It Comes At Night

„The Witch“, „Hereditary“ und „It Comes At Night“ haben eins gemeinsam und damit ist nicht gemeint, dass alle Drei hervorragende Filme sind. Viel mehr unterlagen sie einer Werbekampagne gespickt mit Trailern, die einen völlig anderen Film anpriesen. Erwartungen eines stereotypischen Horrorfilms mit langweiligen Jumpscares wurden unnötig geschürt, sodass die breite Masse jene Filme eher ablehnte.

Doch gerade diese kleineren Filmperlen waren die wahren Schocker der letzten Jahre. Subtiler, natürlicher und stärker auf psychischer Ebene spielender Grusel vermochte es tiefgreifenden Schauer zu verteilen, der an Klassiker wie „Rosemaries Baby“ oder „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ erinnerte. Trey Edward Shults gelang es mit geringem Budget einen Horror-Thriller zu kreieren, der nicht bloß ein grandioses Kammerspiel ist, sondern auch jeden Zuschauer mit seinen Urängsten konfrontiert.

In einer postapokalyptischen Welt tobt ein unbekannter, tödlicher Virus, der Mensch und Tier wenige Stunden nach der Infektion dahinvegetieren lässt. Paul, seine Frau und sein Sohn haben sich in ihrem Haus mitten im Wald verschanzt und kämpfen ums Überleben. Als eines Tages ein fremder Mann versucht in ihr Haus einzubrechen, werden sie mit den Grundfragen der Menschlichkeit konfrontiert…

Im Gegensatz zu anderen Endzeitfilmen beleuchtet „It Comes At Night“ nicht das ganze Ausmaß einer solchen Katastrophe. Trey Edward Shults konzentriert sich bei der Darstellung des Settings auf das Haus, in dem die Familie wohnt, und den herumliegenden Wald. Wir sind als Zuschauer im Ungewissen, was dort draußen wirklich lauert, sodass eine gewisse Grundspannung den ganzen Film über gegeben ist.

Durch die packende Atmosphäre und den einfachen Grundvoraussetzungen des Films, versetzt man sich schnell in die Situation der Protagonisten und überlegt, wie man selbst in solch einer Situation handeln würde. Hier besonders in die Rolle des Familienvaters Paul, der im Verlauf des Films immer mehr abwägen muss was richtig oder falsch ist und dabei versucht das für ihn wichtigste überhaupt zu schützen: seine Familie.

Mit Joel Edgerton in der Hauptrolle konnte Shults sein Werk perfekt besetzen. Die teilweise innere Zerrissenheit, die Fürsorge, aber auch die omnipräsente Angst vermag Edgerton toll zu vermitteln und bildet so einen Fixpunkt.

Äußerst interessant ist aber auch, dass „It Comes At Night“ eine Thematik ausführt, die man in solchen Filmen eher selten bis gar nicht zu sehen bekommt: Das Durchleben der Pubertät in einem solchen Szenario, stets gefangen in den eigenen vier Wänden ohne Kontakt zur Außenwelt.

Pauls Sohn Travis stellt nämlich einen weiteren wichtigen Fixpunkt in Shults Film dar. Immer wieder hat er mit starken Alpträumen zu kämpfen und schleicht dabei nachts durchs Haus. Was Realität oder Traum ist, ist nicht immer zu unterscheiden, sodass vor allem am Ende viel Raum für eigene Interpretationen bleibt.

„It Comes At Night“ ist ein ruhiger, langsamer Film, er baut seine Spannung gemächlich auf und entlädt sie dann in einem fesselnden, nervenaufreibenden Ende. Dieser Ansatz und dass vergleichsweise viele Fragen doch offen bleiben, dürfte viele Zuschauer abschrecken.

Wer jedoch einen stark erzählten und brillant gespielten und gefilmten Endzeit- Horror-Thriller sehen möchte, ist bei „It Comes At Night“ genau richtig.

8/10

2 Antworten auf „It Comes At Night

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  1. Von diesem Film war ich leider ziemlich enttäuscht. Und das obwohl ich bewusst keine Trailer dazu geschaut und nur sehr wenig darüber gelesen hatte. Für mich war die Bedrohung zu konfus. Weder das zwischenmenschliche Misstrauen und die mögliche Gefahr in den eigenen vier Wänden, noch das tödliche Virus (?) draußen waren meiner Meinung nach emotional packend genug. Allerdings fand ich es sehr gut, dass der Film nicht zeigt was draußen vor sich geht und zu erklären versucht was wie warum zu welcher Zeit passiert ist.

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    1. Schade, dass der Film dich nicht packen konnte. Gerade das Unbekannte und die zwischenmenschliche Komponente haben mich sehr gefesselt. Aber bereits beim Sehen war eigentlich klar, dass die Meinung zu diesem Film doch sehr weit auseinander gehen wird 😉

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