Nerve

2016 verfilmte das Regieduo Henry Joost und Ariel Schulman den Roman „Nerve-das Spiel ist aus, wenn wir es sagen“. Mit ihrem Film taten die beiden das, was Jeanne Ryan bereits mit ihrem Buch schaffte, uns den Spiegel vorhalten, denn die Thematik in „Nerve“ könnte nicht aktueller sein. Wir befinden uns in einer Zeit in der Influencer, Youtuber und Vlogger wie Götter verehrt werden und ganze Menschenmassen beeinflussen. Unser soziales Leben spielt sich mehr und mehr online ab, ob wir wollen oder nicht. Der Trend ist kaum zu stoppen.

Vee ist ein eher zurückhaltendes Mädchen, welches zur Highschool geht, wo sich gerade ein neuer Trend breitmacht: Das Online-Game „Nerve“. Hierbei müssen die sogenannten Player peinliche und teilweise gefährliche Aufgaben erledigen, um eine Stufe höher zu steigen. Von Stufe zu Stufe werden die Aufgaben halsbrecherischer und umso mehr Viewer man erhählt, desto mehr Geld bekommt man. Als Vee mit dem Spiel in Kontakt kommt, gerät sie in einen Strudel, der kaum mehr aufzuhalten ist…

Das Ganze erinnert dann doch im weitesten Sinne an das ebenfalls 2016 erschiene Game „Pokemon Go“, wo die Menschen wie Maschinen durch die Straßen gelaufen sind und ihre reale Umgebung teilweise gar nicht mehr wahrgenommen haben. Natürlich ist das Szenario in „Nerve“ deutlich extremer dargestellt, aber man sieht das Parallelen durchaus heutzutage schon wiederzufinden sind, nicht nur in Bezug auf „Pokemon Go“.

Wie es sich für einen Thriller, der sich mit Hightech und modernen Medien beschäftigt, gehört ist „Nerve“ in einem überaus rasantem Tempo erzählt und lässt keine Spur von Langeweile aufkommen. Wir haschen mit den Protagonisten von Station zu Station und sind dank einer beeindruckenden Kameraarbeit stets hautnah dabei, wenn sich Player auf Bahngleise legen und hoffen, dass der Zug sie nicht erwischt oder sich an ein Gerüst in einer Höhe von 100 m hängen. Fingernägelkauen ist aufgrund dieser feinen Kameraeinstellungen vorprogrammiert.

Emma Roberts und Dave Franco geben ein tolles Paar auf der Leinwand ab und  führen uns in den 96 Minuten perfekt durch den Film, da man sie schnell ins Herz schließt. Allerdings ist „Nerve“ am Ende nicht konsequent genug. Er zeigt uns in den ersten 2/3 des Films wunderbar die Gefahren von social-media und wie Menschen in der Anonymität des Internets alle Normen ablegen können.

Leider ist das Ende fast schon zu harmlos geworden und verliert sich darüber hinaus in einige konfuse Bahnen, die der Film schlussendlich gar nicht nötig gehabt hätte. Trotzdem ist „Nerve“ für mich eine kleine Überraschung geworden und keinesweg ein billiger Coming of Age Abklatsch. Pfeilschnelles Tempo, gute Darsteller und eine aktuelle Thematik werden zum Teil in krassen Bildern vereint und lassen uns als Zuschauer diskussionsreich zurück.

7/10

7 Antworten auf „Nerve

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  1. Den Film hatte ich damals im Kino gesehen und war weniger angetan 😉
    Dave Franco fand ich furchtbar und die Handlung, trotz der sehr spannenden Idee, zu sehr auf ein jugendliches Publikum ausfgelegt. Zumindest kam mir das während der Sichtung so vor.
    Stylisch ist der Film jedoch top!

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    1. Auf ein jüngeres Publikum, ja, aber empfand ich gar nicht als negativ; kann ja auch mal ganz erfrischend sein 😀
      Für kurzweilige Unterhaltung mit einer guten Thematik wird zumindest gesorgt.

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      1. Den mag ich auch nicht sonderlich. Außerdem wäre er hier auch zu alt. 😂

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