Once Upon a Time in Hollywood

Da ist er also, Quentin Tarantinos neunter Streich. „Once Upon a Time in Hollywood“ ist laut eigener Aussage des Ausnahmeregisseurs sein vorletzter Film, ob dies wirklich so eintreffen wird, bleibt abzuwarten. Nach zwei Ausflügen ins Westerngenre („Django Unchained“, „The Hateful Eight“), reist Tarantino nun in das Hollywood der 60er zurück und liefert uns eine Ode an eben diese Epoche, vermischt dabei wieder gekonnt Realität und Fiktion und brennt dabei in 161 Minuten ein spaßiges Buddy-Film-Feuerwerk ab, das sein 8. Werk „The Hateful Eight“ übertrifft, allerdings leider nie an die Genialität und Doppelbödigkeit eines „Pulp Fiction“ oder „Inglourious Basterds“ herankommt. „Once Upon a Time in Hollywood“ ist dennoch ein must- see.

Hollywood 1969: Der in den 1950er Jahren durch die Westernserie „Bounty Law“ berühmt gewordene Schauspieler Rick Dalton erkennt, dass seine Zeit als gefeierter Star möglicherweise abgelaufen ist. Mit seinem Stuntdouble, besten Freund und Mädchen für alles Cliff Booth versucht er irgendwie über die Runden zu kommen und es nochmal in die High Society Los Angeles zu schaffen. Da passt es gut, dass der junge, gefeierte Regisseur Roman Polanski mit seiner Frau Sharon Tate in das Anwesen neben Daltons Wohnung zieht. Zeitgleich breitet sich außerdem im Hintergrund ein gewisser Charles Manson mit seiner Sekte aus…

Als vor knapp zwei Jahren bekannt wurde worum es grob im neuen Tarantino-Film gehen würde, wurde dieser immer wieder als erstes mit den Charles Manson Morden in Verbindung gebracht. Vorab kann man schon mal sagen, dass dies ein Teil der Story ist, aber deutlich weniger Zeit in Anspruch nimmt, als vorher zu vermuten war.

Vielmehr ist „Once Upon a Time in Hollywood“ im Kern ein Film über eine einzigartige Freundschaft zweier völlig unterschiedlicher Charaktere. Zum einen Rick Dalton, der große Selbstzweifel in sich trägt, emotional nicht gefestigt zu sein scheint und darüber hinaus ein enormer Narzisst ist. Auf der anderen Seite steht Stuntman Cliff Booth, ein Kriegsheld, dem vorgeworfen wird er hätte seine Frau ermordet, der aber dennoch mit sich absolut im Reinen ist und dem nichts aus der Ruhe bringen kann. Beide leben alleine, der eine in einer teuren Villa, der andere in einem heruntergekommenen Wohnwagen, trotz dessen bilden sie ein unzertrennliches Duo.

Gespielt werden die Beiden von Leonardo DiCaprio und Brad Pitt. Zwei Namen, die für sich stehen. Die Zwei sind schauspielerisch über jeden Zweifel erhaben und selbst bei diesen großartigen Schauspielern hat man das Gefühl, dass Tarantino sie noch ein Stücken besser macht. Generell ist der Cast gespickt mit einer Vielzahl an Schauspielgrößen: Kurt Russell, Al Pacino, Margot Robbie… Selbst Tarantino-Freund Michael Madsen hat einen kurzen Cameo-Auftritt.

Quentin Tarantino mag keine Hippies und rechnet mit ihnen schonungslos ab, so wie er es bereits mit den Nazis in „Inglourious Basterds“ und den amerikanischen Sklavenhaltern in „Django Unchained“ getan hat.

Dafür liebt er umso mehr das Hollywood der 60er. Eine Hommage, eine Huldigung dieser Zeit. Voll von unzähligen Referenzen und Verweisen und der vollen Dröhnung aus popkulturellen Musikstücken dieser Zeit. Tarantino zelebriert jede Szene, schließt am Ende einen Bogen, der in der Gesamtbetrachtung allerdings nicht so schlüssig wirkt, wie in vorherigen Filmen. Denn handlungstechnisch hat „Once Upon a Time in Hollywood“ nicht sehr viel zu bieten in über 2,5 Stunden. Während Tarantino sich im alten Kino austobt, verliert er den Faden zum neuen, etwas was ihn sonst auszeichnet.

In „Once Upon a Time in Hollywood“ geht Tarantino deutlich stärker über die Bildsprache, Dialoge sind ausschweifend, aber nie wirklich subtil und doppelbödig. Den Spaßfaktor halten vor allem die beiden Hauptdarsteller die ganze Zeit über aufrecht, was auch daran liegt, dass man nie weiß, was als nächstes passiert.

Ein klassisches Motiv von Tarantino, die Rache, erleben wir hier nicht. Viel mehr wird beobachtet, studiert und verehrt. Die Gewaltspitzen sind kurz, brutal und diesmal wieder etwas weniger comichaft dargestellt wie noch in vorangegangen Filmen.

In den ersten 2/3 von „Once Upon a Time in Hollywood“ tobt sich Tarantino im Kinderzimmer des Hollywoods der 60er aus. Film in Film Darstellungen, Rick Dalton in „Gesprengte Ketten“, ausschweifende Autofahrten… als Zuschauer nimmt man dies entweder an, lässt sich berauschen von einer famosen Ausstattung, prächtig aufgelegten Schauspielern oder stößt dies ab und wirft Tarantino Langatmigkeit und Starrsinn vor.

Im letzten Drittel übernimmt dann Kurt Russell, der auch den Stuntkoordinator Rendy spielt, als Erzähler und der Film entwickelt einen Drive und mündet schließlich in einem Schlussakt, der so abstrus, brutal, einzigartig und schwarzhumorig daherkommt, dass es schade ist, dass  der wilde Trip durch Hollywood endet.

Tausende Anekdoten, nackte Füße, Red Apple, beispiellose Schauspielleistungen, eine imposante Ausstattung, realistische Settings… „Once Upon a Time in Hollywood“ ist ein typischer Tarantino, der unterm Strich leider dennoch Potenzial liegen lässt. Zu sehr verliert er sich in einzelne Szenen, verliert dabei nie das große Ganze, kann aber trotzdem nicht immer über die 161 Minuten einen spannungsreichen Flow aufrechterhalten.

8/10

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