Die versunkene Stadt Z

Als Charlie Hunnam in seinem letzten Film aus dem Jahre 2017 („King Arthur: Legend of the Sword“) stylisch das Schwert schwingend gegen allerlei CGI-Wesen kämpfte und Guy Ritchie seine Version der Arthur-Saga mit poppigen Songs untermalte, hatte dies nicht mehr viel mit dem klassischen Ritter- bzw. Abenteurfilm zu tun. Im selben Kinojahr übernahm Hunnam allerdings eine weitere Rolle in einem historischen Film, der im Gegensatz zum Arthur-Werk nicht modern aufgebauscht wurde: „Die versunkene Stadt Z“.

Regisseur James Gray erzählt uns die wahre Geschichte des britischen Entdeckers Percy Fawcett, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Auftrag erhält nach Südamerika zu reisen, um dort die Grenzen zwischen den beiden Ländern Brasilien und Bolivien zu vermessen. Auf seiner Reise erfährt er von einer unentdeckten, uralten Stadt, die inmitten des südamerikanischen Dschungels liegen soll. Die Suche nach dieser geheimnisvollen Stätte beschäftigt ihn fortan sein ganzes Leben…

Grays Film beginnt nach einer kurzen Einführung direkt mit dem oben beschriebenen Auftrag und erzählt von da an die wichtigsten Kapitel aus dem Leben des Forschers Fawcett. Man könnte fast sagen, dass „Die versunkene Stadt Z“ aufgebaut ist wie eine Biographie, eine Biographie über einen Mann, der trotz aller Widrigkeiten seinen Traum und seine Vision einer mystischen, längst vergessenen Metropole nie aufgibt. Dementsprechend besitzt der 141 Minuten lange Film keine sich ganz stringent aufbauende Spannungskurve, in der sich das Gesehene im letzten Akt voll und ganz entlädt.

Viel mehr gibt es viele kleine Höhepunkte, sodass die Neugierde nach dem Mann und seinen Reisen kontinuierlich bestehen bleibt. Darunter zählen zum einen natürlich die Aufnahmen im Dschungel, wenn Fawcett und seine Crew auf Eingeborene treffen oder sich auf einem nie enden wollenden Fluss fortbewegen( erinnerte stark an „Apocalypse Now“). Aber auch die Sequenzen in Europa bieten ein großes Seherlebnis. Schlachten aus dem 1. Weltkrieg oder imposante Ballabende, Grays Abenteuerfilm weist einen großen Schauwert auf und fesselt einen die meiste Zeit.

Dies liegt auch an einem tollen Cast, der von Charlie Hunnam angeführt wird. Er spielt die Rolle des britischen Entdeckers unbesonnen und verleiht ihm viel Sympathie. Fawcett scheint sich seiner Sache stets sicher zu sein und bleibt auch in Ausnahmesituationen ruhig und sachlich. Hunnam ist für so eine Rolle genau der richtige Mann, da er ja auch bereits in der TV-Serie „Sons of Anarchy“ einen Anführer hervorragend verkörpern konnte. In weiteren Rollen glänzen Sienna Miller als emanzipierte Ehefrau oder Robert Pattinson als Fawcetts treuen Begleiter.

„Die versunkene Stadt Z“ ist ein traditioneller Film in seinem Genre, der nicht wie vergleichsweise andere Filme auf mehreren Ebenen agiert, sondern sich gänzlich auf das Wesentliche konzentriert. So besitzt er an der ein oder anderen Stelle doch Längen, die nicht auf die Lauflänge an sich zurückzuführen sind, sondern eher auf das Gezeigte. Man will mehr von diesem außergewöhnlichen Mann und seinem Leben sehen, jedoch wurde nicht immer die richtige Auswahl an dargestellten Bildern getroffen.

Dennoch ist James Gray ein erfrischender Film gelungen, da er sich auf alte Tugenden des Kinos beruft und diese teilweise brilliant auf die Leinwand zaubert. Es braucht nicht immer das große Spektakel. Einen richtig klassischen Abenteuerfilm gab es lange nicht mehr, hier haben wir einen. Die Filmemacher sollten den Mut haben solche Werke öfter zu realisieren, sich ein Beispiel an Gray und seiner Hauptfigur Percy Fawcett zu nehmen, wäre gar nicht verkehrt.

8/10

 

 

 

 

 

2 Antworten auf „Die versunkene Stadt Z

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  1. Ich wollte den Text erst nicht lesen, weil ich Angst vor Spoilern hatte und mein Kollege schon mehr als genug gespoilert hat 😉

    Du hast den Text aber so geschrieben, dass nicht zu viel verraten wird und man trotzdem Lust auf den Film bekommt. Ich muss ihn mir jetzt erndlich mal ansehen.

    Gefällt 1 Person

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