Der Astronaut

Nachdem bereits Altmeister Ridley Scott sich an eines der Werke von Autor Andy Weir wagte und dieses meisterhaft auf die Leinwand zauberte („Der Marsianer“), wagten sich nun Chris Miller und Phil Lord an die nächste Adaption des Schriftstellers. Das Regieduo war bis dato eher für Animationsfilme bekannt, welche allesamt für Aufsehen sorgten. „Spider-Man: A New Universe“ oder „The Lego Movie“ sind starke Genrevertreter, die Komik, Action und Story wunderbar miteinander verbinden. Die von den beiden ebenfalls inszenierten „21 Jump Street“-Filme sind zudem gelungene Buddy Movies. Schaut man sich diese Filmografie an, ist unschwer zu erkennen, dass viele dieser Motive und Themen in „Der Astronaut“ zu einer perfekten Symbiose werden. Vielleicht sollten sich Leute aus dem Animationsbereich öfter an Realverfilmungen wagen, es wird belohnt.

Durch den sogenannten Petrowa-Strahl zwischen Venus und Sonne erwartet die Menschheit eine globale Katastrophe, da dieser für das Abdunkeln der Sonne und somit das Abkühlen der Erde verantwortlich ist. Die fachkundigsten Astronauten, Astrophysiker und Molekularbiologen werden an einen Tisch gesetzt, um der Katastrophe entgegenzuwirken. Nicht ganz freiwillig landet schließlich auch Lehrer Roland Grace an diesem Tisch und findet sich schneller als gedacht im Weltall wieder, auf einer Mission, die nichts Geringeres ist als die Rettung der Menschheit.

Ähnlich wie „Der Marsianer“ handelt es sich hier um sogenannte „Hard Science Fiction“, also möglichst wissenschaftlich fundierte und realitätsnahe Science-Fiction. Zur Vorbereitung wurden namhafte Wissenschaftler einbezogen. Gleichzeitig liegt die große Herausforderung darin, diese komplexen Themen verständlich auf die Leinwand zu bringen. Genau das gelingt Lord und Miller erstaunlich leichtfüßig. Das schwere Thema des Weltuntergangs beziehungsweise der Rettung der Erde wird zugänglich, spannend und unterhaltsam erzählt.

Angeführt von Ryan Gosling, der hier nahezu eine One-Man-Show abliefert, entwickelt sich „Der Astronaut“ in seinen knapp 160 Minuten zu einem perfekten Blockbuster, der alle Facetten des Kinos bedient. Ein wahrer Publikumsliebling. Dramatik, Action und Witz greifen ineinander und der Film schafft es, trotz seiner Schwere eine hoffnungsvolle und flüssige Weltraumoper zu erzählen, die nur so vor atemberaubenden Bildern strotzt.

Auch technisch ist „Der Astronaut“ überragend. Die Mischung aus praktischen Effekten und gezielt eingesetzter digitaler Technik sorgt für eine beeindruckende Authentizität. Die Weiten des Alls wirken greifbar, fast schon bedrohlich nah. Unterstützt wird das Ganze von einem kraftvollen, teilweise sehr emotionalen Soundtrack, der die Bilder trägt und verstärkt, ohne sich aufzudrängen.

Ryan Gosling spielt Roland Grace mit viel Feingefühl und einem perfekten Gespür für Timing. Er schafft es, sowohl die Verzweiflung als auch den Humor seiner Figur glaubhaft zu transportieren und trägt den Film mühelos über weite Strecken allein.

Ohne zu viel verraten zu wollen, entwickelt sich „Der Astronaut“ nach und nach von einer klassischen „Wir retten die Welt“-Geschichte hin zu einer überraschend herzlichen Buddy-Story. Der Film verliert dabei nie seine Ernsthaftigkeit, nimmt sich selbst aber auch nicht zu wichtig. Es entsteht eine emotionale Achterbahnfahrt. Wenn schließlich die deutsche Schauspielerin Sandra Hüller Harry Styles’ „Sign of the Times“ performt, bleibt wohl kaum ein Auge trocken.

Oft mit „Der Marsianer“ und „Interstellar“ verglichen, bewegt sich „Der Astronaut“ tonal irgendwo zwischen diesen beiden Werken. Visuell muss er sich vor dem Mammutprojekt „Interstellar“ keineswegs verstecken und schafft es dennoch, eigene Akzente zu setzen. Der Film entwickelt seinen ganz eigenen Zauber und zieht den Zuschauer vollständig in seine Welt.

Der Appell ist klar: Das ist ein Kinoerlebnis und sollte unbedingt auf der großen Leinwand gesehen werden. Gegen Ende dreht der Film vielleicht die ein oder andere Schleife zu viel, findet aber dennoch einen sehr stimmigen und emotionalen Abschluss.

Grandiose Ausstattung, ein bestens aufgelegter Ryan Gosling und eine Weltraum-Bromance, die jetzt schon zu den besten Filmen des Jahres zählt. Das Regieduo Chris Miller und Phil Lord zaubert aus dem Roman von Andy Weir ein echtes Meisterwerk.

9/10

3 Antworten auf „Der Astronaut

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  1. Ich bin eigentlich ungewollt in den Film gegangen worden aber letztendlich muss ich sagen: DAS hat sich gelohnt. Der Film ist richtig geil. Leider kann ich nicht viel sagen, weil ich sonst spoilern müsste.

    Nur soviel: Mir persönlich gefällt das Ende nach dem Ende richtig gut. Ich fand das klasse. 🙂

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