen Ebbing.

„Three Billboards“ kommt daher wie ein moderner Western: Ein rechtschaffender Bürger stellt sich gegen die bösen Gesetzeshüter, doch es wäre zu leicht ihn auf eine Stufe mit klassischen John Wayne- Filmen zu stellen. Viel mehr ist er ein zeitentsprechender Italowestern.

Themen wie unter anderem Polizeigewalt, Rassismus und Sexismus greift McDonagh auf und verarbeitet sie in einer komplexen Geschichte mit skurrilen Figuren. Eine schwarz-weiß Malerei sucht man hier allerdings vergebens. Jede Figur ist derartig vielschichtig geschrieben, dass es ständig unvorhersehbare Wendungen gibt.

Getragen wird diese wunderbar erfrischende Geschichte von einer Wucht an schauspielerischer Stärke. Frances McDormand, Woody Harrelson, ja sogar Peter Dinklage ist in einer Nebenrolle vertreten. Die wohl besonderste Rolle übernimmt aber Sam Rockwell als rassistischer Polizist, der auf der einen Seite gerne unschuldige Bürger verprügelt und auf der anderen Seite ein richtiges Muttersöhnchen ist. Oscars für die beste Hauptrolle( McDormand als aufgewühlte und nach Gerechtigkeit suchende Mutter) und beste Nebenrolle( Sam Rockwell oder Woody Harrelson als Polizeichef) sind auf jeden Fall fällig!

Tragische Momente wechseln sich im perfekten Timing mit absolut irrwitzigen Situationen ab, sodass die knapp zwei Stunden Lauflänge wie im Flug vergehen. Untermalt mit bekannten Country-Klängen und Liedern kommt das ländliche Kleinstadtleben im Süden von Amerika so richtig rüber. Die Figuren aus dieser Region werden fein skizziert, aber niemals lächerlich gemacht.

Eine Jagd nach Gerechtigkeit, in der man sich möglicherweise sogar mit seinen Feinden zusammenschließen muss und keiner frei von Fehlern ist. Looser werden zu Helden. Hassfiguren zu Symphatieträgern. „Three Billboards“ ist einer dieser Filme, die völlig absurd und doch so aus dem Leben erzählt sind.

Wie bereits in seinen vorherigen Filmen ist auch der neuste Film von McDonagh gespickt mit bitter schwarzem Humor, der nicht jedem gefallen wird. An einigen Stellen geht es wirklich sehr derbe zu. Nicht nur ständig vulgäre Sprache ist an der Tagesordnung, sondern es wird auch mal voll draufgehalten, wenn ein Fingernagel durchbohrt wird.

Ein Film über Alltagshelden im Gewand eines modernen Italowesterns. Ja, dies ist außergewöhnlich, aber außergewöhnlich stark und mutig. Ein Film, der fürs Kino geschaffen wurde. Bärenstarke Darsteller, einer verrückte, aber lebensnahe und beeindruckende Geschichte und die Erkenntnis, dass es sich immer lohnt zu kämpfen, auch gegen alle Widrigkeiten.

9/10

 

3 Antworten auf „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

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  1. Ich finde den Film ebenfalls überragend. Also Neowestern kann man ihn auf jeden Fall bezeichnen, kannst du mir jedoch offen legen, welche Elemente eines Italowesterns dir aufgefallen sind? Da mir diese Analogie nicht ganz klar ist. LG TBC

    Ach ja, falls dich meine Meinung zu diesem unfassbar tollen Werk interessiert:
    theblogcinematic.wordpress.com/2018/01/26/three-billboards/

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    1. Ich denke man kann ihn gut mit dem Italoklassiker „Zwei glorreiche Halunken“ vergleichen. Von der Figurenkonstellation haben wir keine klassische schwarz-weiß-Malerei, was zu mehr Realismus führt, obwohl Figuren in ihrem Handeln teilweise überspitzt darsgestellt werden. Wir haben eine handvoll Antihelden, die im Endeffekt alle das selbe Ziel verfolgen. Auch einige schauspielerische Aktionen und Kameraeinstellungen hab mich an dieses Subgenre erinnert.

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