28 Years Later: The Bone Temple

„28 Years Later“ aus dem vergangenen Jahr zählte zu den meistdiskutierten Filmen und größten Überraschungen 2025 – für mich zugleich der stärkste Teil der gesamten Reihe. Nun folgt back to back der zweite Teil der geplanten Trilogie: „28 Years Later: The Bone Temple“.
Das Drehbuch stammt erneut von Alex Garland, auf dem Regiestuhl nahm diesmal Nia DaCosta Platz – eine Entscheidung, die im Vorfeld durchaus Skepsis auslöste, konnte ihre bisherige Filmografie doch nur bedingt überzeugen. Zwar kehrten große Teile des kreativen Teams zurück, ganz ohne Zweifel ging man dennoch nicht in diese Fortsetzung.

„The Bone Temple“ setzt nahtlos am Ende von „28 Years Later“ an und treibt die Geschichte gnadenlos weiter voran.

Der junge Spike befindet sich nun in den Fängen der skurrilen Gruppierung der Jimmys und schlägt sich mit ihnen durch ein von Infizierten verseuchtes Schottland. Parallel dazu wird der zweite große Handlungsstrang fortgeführt: jener um Dr. Ian Kelson, der fernab moralischer Grenzen mit den Infizierten experimentiert und dabei eine verstörend neue Perspektive auf die Krankheit eröffnet.

Zunächst das Positive: „The Bone Temple“ ist ohne Zweifel Nia DaCostas stärkster Film und wer die Reihe liebt, wird auch hier auf seine Kosten kommen. Als Mittelteil erfüllt der Film eine schwierige Aufgabe erstaunlich gut: Er steht eigenständig und schlägt zugleich eine klare, vielversprechende Brücke zum großen Finale der Trilogie.

Während „28 Years Later“ vor allem die Welt 28 Jahre nach dem Ausbruch etablierte, vertieft „The Bone Temple“ nun gezielt zwei Stränge: die Jimmys und Dr. Ian Kelson. Genau hier liegt jedoch auch die größte Schwäche des Films.

War es im Vorgänger eine echte Überraschung, dass Spike zur zentralen Identifikationsfigur wurde – mit einem starken emotionalen Payoff –, rückt er hier zunehmend in den Hintergrund. Über weite Strecken stehen die Jimmys im Fokus. Spike ist Teil dieser Gruppe, doch nicht mehr ihr emotionales Zentrum. Das kostet dem Film spürbar Tiefe.

Wer nach „28 Years Later“ dachte, die Jimmys seien lediglich eine grotesk überzeichnete, fast schon comicartige Fraktion, irrt gewaltig. „The Bone Temple“ zeichnet sie als zutiefst sadistische, unberechenbare Gruppierung. Der Film ist brutal, teilweise verstörend und das nicht immer notwendig. Man spürt den Willen, um jeden Preis zu schockieren. Ab einem gewissen Punkt führt das weniger zu Intensität als zu Abstumpfung.

Dennoch: Schonungslosigkeit gehört zur DNA dieser Reihe. Und auch hier bleibt der Film seiner Linie treu. Die altbekannte, aber weiterhin wirksame Genrethese – dass der Mensch im Ausnahmezustand oft das größere Monster ist – wird konsequent weitergedacht. Zombies im klassischen Sinne sind die Infizierten ohnehin nicht und genau darin liegt erneut die Stärke des Konzepts.

Alex Garland gelingt es trotz aller Härte, dem Genre im Mittelteil etwas Neues hinzuzufügen. Der gesamte Strang rund um Dr. Ian Kelson ist frisch gedacht und reizvoll. Ralph Fiennes spielt diese Figur mit beängstigender Ruhe, Intelligenz und einem unterschwelligen Wahnsinn. Ohne zu spoilern: Es entwickelt sich beinahe eine groteske Form von „Buddy-Dynamik“ zwischen ihm und den Infizierten – eine Idee, die verstört, fasziniert und lange nachwirkt.

Der Film springt immer wieder zwischen den Jimmys und Dr. Kelson hin und her. Nicht immer findet er dabei die richtige Balance. Beide Stränge müssen zwangsläufig zusammenlaufen und wenn sie es tun, dreht „The Bone Temple“ völlig durch. Und zwar im besten Sinne.
Was dann folgt, ist kaum zu beschreiben: Wir bekommen den Teufel, Drogen, ein Musikvideo-artiges Finale – völlige Eskalation. Ralph Fiennes und Jack O’Connell spielen nun komplett frei, die Ekstase übernimmt das Kommando.

Auch visuell geht der Film eigene Wege: keine iPhone-Ästhetik, stattdessen Zeitraffer, harte Schnitte, entfremdete Bilder. „The Bone Temple“ besitzt diese extremen Momente, die Fans lieben werden. Er erreicht nicht die emotionale Tiefe von „28 Years Later“, doch er schafft es, Fanherzen höherschlagen zu lassen, eine perfekte Brücke zum Abschluss zu schlagen und Genre-Liebhaber mit kompromissloser Härte zu bedienen.

Unterm Strich ist „The Bone Temple“ ein wuchtiger Mittelteil mit einem sadistisch starken Antagonisten, einem entfesselten Ralph Fiennes, großartigem Sounddesign und beeindruckenden Bildern. Spike rückt dabei leider zu sehr an den Rand und insgesamt erreicht der Film nicht die Klasse seines direkten Vorgängers – er markiert damit den bislang schwächsten Teil der gesamten 28-Reihe.

Doch die Spannung auf Teil drei ist immens. Und allein dafür hat „The Bone Temple“ am Ende alles richtig gemacht.

7/10

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