Regisseur David Mackenzie konnte vorletztes Jahr mit seinem Neo-Western „Hell or High Water“ positiv überraschen, sodass sein mit Chris Pine und Ben Foster besetztes Werk bei den Oscars 2017 mit vier Nominierungen belohnt wurde, schlussendlich aber keinen gewinnen konnte.
Jener Chris Pine spielt auch in Mackenzies jüngstem Werk die Hauptrolle, welches direkt auf Netflix veröffentlicht wurde und quasi eine inoffizielle Fortsetzung zu Mel Gibsons Historienepos „Braveheart“ präsentiert.
Erzählt wird hier nämlich die Geschichte des schottischen Freiheitskämpfers Robert the Bruce, der sich selbst zum König Schottlands krönte und einen unersättlichen Widerstandskampf gegen die englische Besatzung führte, um sein Land unabhängig zu machen.
Im Gegensatz zu „Braveheart“, wo Robert the Bruce als durchaus schwacher Mann dargestellt und als Mitverantwortlicher für William Wallace Niederlage gemacht wurde, setzt Mackenzie bei „Outlaw King“ auf eine durchaus historisch korrekte Charakterisierung seiner Person, sowie bei der Darstellung der verschiedenen Abläufe im Unabhängigkeitskampf der Schotten.
Dies mag für die Historiker unter uns sehr willkommen sein, für diejenigen, die einen wuchtigen Historienfilm erwartet haben, der so mitreißt wie sein „Vorgänger“, mag „Outlaw King“ eine kleine Enttäuschung sein.
Denn emotional packt dieser einen zu fast keiner Minute, was mehrere Gründe mit sich zieht. So beschloss David Mackenzie seinen Film nach vielen negativen Stimmen bei der Erstaufführung beim Toronto International Film Festival um ca. 20 Minuten zu kürzen und das merkt man leider, denn der Schnitt ist in einigen Frequenzen wirklich nicht gelungen. Oft sind Szenen eine bloße Aneinanderreihung ohne richtigen Zusammenhang und zu häufig wird willkürlich hin und her gesprungen.
Des Weiteren ist das Drehbuch inklusive der Dialoge nicht wirklich gelungen. Man baut keine Bindung zu den Figuren auf, sodass es einem im Finale egal ist, ob diese nun sterben oder nicht. Haben wir in „Braveheart“ um jenen einzelnen Kameraden von Wallace mitgefiebert, herrscht hier eine Belanglosigkeit und Eindimensionalität auf fast jeder Ebene.
Mel Gibson lieferte in seinem 1995er Werk mit einer seiner besten Performances ab, er trug einen ganzen Film mit. Chris Pine hingegen wirkt in der Rolle des Robert teilweise verloren und lustlos. Sympathien können kaum aufgebaut werden. „Braveheart“ wird oft vorgeworfen, dass er die historischen Ereignisse stark durcheinander geworfen hat, doch dies diente einzig und allein der Dramaturgie und was dabei herausgekommen ist, ist ein Epos für die Ewigkeit.
Dass „Outlaw King“ dieses Level nicht erreichen konnte, war von vornherein klar. Dennoch lässt er viel Potential liegen, denn er macht auch einiges richtig.
Mackenzie fängt die raue und brutale Welt des Mittelalters in tollen Bildern ein. Kostüme und Setting sind atmosphärisch packend und die Effekte wirken sehr authentisch. Besonders die Planfrequenz in den ersten 10 Minuten hat große Lust auf den Film gemacht. Im Laufe kam es dann allerdings zu sehr viel Leerlauf bis am Ende in der finalen Schlacht wieder einiges passte.
„Outlaw King“ hinterlässt schlussendlich sehr gemischte Gefühle. Auf der einen Seite stehen die tollen Bilder und Einzelaufnahmen, die fast schon als Porträt verstanden werden können, und andererseits lassen diese Aufnahmen einen nach dem ersten Staunen doch kalt, da kaum Verbindung aufgebaut werden kann.
Die originale Fassung ist vielleicht in sich schlüssiger, sodass sie sicherlich einen Blick wert wäre. Wer brutale, atmosphärisch dichte Mittelalterunterhaltung sucht ist bei „Outlaw King“ gut aufgehoben, fesselnd wird es allerdings nie. Die Ansprachen von Wallace in „Braveheart“ verleiten einen dann doch mehr axtschwingend mit den Schotten in die Schlacht zu ziehen.
(Noch ein kurzer Hinweis: „Outlaw King“ besser im Originalton sehen, da die deutsche Synchronisation teilweise schrecklich ist, vor allem die der Tochter von Bruce.)
6,5/10
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