Wir leben in der Zeit der Superheldenfilme. Jahr für Jahr wird uns eine Flut von Marvel und DC Verfilmungen geboten und ein Ende scheint durch den finanziellen Erfolg dieser Blockbuster nicht in Sicht zu sein. Eine Reihe, die vor 18 Jahren diese Welle an Comicverfilmungen loslöste, war die X-Men Reihe. Diese erhielt durch die Wolverine-Filme bereits zwei Prequel. „Logan“ stellt den dritten und letzten Solofilm des titelgebenden Superhelden dar.
Logan alias Wolverine ist in die Jahre gekommen. Seine Kraft eigene Verletzungen zu heilen schwindet und das Adamantium, was ihm damals seine Stärke verliehen hat, scheint ihn nach und nach zu vergiften. So führt er mittlerweile ein Leben als Chauffeur und betrinkt seinen Kummer mit Alkohol. Auch Professor Charles Xavier lebt zurückgezogen und ist durch eine neurodegenerative Krankheit sehr eingeschränkt. Als die junge Mutantin Laura auftaucht und diese von der Firma Alkali-Transigen gejagt wird, sind Logan und Professor-X ihre einzige Hoffnung…
Zugegeben, bin ich wahrlich kein Marvelfan und mich nervt diese Masse an CGI überladenen Comicverfilmungen, die immer nach Schema- F ablaufen und kaum was Neues zu bieten haben. Da ich von „Logan“ vorab schon viel Gutes gehört hatte und Trailer einen anderen Film als üblich versprachen, hatte ich schon einige Erwartungen an ihn und tatsächlich haben sie sich fast vollständig erfüllt. „Logan“ ist ein mitreißender, brutaler Abgesang einer gebrochenen Figur und indirekt eine gnadenlose Abrechnung mit vielen anderen Comicblockbustern.
Alleine das Drehbuch ist eine willkommene Abwechslung. Wir haben keine übernatürliche Macht aus dem All, welche ganze Städte zerstört, sondern einen viel ruhigeren Film, der aber in den richtigen Momenten explodiert.
„Logan“ ist ein Roadmovie, ein Spätwestern, der viel mehr Eigenschaften dieses Genres vereint, als die eines Superheldenfilms. Wenn sich das Dreiergespann, bestehend aus den in die Jahre gekommenen Logan und Professor- X und der jungen Mutantin Laura, auf die Reise macht, ist das eine Dynamik, der man sich kaum entziehen kann.
Die beiden alten Männer auf der einen Seite, die nichts zu verlieren haben und mit ihrem Leben mehr oder weniger abgeschlossen haben und sich als letzte Aufgabe ausgemacht haben das junge Mädchen zu beschützen, welches auf der anderen Seite den beiden Männern in ihren letzten Lebensstunden noch einen Sinn im Leben zeigt.
Paradoxerweise wirkt Laura, super gespielt von Dafne Keen und von der wir in Zukunft mit Sicherheit noch mehr hören werden, bis ins letzte Drittel des Films sehr kühl und diesen eiskalten Killerblick legt sie im gesamten Film nicht ab, dennoch versprüht ihre Performance keine negativen Gefühle gegenüber ihrer Person, sondern ist eher durch Einsamkeit und Trauer geprägt, wie ein in die Ecke gedrängter Wolf, was ebenfalls auf Wolverine zutrifft.
Hugh Jackman verkörpert ihn hier ein letztes Mal und bietet eindeutig seine beste Leistung. Die Darstellung des gebrochenen Helden, der alle Menschen, die im wichtig waren, verloren hat, gelingt ihm zu 100 Prozent. Eine letzte gute Tat, ein letzter Akt der Menschlichkeit, seine Figur ist im Film hin und her gerissen, denn die Angst Gefühle für Laura aufzubauen und sie dann zu verlieren, könnte ihm ein Ende bereiten, was er nicht ertragen würde.
Auch Patrick Stewart spielt nochmal groß auf und auch seine Figur ist gebrochen. Er hadert mit den Taten der Vergangenheit und ist durch seine Krankheit sehr eingeschränkt. Dennoch ist er durch die ein oder andere witzige Bemerkung ein Lichtblick in dieser düster dargestellten Welt.
„Logan“ ist im Gegensatz zu den anderen Marvel-Filmen sehr humorlos geworden und ist gekennzeichnet durch eine extreme Gewalt. Wenn Wolverines Klingeln durch die Schädel der Gegner gebohrt werden oder er Köpfe und Kehlen aufschlitzt, wird diesmal voll draufgehalten und das Blut spritzt nur vor sich hin. Befremdlich dürfte für einige sein, dass auch Laura, die über dieselben Fähigkeiten wie Logan verfügt, munter drauflos metzelt und die Kamera auch hier nichts versteckt. Eine 11-Jährige, die reihenweise Menschen brutal abschlachtet, das ist mutig, aber fügt sich in den harten und kompromisslosen Ton von „Logan“ gut ein.
Regisseur James Mangold inszenierte gegen die üblichen Normen dieses Genres und wurde mit einem tollen Ergebnis belohnt. Schwächen weist er nur in der Länge des Films auf, die meines Erachtens nach rund 10-15 Minuten gekürzt hätte werden können, denn besonders vorm großen Showdown zieht er sich etwas, und in der Darstellung der Bösewichte, die zu eindimensional geworden sind, sowie kleine Logikfehler ( Handykamera im Forschungslabor).
Dennoch ist „Logan“ der Beweis dafür, dass Superheldenfilme auch anders gehen: Dreckig, rasant, brutal, emotional. Wie Anfang bereits erwähnt, stellt er den Abgesang einer Epoche dar, die aber leider nicht enden wird. Auch in den nächsten 5-10 Jahren wird das Kino von sich immer ähnelnden Comicverfilmungen bestimmt sein, da nimmt man solche Ausreißer wie „Logan“ gerne an, auch wenn er eigentlich den Schlussstrich markieren hätte sollen.
8/10
Habe ich ähnlich gesehen. Auch ich bin kein Marvel- und auch kein Superheldenfilmfan. Trotzdem fand ich Logan echt gut. Wobei ich schon ein paar Schwächen mehr ausgemacht habe. Oder sagen wir besser Dinge, die mich gestört haben. 😉
LikeGefällt 1 Person
Was hat dich denn mehr gestört?😄
LikeLike
Ich habe dazu auch ein paar Worte geschrieben. Um es kurz zu machen: Die sprachlichen Fähigkeiten des Kindes, ein paar Nebenrollen und der Schurke. 😉
Hier noch mal nachzulesen:
https://magofilmtipps.wordpress.com/2018/03/26/film-logan-ein-versoehnlicher-abschluss-fuer-einen-superheldenmuffel/
LikeLike
Gute Kritik! Ich empfand die Kritikpunkte, die du aufgelistet hast, weniger störend und würde ihm sogar 9 Punkte geben. Für mich einer der besten Superhelden-Filme!
LikeLike