Trailer, Genrerichtungen und Kurzbeschreibungen zu einem Film können vorm eigentlichen Sehen doch stark beeinflussen. Entweder die Erwartungen steigen ins Unermessliche oder man geht schon mit verschränkten Armen in den Film. Manchmal hat man aber auch das wunderbare Glück, dass sich die verschränkten Arme lösen und jegliche Voreingenommenheit verschwindet. Selbiges ist mir bei „Alles eine Frage der Zeit“ passiert.
Eine romantische Komödie mit Elementen der Zeitreisen- klingt doch irgendwie sehr kitschig. Was Regisseur Richard Curtis daraus gezaubert hat ist allerdings alles andere als kitschig, sondern ehrlich und berührend.
Kurz bevor Tim nach London zieht, um eine Ausbildung als Jurist zu beginnen, erfährt er von seinem Vater, dass alle Männer in ihrer Familie die Fähigkeit haben in der Zeit zurückzureisen. In London angekommen trifft er auf Mary, in die er sich prompt verliebt. Mit der Möglichkeit des Zeitreisens versucht er die Liebe seines Lebens zu gewinnen und sein Leben in die perfekten Bahnen zu leiten…
All dies klingt so wunderbar aus dem Bilderbuch und der Kitsch könnte nur so von der Decke tropfen und zugegeben „Alles eine Frage der Zeit“ fängt auch so an. Die ersten 20-30 Minuten verlaufen typisch für ein solches Genre, doch dann nimmt der Film eine Wendung an und entwickelt einen Drive, der nicht nur unglaublich Spaß macht, sondern auch ans eigene Leben erinnert, denn beschriebene Situation hat jeder von uns schon mal erlebt.
Für die starke Authentizität sorgen vor allem Rachel McAdams, die mit ihrer Natürlichkeit verzaubert, sowie das Vater-Sohn- Gespann Domhnall Gleeson und Bill Nighy, die für die stärksten Momente im Film sorgen und am Ende keine Augen trocken lassen.
Ist „Alles eine Frage der Zeit“ im ersten Drittel mehr eine romantische Komödie, wird er mit zunehmender Spielzeit ernster und tragischer, verliert aber nie seinen leichten britischen Humor.
Der Mikrokosmus der Liebesgeschichte zwischen Tim und Mary erweitert sich zudem immer mehr in eine Betrachtung auf das ganze Leben, inklusive aller dazugehörenden tückischen, fröhlichen oder traurigen Wendungen.
„Alles eine Frage der Zeit“ ist ein Film, der zum Träumen verleitet und einem ungemein ans Herz wächst. Das fantastische Element der Zeitreise ist für Curtis nur Mittel zum Zweck, welches immer wieder echte Momente aufweist, die wiederum urkomisch sind (erster Sex) oder unglaublich berührend (Abschiednehmen).
Die furchtbare Erkenntnis, das jeder Lebensabschnitt, so schön er auch ist, immer nur von Dauer ist, scheint banal, doch gerade diese Banalität regt zum Denken und Mitfühlen an. Curtis lässt seine Figuren durch diese Abschnitte gehen, immer mit einem Augenzwinkern, aber nie albern.
In der Gesamtbetrachtung bleibt eine Ode an das Leben. Selten gab es einen Film, der mit einer solchen Leichtigkeit, aber auch mit einer harten und brachialen Ehrlichkeit das so facettenreiche Leben widerspiegelt. Niedlich, authentisch, einfach und voller Liebe. „Alles eine Frage der Zeit“ ist nicht nur ein Film für die Romantiker unter uns, sondern auch für diejenigen, die einen verdammt starken Film sehen wollen.
Abzüge gibt es nur für den etwas zähen Beginn.
8,5/10
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